Experten-Stimmen

Worauf Frauen in der Schwangerschaft verzichten sollten

Schwangere Frau auf dem Laufband
Sport in der Schwangerschaft – wie viel ist gut, wann sollte Frau auf die Bremse drücken?
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Was darf ich in der Schwangerschaft, was sollte ich lieber bleiben lassen? STYLEBOOK hat bei Experten nachgefragt und mit ihnen über Dos und Don'ts gesprochen.

Mythos Haare färben

Am Thema „Haare färben in der Schwangerschaft“ scheiden sich immer noch die Geister – die einen halten es für komplett ungefährlich, andere glauben, eindringende Giftstoffe könnten dem Ungeborenen schaden. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen: „Strähnchen, die durch ein Sieb gezogen und dann gefärbt werden, sind sicherlich nicht gefährlich“, erklärt Dr. med Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. Wer ganz sicher gehen will, sollte also darauf achten, dass die Haarfarbe nicht mit der Kopfhaut in Berührung kommt. Vorsicht ist außerdem bei Färbeprodukten geboten, die aus dem Ausland kommen und/oder im Internet bestellt wurden: Sie können die Höchstgrenzen an gesundheitsschädlichen Stoffen überschreiten, die in Deutschland zugelassen sind.

Gefährliche Inhaltsstoffe in Körperöl und -creme

Die richtige Pflege für den Babybauch wirkt nicht nur Dehnungsstreifen entgegen, das Einreiben kann gleichzeitig auch das Baby beruhigen. Dafür können neben speziellen Schwangerschaftsölen auch normale Körperöle und -cremes verwendet werden. Hier sollten Schwangere in jedem Fall auf die Inhaltsstoffe achten – verzichten Sie besser auf Paraffin und MOAH (aromatisierte Kohlenwasserstoffverbindungen), da diese Stoffe im Verdacht stehen, nachhaltig die Gesundheit zu schädigen. Das Bundesamt für Risikobewertung rät außerdem, keine Kosmetika mit Parabenen zu benutzen. Deren hormonähnliche Wirkung ist gerade bei Frauen noch nicht gänzlich untersucht.

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Maniküre

Für satte Farben und eine möglichst lange Haltbarkeit sind in vielen Nagellacken Weichmacher und Lösungsmittel enthalten, die bei hohen Mengen die Gesundheit beeinträchtigen können. Die in Nagellack enthaltene Dosierung ist aber ungefährlich, gibt der Experte Entwarnung: „Wenn der Lack exakt aufgetragen wird und nur mit dem Nagel selbst in Kontakt kommt, ist eher nicht mit einer Gefährdung zu rechnen. Der Hautkontakt und das Einatmen der Dämpfe sollte allerdings vermieden werden“, so Dr. med. Albring. Wollen Schwangere komplett auf Nummer sicher gehen, sollten sie zu sogenannten free-Produkten greifen, die auf die potenziell schädliche Stoffe komplett verzichten. Beim Nagellackentferner bietet sich ein acetonfreies Mittel an.

Schwangere Frau lackiert Nägel

Eine Maniküre zuhause ist vollkommen ungefährlich. Auf den Besuch im Nagelstudio sollte wegen der giftigen Dämpfe aber besser verzichtet werden.
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Sonnenbaden und Solarium

Eine gewisse Menge an Vitamin D ist wichtig für den Körper und steigert das Wohlbefinden. Allerdings sollte bedacht werden, dass die Haut in der Schwangerschaft durch die veränderten Hormonproduktion leichter zu großflächigen Pigmentflecken neigen kann. Deswegen gilt: Immer auf einen ausreichend hohen Sonnenschutz achten und das Sonnenbaden in der prallen Mittagssonne unbedingt vermeiden. Den Gang ins Solarium sollte man sich bis nach der Entbindung sparen, raten Experten. Die hohe UV-A-Strahlung steht in Verdacht, Folsäure zu zersetzen, und die ist gerade in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen extrem wichtig für das Wachstum des Babys. Außerdem ist für den Aufbau von Vitamin D UV-B-Strahlung notwendig, wofür wiederum „der Aufenthalt im Freien Voraussetzung“ sei, so die Berliner Fachärztin für Dermatologie, Dr. med. Yael Adler.

Schmerzmittel

Generell gilt: Bei Medikamenten in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten, vor der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker gehalten werden. Über die Plazenta können die enthaltenen Wirkstoffe in den Blutkreislauf des Babys gelangen und im schlimmsten Fall den Embryo nachhaltig schädigen. Forscher einer britischen Uni haben sich intensiv mit der Wirkung von Paracetamol in der Schwangerschaft beschäftigt, die bislang als unbedenklich galt. Die Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) kam jedoch zu dem Ergebnis, dass die regelmäßige Einnahme in der Schwangerschaft wohl doch Einfluss auf das Verhalten von Kleinkindern haben kann, betroffene Mütter charakterisierten ihre Kinder als hyperaktiv, leicht ablenkbar und unkonzentriert.

Sport

Viele Frauen möchten auch in ihrer Schwangerschaft nicht auf ihre sportliche Routine verzichten. Aber ist das wirklich ratsam? Ja und nein, erklärt Dr. med. Christian Albring, gerade bei Bauchübungen sollten Schwangere besonders vorsichtig sein und es nicht übertreiben. Wer seien Fitness unbedingt behalten möchte, riskiert, dass die Bauchmuskeln überdehnen oder im schlimmsten Fall sogar reißen. Moderates Training hingegen sei unbedenklich und helfe gleichzeitig dem Wohlbefinden der Schwangeren. Wichtig sei dabei, „auf den Körper zu hören und ihm eine Pause gönnen, wenn er sie braucht“, rät der Gynäkologe. Besonders Yoga, Schwimmen oder Nordic Walking eignen sich für Frauen in anderen Umständen, erklärte die Fitness-Expertin Micha Østergaard gegenüber STYLEBOOK. Besser vermieden werden sollten Sportarten, bei denen viel gesprungen wird  – wie Tennis oder Basketball – oder auch kontaktintensiver Kampfsport.

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Schwangere macht Yoga

Immer mehr Yoga-Studios bieten extra Kurse für Schwangere an, die optimal auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind
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Vegane Ernährung

Wer sich vegan ernährt, sollte vor allem darauf achten, dass ausreichend Vitamin B12 zugeführt wird – ein Vitamin, das gerade in der Schwangerschaft extrem wichtig für das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns des Ungeborenen ist. Wer sich weiter komplett frei von tierischen Produkten ernähren möchte, sollte zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, die einen Mangel ausgleichen können, rät der Münchener Kinderarzt Professor Stefan Ebner gegenüber FITBOOK. Um den Körper optimal auf eine anstehende Schwangerschaft vorzubereiten, empfiehlt der Mediziner, bereits einige Wochen zuvor mit der Aufnahme von B12 zu beginnen. Ob weitere Substitutionen notwendig sind, muss individuell mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.