Methoden im Check

So bestimmen Sie Ihre fruchtbaren Tage selbst

Fruchtbare Tage
Verschiedene natürliche Methoden helfen dabei, die fruchtbaren Tage zu bestimmen und so gezielt zu verhüten oder ein Kind zu planen.
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Babywunsch? Angst vor einer Schwangerschaft? In beiden Fällen ist es für eine Frau sinnvoll, ihre fruchtbaren Tage zu kennen. Dafür bieten sich verschiedene Methoden an. STYLEBOOK erklärt, wie sie funktionieren.

Ein Zeichen ist laut Gynäkologe Dr. Jürgen Klinghammer der Mittelschmerz: „Viele Frauen spüren ihn – Beschwerden in Form eines Ziehens oder Stechens im Unterbrauch in der Mitte des Zyklus.” Aber auch all jene, die diesen Schmerz nicht spüren, können ihre fruchtbaren Tage bestimmen und in der Konsequenz entscheiden, ob verhütet werden soll oder eben nicht. Damit das funktioniert, sollte Frau ihren Körper allerdings sehr genau kennen. Eine Grundvoraussetzung ist, dass der Zyklus nicht durch Hormonzugabe aus dem Takt ist.

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Methoden zur Bestimmung der fruchtbaren Tage

Zervixschleim beobachten

Zervixschleim ist das Sekret, das Frauen als weißen Ausfluss kennen. Er kommt aus den Drüsen im Gebärmutterhals und schützt vor Keimen, Bakterien und Pilzen. Zum einen verhindert er ihr Eindringen, zum anderen spült er sie wieder raus, falls sie anderweitig in die Vagina gelangt sind. Das Sekret verändert seine Konsistenz je nachdem, wo sich die Frau gerade in ihrem Zyklus befindet. An den unfruchtbaren Tagen zeigt sich der Zervixschleim dickflüssig, undurchsichtig, klebrig und teilweise klumpig. Er hat jetzt einen weißlichen bis leicht gelblichen Farbton und blockiert Spermien den Zugang zum Muttermund. An den fruchtbaren Tagen ändert sich das. Frauenarzt Dr. Klinghammer erklärt: „Viele Frauen merken, dass sich der Zervixschleim in den fruchtbaren Tagen verändert. Er vermehrt sich jetzt und wird spinnbar.” Zum Zeitpunkt des Eisprungs lässt er sich bis zur Fingerbreite langziehen, der Schleim ist dünnflüssiger und durchsichtiger. Diese Konsistenz soll die Spermien auf ihrem Weg zur Gebärmutter unterstützen.

Bei der so genannten Zervixschleim-oder Billings-Methode wird der Zervixschleim über einen längeren Zeitrahmen beobachtet und ausgewertet. Am einfachsten funktioniert das mit entsprechenden Zyklus-Apps oder -Computern. Aber Vorsicht: Faktoren wie Stress oder Krankheiten können den Zyklus beeinflussen. Wer auf keine Fall schwanger werden möchte, sollte definitiv zusätzlich verhüten.

Basaltemperatur messen

Die Körpertemperatur steigt bei Frauen natürlicherweise um ein halbes Grad an, sobald der Eisprung vorbei ist. Mit der Menstruation sinkt sie wieder. Die Temperaturmethode basiert auf dem täglichen Messen der Basaltemperatur nach dem Aufwachen. Da die Schwankung gering ist und schnell Messfehler passieren, sollte die Temperatur immer zur gleichen Zeit, an gleicher Stelle und mit dem gleichen Thermometer gemessen werden. Die Messwerte werden bei der Temperaturmethode auf einem Kurvenblatt oder einer Tabelle festgehalten. Generell gilt: Die Temperatur kann sich auch durch Faktoren wie zu wenig Schlaf, Krankheit oder Alkoholkonsum verändern.

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Gebärmutterhals und Muttermund abtasten

Wie Zervixschleim und Temperatur verändern sich auch der Gebärmutterhals und der Muttermund im Laufe des Zyklus. An den fruchtbaren Tage ist der Muttermund weich, leicht geöffnet und liegt weiter oben in der Vagina. Nach der Menstruation sind Gebärmutterhals und Muttermund leichter fühlbar, ragen weiter in die Vagina hinein. Der Muttermund ist dann geschlossen und fühlt sich insgesamt härter an. Auch bei dieser Methode ist die tägliche Untersuchung über einen längeren Zeitraum notwendig, um die Veränderungen und damit den Anfang der fruchtbaren Tage feststellen zu können.

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Symptothermale Methode

Zur sichereren Bestimmung der fruchtbaren Tage können die Zervixschleim- und die Basaltemperatur-Methode kombiniert werden. Man spricht bei der Kombination der natürlichen Verhütungsmethoden auch vom Konzept der NFP, der natürlichen Familienplanung. Die symptothermale Methode hat – je nach Quelle – einen Pearl-Index von 0,4 bis 2,3. Das bedeutet, dass vier von 1000 bis 2,3 von 100 Frauen trotz der Methode schwanger werden. Entscheidend ist wie bei allen anderen Verhütungsmitteln auch hier die richtige Anwendung: Wer eine Schwangerschaft defintiv vermeiden möchte, sollte während der fruchtbaren Tage unbedingt mit Kondom, Diaphragma oder ähnlichem verhüten.

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Urin auswerten

Neben dem Zervixschleim und der Temperatur kann auch der Urin Aufschluss darüber geben, an welcher Stelle sich eine Frau gerade in ihrem Zyklus befindet. Dabei kann ein Ovulationstest aus der Drogerie ebenso helfen wie ein Verhütungscomputer. Gemessen wird bei beiden Verfahren der Wert des Luteinisierenden Hormons (LH-Wert), mit dem Computer zusätzlich das Östrogen. Letzteres steigt in der ersten Zyklushälfte an, der Wert liegt zu Beginn zwischen 25 und 95 Nanogramm pro Liter. Zur Zeit des Eisprungs steigt es auf 75 bis 570 und fällt anschließend auf 60 bis 250. Der enorme Anstieg des Östrogens beeinflusst wiederum den LH-Wert. Auch der steigt in der Ovulationsphase merklich an, das LH löst schließlich den Eisprung aus. Liegt der Wert nach Menstruation und Eisprung zwischen 2 und 8 U/ Liter, steigt er zum Eisprung auf bis zu 20 an. Die fruchtbare Zeit ist etwa zwischen drei Tagen vor bis zwei Tage nach dem Anstieg des LH-Wertes.

Hilfsmittel

Um die fruchtbaren Tage sicher über einen längeren Zeitpunkt zu bestimmen, gibt es diverse Hilfsmittel. Praktisch sind diverse Apps, die kostenlos zu haben sind. Hier werden regelmäßig die Daten aus Zervixschleim- und Basaltemperatur-Methode eingetragen, daneben können Papierversionen wie Kurvenblätter und Temperaturtabellen helfen. Diverse Anbieter bieten außerdem sogenannte Eisprungrechner an. Grundvoraussetzung für alle natürlichen Methoden ist dabei, dass der Zyklus regelmäßig ist – und das Wissen, dass die Natur sich durchaus mal irren kann.