Experte klärt auf

Bauchdeckenstraffung nach Schwangerschaft – Risiken und Kosten

Frau nach Schwangerschaft
Während an manchen Frauen eine Schwangerschaft quasi spurlos vorüber geht, bildet sich bei anderen die Haut nicht gut zurück. In diesem Fall kann eine Bauchdeckenstraffung eine Option sein
Foto: Getty Images

Durch eine Schwangerschaft wird die Haut am Bauch extrem gedehnt, nicht immer bildet sie sich nach der Geburt wieder zurück. Manche Frauen ziehen in diesem Fall eine Bauchdeckenstraffung in Erwägung. STYLEBOOK sprach mit einem Facharzt für ästhetische Chirurgie über mögliche Risiken, Vorteile und Kosten des Eingriffs.

Inhaltsverzeichnis

Für wen kommt eine Bauchdeckenstraffung in Frage?

Eine Bauchdeckenstraffung kommt sowohl für Frauen mit einer Kaiserschnittgeburt als auch für Frauen nach einer natürlichen Entbindung in Frage: „Es gibt Momente, in denen die Haut nicht mehr in ihre ursprüngliche Form zurückfindet“, erklärt Dr. Taufig, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Stadtklinik Köln. Neben der individuellen Disposition der Frau sei das auch von der Lage des Kindes im Bauch der Mutter abhängig: „Wenn es eher im Oberbauch oder seitlich lag, dann ist die Haut dort besonders gedehnt. Lag das Baby im Unterbauch, kann die überschüssige Haut gut mit einer höher geschnittenen Bikinihose oder High-Waist-Hosen kaschiert werden. An der Seite und am Oberbauch geht das leider nicht so einfach“, so der Experte.

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Wann kann die Operation durchgeführt werden?

Sind Frauen mit ihrem Bauch nach der Geburt unzufrieden und schaffen weder Rückbildung, Sport noch gesunde Ernährung Abhilfe, kann der Eingriff in Erwägung gezogen werden. Das gilt auch für den Fall, dass die geraden Bauchmuskeln durch die Schwangerschaft oder Geburt gerissen sind. In der Regel wird eine Bauchdeckenstraffung frühestens sechs Monate nach der Entbindung durchgeführt, so der Experte. „Ich warte auch gerne bis zu einem Jahr ab, damit wirklich alle Veränderungen im Körper abgeschlossen sind, denn das Körpergewicht muss stimmen. Es macht keinen Sinn, einen Bauch zu straffen, wenn die Frau danach noch weiter an Gewicht verliert und die Haut dann erneut schlaff wird“, erklärt Dr. Taufig.

Wie läuft der Eingriff ab?

Zu Beginn der Operation wird überschüssiges Fett abgesaugt. Dann wird – ähnlich wie beim Kaiserschnitt – ein Schnitt quer entlang der untersten Falte am Unterbauch angesetzt. Anschließend werden Haut und Unterhaut-Fettgewebe bis hoch zu den Rippen von dem darunter liegenden Gewebe gelöst. Der Nabel wird aus der umliegenden Haut gelöst und die Patientin wird unter Vollnarkose in Sitzposition gebracht. So könne genau festgestellt werden, wie viel überschüssige Haut entfernt werden müsse, erklärt der Mediziner das Vorgehen. Ist das geschehen, wird der Nabel an der richtigen Stelle wieder eingesetzt, der Schnitt wird zugenäht. Die Operation sei zwar prinzipiell nicht sehr kompliziert, mit drei bis vier Stunden aber zeitintensiver als andere Eingriffe.

Was sind mögliche Risiken einer Bauchdeckenstraffung?

Wie bei jedem Eingriff unter Vollnarkose, bestehen auch hier die üblichen OP-Risiken wie Blutungen, Schäden durch die Narkose oder mögliche Infektionen. Auch kann es passieren, dass bei der Bauchdeckenstraffung Nerven durchtrennt werden, was zu einem zeitweisen oder auch dauerhaften Taubheitsgefühl in der Bauchregion führen kann. Für eine weitere Schwangerschaft stellt der Eingriff jedoch kein Risiko dar. „Die Haut kann sich erneut weit dehnen, denn bei Frauen ist die Struktur ganz anders als bei Männern und eben genau für diese starke Beanspruchung ausgelegt“, erklärt Dr. Taufig.

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Inkontinenz durch Bauchdeckenstraffung beheben

Neben rein ästhetischen Gründen kann eine Bauchdeckenstraffung auch einen weiteren, weitestgehend unbekannten Vorteil haben: Viele Frauen klagen nach der Entbindung über eine leichte Inkontinenz, die sie als extrem unangenehm empfinden. Neben einem geschwächten Beckenboden kann für dieses Phänomen aber auch angestauter Resturin ursächlich sein: Durch eine Schwangerschaft könne es zu einer Fettzunahme im Venushügel kommen, erklärt Dr. Taufig. Das wiederum kann laut Experte zur Folge haben, dass sich der Venushügel absenkt und die Harnröhre nach unten drückt. So entsteht ein Knick, in dem immer ein bisschen Resturin nach dem Toilettengang verbleibt, der dann willkürlich austreten kann. „Mit einer Bauchdeckenstraffung kann diese Fehlstellung ganz einfach korrigiert werden und die Frauen sind danach beschwerdefrei. Hilfsmittel wie Einlagen oder Windeln sind dann nicht mehr nötig.“

Kaiserschnitt und Bauchdeckenstraffung in einer Operation?

Immer wieder hört man, dass sich Frauen ihren Bauch direkt im Zuge der Kaiserschnitt-Operation straffen lassen. Davon rät der Experte aber eindringlich ab: „Bei einem Kaiserschnitt ist der Körper in höchster Alarmbereitschaft. Die Risiken bei einer Sectio sind so schon nicht gering, wieso sollte man sie weiter erhöhen?“, mahnt Dr. Taufig. Zudem habe die Haut noch gar keine Zeit gehabt, sich selbst zurück zu bilden. Es bleibe also unklar, ob eine Bauchdeckenstraffung überhaupt notwendig gewesen wäre.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Kosten für eine Bauchdeckenstraffung belaufen sich in der Regel auf circa 6000 bis 7000 Euro. In den meisten Fällen ist der Eingriff rein kosmetisch und wird deswegen nicht von der Krankenkasse übernommen. Wird der Leidensdruck für die Frauen nach der Geburt zu groß und führt die Bauchschürze gerade im Sommer zu entzündeten und wunden Stellen, kann ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden. Dieser muss jedoch individuell geprüft werden.

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Wie lange dauert die Genesung?

Der Heilungsprozess dauert in der Regel vier Wochen und wird mit dem Tragen einer Bauchbandage unterstützt. Diese verhindert Nachblutungen und sorgt für ein dellenfreies Ergebnis. Währenddessen sollten Patientinnen nicht schwer heben und körperliche Anstrengungen vermeiden. Und: „Um den Heilungsprozess zu unterstützen, rate ich Patientinnen mindestens zwei Wochen vor der OP nicht zu rauchen“, betont Dr. Taufig.

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