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Skincare

Wie die Hormone unsere Haut beeinflussen

Was machen Hormone mit der Haut?
Auf einmal sprießen Pickelchen, die dann wieder verschwinden? Schuld an diesen Hautveränderungen können unsere Hormone seinFoto: Getty Images

Ihre Haut spielt ab und zu verrückt? Plötzlich ist sie trocken und Tage später glänzt sie wieder? Auf einmal sprießen Pickelchen, die dann wieder verschwinden? Schuld an diesen Hautveränderungen können unsere Hormone sein. Erfahren Sie von einer Expertin, wie Hormone unsere Haut beeinflussen, was der weibliche Zyklus damit zu tun hat und wie sie mit den Veränderungen am besten umgehen.

Was sind Hormone?

„Hormone sind körpereigenen Botenstoffe, die für alle Zellen des menschlichen Organismus von essenzieller Bedeutung sind und unser Leben lang Einfluss nehmen auf unsere Körperfunktionen und Stimmungen. Sie sind verantwortlich für alle Entwicklungsprozesse, die Fortpflanzung sowie für die Anpassung an die Umwelt und deren Belastungen, wie z.B. Stress“, weiß Dr. Stefanie Derendorf, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie in München.

Der Begriff Hormone leitet sich ab von hormao (griech. Antreiben) und macht deren Aufgabe deutlich, Informationen zwischen den verschiedenen Organen und Geweben zu vermitteln. Bis heute sind etwa 150 verschiedene Hormone bekannt. Hormonbildende Zellen sind z.B. Hirnanhangdrüse, Schilddrüse, Nebennieren, Eierstöcke, Hoden sowie die übergeordneten Hormondrüsen Hypothalamus und Hypophyse.

 „Hormone wirken nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: die hormonbildenden Zellen schütten unentwegt Hormone in den Blutkreislauf oder in das umliegende Gewebe aus, wo sie dann ausschließlich an den entsprechenden Rezeptoren andocken“, erklärt Frau Dr. Derendorf.

Die Haut – ein Spiegel unserer Hormone

Die Haut ist mit einer Größe von ungefähr zwei Quadratmetern unser größtes (und schwerstes) Organ und steht, wie alle anderen Organe auch, mit unseren Hormonen in ständigem Austausch, wobei sie sich gegenseitig beeinflussen.

Sie verfügt über viele unterschiedliche Hormonrezeptoren, um Hormone aufzunehmen. Gleichzeitig produziert sie aber auch selbst geringe Mengen, die ebenso Einfluss auf unser Hautbild nehmen. „In den Hautzellen und im Unterhautfettgewebe sind etwa 30 verschiedene Hormone und Hormongruppen aktiv. Deren Erforschung erfolgt übrigens in der relativ neuen medizinischen Disziplin Dermato-Endokrinologie.“

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Welche Hormone haben Auswirkungen auf die Haut?

Östrogene: jugendliche, straffe, schöne Haut

Östrogene, wie z.B. Östradiol oder Östriol, sind weibliche Geschlechtshormone, die hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet werden. Sie gehören zu den für die Haut wichtigsten Hormonen, da sie effektiv die Hautqualität verbessern. Östrogene bieten Schutz gegenüber freien Radikalen und unterstützen bei der Bildung von Kollagenfasern und der hauteigenen Feuchtigkeitsversorgung. Da der Östrogenspiegel im Laufe des Lebens sinkt, verliert die Haut an Feuchtigkeit und Elastizität, wodurch sie dünner und trockener wird, sowie zu vermehrter Bildung von Pigmentflecken neigt. Sie erhöhen auch den Stoffwechsel der Hautzellen und sorgen so für mehr Spannkraft. Außerdem sorgen sie für die Produktion von Hautfetten, den sogenannten Lipiden, die die Haut zart und geschmeidig halten.

Androgene: Talgdrüsenwachstum

„Androgene, wie z.B. das männliche Sexualhormon Testosteron, sind männliche Geschlechtshormone, die in den Hoden und der Nebennierenrinde gebildet werden. In sehr geringer Mengen sind sie auch im weiblichen Körper vorhanden, wo sie als Vorstufe für die Östrogenbildung wichtig sind. Sie stimulieren das Talgdrüsenwachstum und deren Aktivität und sind somit auch für so manchen Akneausbruch verantwortlich“, weiß Frau Dr. Derendorf.

Progesteron: Starkes Bindegewebe

Bei Progesteron handelt es sich um ein weibliches Geschlechtshormon, das vom Gelbkörper in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus sowie vor allem auch während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet wird. Es entsteht in geringen Mengen auch in der Nebennierenrinde von Männern und Frauen. Neben seinem Einfluss auf die Körpertemperatur schützt es vor allem vor bestimmten Enzymen, den Matrix-Metalloproteasen (kurz MMPs), die Kollagen sowie andere Eiweiße des Bindegewebes abbauen.

Hormonzyklen im Laufe des Lebens

„Obwohl Hormone nur in minimaler Konzentration gebildet werden, nehmen sie einen riesigen Einfluss. Das spürt man besonders, wenn das perfekt ausbalancierte Hormongleichgewicht durcheinandergerät“, weiß Frau Dr. Derendorf. Somit schenken Hormone uns nicht nur das tolle Gefühl des Verliebtseins, sondern quälen uns auch mit Hautproblemen in den hormonell anspruchsvollen Zeiten der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause, in denen sich Körper und Haut stark verändern.

Die Pubertät

Die erste große Veränderung des Hormonspiegels läutet der Beginn der Pubertät ein. Androgene führen zu einer erhöhten Talgdrüsenaktivität und Keratinisierung (Verhornung) der Haut.
„Je verhornter bzw. verstopfter die Talgausführungskanäle sind, desto schlechter kann der Talg abfließen. Dies begünstigt die Entstehung von Komedonen (Mitessern), Papeln und Pusteln.
Wenn dann noch ein aus dem Gleichgewicht geratenes Hautmilieu hinzukommt, das die Vermehrung von Aknebakterien begünstigt, entstehen schnell Entzündungsreaktionen bis hin zu einer Akne“, so Frau Dr. Derendorf. Über die Ausprägung entscheidet die persönliche Veranlagung, aber auch der eigene Lebensstil und die Ernährung. Eine hormonelle Aknetherapie, z.B. in Form von Antiandrogenen, sollte unbedingt nur durch einen Facharzt erfolgen.

Der weibliche Zyklus

Innerhalb eines Zyklus, der im Schnitt 28 Tage dauert, werden vier Phasen mit unterschiedlicher Hormonkonzentration durchlaufen, die zu mehr oder weniger sichtbaren Hautveränderungen führen.

Menstruationsphase (ca. Tag 1-5): Trockene Haut

Die Hormone sind auf einem Tiefstand. Durch die verringerte Talgproduktion ist die Haut eher feuchtigkeitsarm und erscheint dadurch trocken und stumpf. In dieser Phase sollten Sie keine aggressiven Produkte verwenden, um die Haut nicht noch zusätzlich zu strapazieren.

Follikelphase (ca. Tag 6-12): Reine Haut

Diese Phase beginnt mit dem ersten Tag nach der Periode und geht mit steigender Östrogen- sowie Kollagenproduktion einher. Die Haut erscheint wieder rosiger, reiner und praller. Jetzt ist die ideale Zeit für ein unterstützendes Peeling, das reinigt und die abgestorbenen Hautschüppchen entfernt.

Ovulationsphase (ca. Tag 13-15): Strahlend-schöne Haut

Die Ovulationsphase bezeichnet die Mitte des Zyklus während des Eisprungs. Jetzt ist der Östrogenspiegel am höchsten, der gesamte Hormonspiegel ausgeglichen und ihre Haut erscheint strahlend, prall und rein.

Lutealphase (ca. Tag 16-28): Pickelgefahr

Der Östrogenspiegel sinkt wieder, während der Testosteronspiegel ansteigt. Die nun vermehrte Talgproduktion kann zu fettiger Haut, verstopften Poren, Unreinheiten und Pickeln führen. Achten Sie in dieser Phase besonders auf eine gründliche, hautschonende Reinigung.

Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist ein hormoneller Ausnahmezustand und eine große Überraschungstüte, was ihr Hautbild angeht. Bereits unmittelbar nach der Befruchtung wird das Hormon HCG (humanes Choriongonadotropin) produziert, welches auch die Produktion von Östrogen und Progesteron ankurbelt. Dadurch kann die Haut Feuchtigkeit besser speichern, erscheint praller, rosiger und frischer. Allerdings sind gleichzeitig auch die Talgdrüsen aktiver und können vermehrt zu Unreinheiten führen.

„Auch die Hyperpigmentierung, das Melasma, ist hormonell bedingt und kann vermehrt in der Schwangerschaft auftreten. Neben Pigmentflecken im Gesicht bekommen viele Schwangere eine dunkle Linie am Bauch, Linea nigra genannt. Verantwortlich dafür sind die in der Schwangerschaft vermehrt gebildete Progesteron, Östrogen und Melanozytenstimulierende Hormone (MSH), die für diese ungefährliche Braunfärbung verantwortlich sind“, weiß Frau Dr. Derendorf. Achten Sie daher unbedingt auf einen hohen Lichtschutzfaktor und vermeiden Sie intensive Sonnenbäder.

Beginnende Hautalterung

„Die natürliche Hautalterung beginnt etwa mit dem 25. Lebensjahr und geht mit ersten Fältchen, trockenerer und empfindlicherer Haut sowie erstem Elastizitätsverlust einher“, so Frau Dr. Derendorf. „Neben äußeren Einflüssen und der Veranlagung spielen auch hier hormonelle Veränderungen eine große Rolle.“ Bereits jetzt kann man mit Pflegeprodukten mit hohem Radikalfängerpotential, hohem UV-Schutz und besonderen Anti-Aging-Wirkstoffen beginnen.

Menopause

Die Wechseljahre, die sogenannte Menopause, beginnt etwa ab dem 50. Lebensjahr und wird definiert mit dem endgültigen Ausbleiben der Periode. Der Progesteron- und der Östrogenspiegel sinken nun drastisch ab und bleiben etwa ab dem 60. Lebensjahr stabil auf einem niedrigen Niveau. Die Haut wird trockener aufgrund des verminderten Hyaluronsäure- und Lipidgehalts. Jetzt werden reichhaltigere Pflegeprodukte benötigt, um dem jetzt beschleunigter voranschreitenden Hautalterungsprozess entgegenzuwirken. „Der Hautstoffwechsel sowie die Neubildung und damit die Dichte von Kollagenfasern gehen zurück. Dadurch verliert die Haut an Spannkraft und Fältchen werden sichtbar“, so Frau Dr. Derendorf.

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Unterstützen Sie Ihre Haut

Die richtige Hautpflege für sich zu finden, die das Hautbild verbessert und ihre individuellen und wechselnden Bedürfnisse erfüllt, ist gar nicht so einfach.
Je nach Hautzustand und Ausprägung der Veränderungen, die die Haut im Laufe des Lebens durchläuft, sollte die Pflege angepasst werden.

Sie können Ihre mit zunehmendem Alter trockener und empfindlicher werdende Haut unterstützen, indem Sie eine regelmäßige Hautpflegeroutine etablieren und zu reichhaltigeren, hochwertigen Pflegeprodukten greifen.

Achten Sie immer auf eine gute Feuchtigkeitsversorgung der Haut durch Wirkstoffe wie z.B. Hyaluronsäure und Lipiden. Freie Radikalfänger wie z.B. Vitamin C und E schützen vor oxidativem Stress und Anti-Aging-Wirkstoffe wie z.B. Retinol verbessern die Hautstruktur und können ersten Fältchen entgegenwirken. In jedem Lebensalter sollte ein hoher UV-Schutz von mind. LSF 30 die tägliche Routine ergänzen.

Quellen
  • Mit fachlicher Beratung von Frau Dr. Derendorf, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie. Praxis Dermatologie am St. Anna Platz in München
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