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Facharzt erklärt

Brachydaktylie – Ursachen und Behandlung von verkürzten Daumen

Megan Fox
Hollywood-Star Megan Fox hat einen verkürzten Daumen – was dahintersteckt, erklären wir im ÜberblickFoto: picture alliance / Byron Purvis/AdMedia | Byron Purvis/AdMedia

Wenn man einen sichtbar verkürzten, verdickten Daumen hat, hat man womöglich Brachydaktylie Typ D. Was es mit dieser Anomalie – von der auch Hollywood-Star Megan Fox betroffen ist – auf sich hat, woher sie kommt und wie man sie behandelt, hat STYLEBOOK bei einem Facharzt nachgefragt.

Was ist Brachydactylie?

„Brachydaktylie, auch Kurzfingrigkeit genannt, bezeichnet eine angeborene Fehlbildung des Skeletts, die mit einer Verkürzung der Finger und Zehen aufgrund ungewöhnlich kurzer Knochen einhergeht“, weiß Dr. med. Christoph Pooth, Facharzt für Allgemeinmedizin. „Es handelt sich dabei um eine vererbte Erkrankung, die in der Regel harmlos und schmerzfrei ist sowie keine motorischen Beeinträchtigungen für die Betroffenen mit sich bringt. In seltenen Fällen kann sie auch ein Symptom für andere genetische Störungen sein. Sofern keine Begleiterkrankung vorliegt, die Symptome hervorruft, oder die Anomalie selbst zu Beeinträchtigungen führt, ist keine medizinische Behandlung der Brachydaktylie erforderlich.“

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Wie äußert sich die Brachydactylie?

Die Anzeichen der Brachydaktylie sind in der Regel angeboren, wobei sie im Laufe des Wachstums und der Entwicklung deutlicher werden können. Das Hauptsymptom der Brachydaktylie sind Finger, Zehen oder beides, die kürzer sind als normal. „Wenn die verkürzten Gliedmaßen sehr ausgeprägt sind, können sie zu Schwierigkeiten beim Greifen oder Gehen führen. Diese Symptome sind jedoch sehr selten, wenn keine andere Begleiterkrankung vorliegt“, so Dr. Pooth. Man unterscheidet verschiedene Typen von Brachydaktylie, je nachdem, welche Knochen verkürzt sind.

Welche Typen gibt es?

Typ A: verkürzter mittlerer Fingerknochen

Bei der Brachydaktylie Typ A handelt es sich um eine Verkürzung aller mittleren Fingerknochen, dem zweiten eines jeden Fingers.

Typ B: verkürzter letzter Fingerknochen

Bei Typ B ist der letzte Knochen eines jeden Fingers oder Zehs verkürzt oder fehlt sogar ganz, inklusive der Nägel. Die Daumenknochen sind allerdings immer intakt, aber oft abgeflacht und/oder gespalten.

Typ C: verkürzter Zeige-, Mittel- und Ringfinger

„Typ C ist selten und betrifft den Zeige-, Mittel- und Kleinfinger. Die mittleren Fingerglieder sind wie bei Typ A verkürzt, aber der Ringfinger ist oft nicht betroffen und ist somit der längste Finger der Hand“, so der Experte.

Typ D: verkürzter, verdickter Daumen (Hammerdaumen)

„Die Brachydaktylie Typ D (Brachymegalodactylismus) ist die häufigste Form der Brachydaktylie. Sie geht mit kurzen Daumen und breitem Nagelbett einher, während die übrigen Finger normal ausgeprägt sind. Umgangssprachlich auch Hammer- oder Keulendaumen genannt. In einigen Fällen kann auch der große Zeh verkürzt und verdickt sein“, so Dr. Pooth.

Typ E: verkürzter Mittelhand- und Mittelfußknochen

Typ E ist ebenfalls sehr selten. Sie ist durch verkürzte Mittelhand- und Mittelfußknochen gekennzeichnet, wodurch die Hände und Füße insgesamt klein ausfallen.

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Ursachen für verkürzte Daumen

Vererbung

„Brachydaktylie ist eine Erbkrankheit, sodass die Genetik als Hauptursache gilt. Bei Betroffenen tritt die Erkrankung höchstwahrscheinlich auch bei anderen Familienmitgliedern auf, denn sie wird autosomal-dominant vererbt. Das bedeutet, es muss nur ein Elternteil das Gen tragen, um die Krankheit zu vererben. Es wird angenommen, dass zwei verschiedene Mutationen in einem bestimmten Gen zur Brachydaktylie beitragen. “, klärt Dr. Pooth auf. Frauen haben übrigens ein höheres Risiko, eine Brachydaktylie zu entwickeln als Männer.

Medikamente

Es kann möglich sein, dass die Brachydaktylie durch Medikamente verursacht wird, die die Mutter während der Schwangerschaft einnimmt. Wenn diese zu Durchblutungsstörungen in den Händen und Füßen bei sich entwickelnden Säuglingen führen, kann das die Erkrankung begünstigen.

Genetisches Syndrom

In sehr seltenen Fällen kann sie ein Symptom eines genetischen Syndroms sein, wie dem Down-Syndrom oder Cushing-Syndrom. In diesem Fall treten aber neben den verkürzten Fingern oder Zehen noch andere Symptome auf.

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Vorbeugung

Da die Erkrankung genetisch bedingt ist, kann man ihr im engen Sinne nicht vorbeugen. Allerdings können ein gesunder Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht auf Nikotin, Alkohol, Drogen und Medikamente – vor allem in der Schwangerschaft – möglichen Fehlbildungen vorbeugen.

Diagnose

Eine sorgfältige Untersuchung der Hände und Füße durch einen Facharzt reicht n der Regel aus, um eine Brachydaktylie zu diagnostizieren. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen kann dann zusätzlich festgestellt werden, welche Knochen genau verkürzt sind und um welche Art von Brachydaktylie es sich handelt.

Um festzustellen, ob sie Teil eines genetischen Syndroms ist, kann eine vollständige Röntgenaufnahme des Skeletts angefertigt werden. Dort zeigt, ob andere Knochen im Körper anormal sind und auf ein Syndrom hindeuten. Schlussendlich bringt ein Gentest Gewissheit.

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Behandlungsmöglichkeiten

Physiotherapie

In seltenen Fällen kann die Brachydaktylie so schwerwiegend sein, dass sie Probleme mit der Funktionalität der Gliedmaßen verursacht. In diesen Fällen kann eine Physiotherapie helfen, um die Beweglichkeit, die Kraft sowie die Funktionalität der betroffenen Bereiche zu steigern.

Chirurgischer Eingriff

Nur in extremen und sehr seltenen Fällen oder aber wenn eine Begleiterkrankung vorliegt, ist eine Operation das Mittel der Wahl. Die plastische Chirurgie kann kosmetische Zwecke erfüllen oder in seltenen Fällen auch zur Verbesserung der Funktionalität beitragen. Zu den chirurgischen Eingriffen kann eine Osteotomie gehören, bei der ein oder mehrere Knochen durchtrennt und anschließend korrigiert werden.

Optische Korrektur durch Maniküre

Typ D Betroffene greifen oftmals zu Kunstnägeln, um ihren sogenannten Hammerdaumen optisch zu verlängern und auszugleichen.

Psychologische Hilfe

Einige Betroffene schämen sich für ihre Erkrankung und versuchen, die Fehlbildung zu verstecken. Wenn dies Ihre Lebensqualität einschränkt und ihr Verhalten bestimmt, dann ist es ratsam, sich psychologische Unterstützung von einem Facharzt zu suchen. Manchmal hilft es aber auch schon zu wissen, dass man nicht alleine ist und sich das Schicksal auch mit Prominenten, wie z.B. Megan Fox, teilt.

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Behandlungskosten

Behandlungen aus rein ästhetischen Gründen werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Liegen allerdings ausgeprägte psychische Leiden oder physische Einschränkungen vor, begründet dies im Normalfall eine Kostenübernahme.

Quelle

– mit fachlicher Beratung von Dr. med. Christoph Pooth, Facharzt für Allgemeinmedizin, München

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