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Nachgefragt bei der Dermatologin

Periorale Dermatitis – was steckt hinter der „Stewardessen-Krankheit“?

Frau mit Perioraler Dermatitis
Rote, schuppige Pusteln rund um den Mund können auf die sogenannte „Stewardessen-Krankheit“ hinweisen. Doch wie lässt sich diese behandeln? STYLEBOOK fragte die Dermatologin.Foto: iStock/ Prostock-Studio

Wer plötzlich über Nacht rote, schuppige Pusteln im Gesicht hat, der leidet womöglich an Perioraler Dermatitis, der so genannten „Stewardessen-Krankheit“. Der Grund dafür ist kurioserweise nicht zu wenig, sondern zu viel Pflege. STYLEBOOK weiß, was gegen das Beauty-Problem am besten hilft.

Sie entdecken plötzlich rote Bläschen rund um Mund und Nase, die jucken und spannen – obwohl Sie Ihre Haut gründlich mit zahlreichen Produkten pflegen? Sehr wahrscheinlich ist genau das das Problem. STYLEBOOK sprach mit der Münchner Dermatologin Dr. Sabine Zenker über das unangenehme Phänomen Periorale Dermatitis.

Periorale Dermatitis – Was ist das?

Der medizinische Fachbegriff beschreibt eine nicht ansteckende Hauterkrankung, die sich „perioral“, also „um den Mund herum“, ansiedelt – meist hervorgerufen durch die falsche oder zu viel Pflege. Wer seine Kosmetik häufig wechselt oder mehrere Produkte gleichzeitig verwendet, kann Gefahr laufen, eines Tages mit dem lästigen Ausschlag aufzuwachen. „Das Phänomen ist auch als Stewardessen-Krankheit bekannt,“ erklärt Dr. Zenker. Der Grund: Beruflich bedingt wird die Haut von Stewardessen stark strapaziert – trockene Flugzeugluft, regelmäßiges Tragen von Make-up, die häufige Verwendung von Pflegeprodukten und aktuell das Tragen von Schutzmasken – reizen die empfindliche Gesichtshaut. Damit gelten Stewardessen als Protyp einer Mundrose-Patientin. „Aufgrund des riesigen Angebots an Pflegeprodukten heutzutage trifft es aber durchaus auch viele andere Menschen“, weiß die Expertin.

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Wie kommt die Hautveränderung zustande?

Bei der Perioralen Dermatitis handelt sich um eine Entzündungsreaktion der Haut, eine Art Abwehrreaktion gegen Überpflegung. Die Haut wird trockener und schuppig, spannt, bildet Pickel und rote Knötchen. Den Betroffenen erscheint es logisch, noch mehr zu cremen, um den Feuchtigkeits- und Fetthaushalt der Haut aufzubessern. Langfristig verschlimmert das die Symptome jedoch, da die Hautzellen in eine Art Abhängigkeit geraten. Wie Frau Dr. Sabine Zenker erklärt, kann die Haut auch scheinbar plötzlich auf ein Produkt reagieren, das sie seit Jahren scheinbar gut vertragen hat. „Durch die ständige Wiederholung kann sich sogar eine Allergie gegen Inhaltsstoffe bestimmter Kosmetika bilden.“

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Was hilft gegen Periorale Dermatitis?

„Früher riet man zur sogenannten Nulltherapie“, erklärt Dr. Zenker, also den Verzicht auf jegliche kosmetischen Produkte. Da dies jedoch schwer durchzuhalten sei, rät die Expertin zum Besuch eines Dermatologen, mit dem man gemeinsam Kompromisse in der weiteren Behandlung der Perioralen Dermatitis finden könne. Der Hautarzt kann die Patienten dann mit dermatologisch wirksamen Medikamenten behandeln, um Beschwerden zu lindern und eine schnelle Heilung zu fördern. Um spezifisch helfen zu können, muss die Haut zunächst auf etwaige Unverträglichkeiten getestet werden. Je nach Schwere der Erkrankung kann die Vergabe eines niedrig dosierten, wirksamen Antibiotikums nötig sein.

Keine Eigentherapie!

Die Expertin rät Betroffenen dringend von dem Versuch ab, sich selbst zu therapieren. Und auch von Salben oder Tinkturen aus der Hausapotheke – speziell von Kortisonsalben – sollte man Abstand nehmen. „Diese bringen zwar kurzzeitig eine Besserung“, räumt Dr. Zenker ein, „nach dem Weglassen tritt jedoch eine sogenannte ‚Entzugsdermatitis‘ auf, mit umso schlimmeren Symptomen.“ 

Wer an der „Stewardessen-Krankheit“ leidet, muss aber die Hoffnung nicht verlieren, jemals wieder schöne Haut zu haben. Die Entzündungen betreffen nur oberflächliche Schichten der Haut und verabschieden sich mit der richtigen Behandlung meist nach wenigen Wochen, ohne Spuren zu hinterlassen.

5 Tipps, um Periorale Dermatitis vorzubeugen

1. Eine geeignete Pflege verwenden

Mit Anfang 20 braucht es nicht die reichhaltigste Anti-Aging-Nachtcreme sein – damit würde man die Haut bloß überpflegen. Am besten auf ein Produkt mit hohem Wasseranteil und feuchtigkeitsspendenden statt lipidreichen Zusätzen setzen.

2. Finger weg von Zusätzen

Pflegeprodukte, die Duft- und Konservierungsstoffe enthalten, erhöhen das Risiko auf Periorale Dermatitis. Auf Nummer Sicher geht man mit einer pH-neutralen Pflege.

3. Bei einem bewährten Produkt bleiben

Wenngleich die Haut auch auf ein Produkt reagieren kann, das sie zuvor gut vertragen hat, so ist die Wahrscheinlichkeit für eine allergische Reaktion bei bewährten Produkten tendenziell geringer. Das heißt: Nicht jedes Kosmetikpröbchen, das in der Einkaufstüte landet, muss ausprobiert werden. Stattdessen lieber auf eine Pflege setzen, an die die Haut gewöhnt ist.

4. Milde walten lasen

Speziell sensible Typen sollten ihre Haut schonen. Am besten das Gesicht nur mit lauwarmem Wasser reinigen und im Anschluss nur vorsichtig mit einem Handtuch abtupfen, anstatt zu rubbeln.

5.  Sparsam eincremen

Morgens und eventuell noch abends das Gesicht einzucremen, reicht in der Regel völlig aus.