Nicht immer harmlos

Darum kauen wir Nägel

Frau, die Nägel kaut
Unter Stress leiden oft die Fingernägel. Manchmal steckt hinter dem Nägelkauen aber auch mehr.
Foto: Getty Images

Es sieht nicht nur unschön und unappetitlich aus, es kann sogar hartnäckige Entzündungen hervorrufen: Nägelkauen. Warum manche Menschen die schlechte Angewohnheit so schwer loswerden und was dagegen wirklich helfen kann, STYLEBOOK verrät's.

Ob unter Anspannung oder aus Langeweile: Bei manchen Menschen wandern die Finger in bestimmten Situationen automatisch zum Mund, und dann wird gekaut, geknabbert und gebissen. Nicht selten so lange, bis es blutet und die Nägel völlig abgenagt sind. Nägelkauen sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch eine Eintrittspforte für Krankheitserreger. Dabei sind die Ursachen individuell verschieden.

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Angewohnheit oder psychische Störung?

Grundsätzlich ist Nägelkauen zwar ein zwanghaftes Verhalten oder auch eine Störung der Impulskontrolle, aber meist ist es harmlos, wie Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) erklärt. Kritisch werde das Nägelkauen, wenn es stärker oder häufiger wird. „Oder wenn Leute so intensiv und so verbissen Nägel kauen, dass Verletzungen entstehen“, erklärt der Experte, der auch bei der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum München tätig ist. „Dann ist es oft Symptom einer Erkrankun“, sagt er weiter.

, weiß der Arzt und Diplom-Psychologe Harald Tegtmeyer aus Lindau. Er ist beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Sprecher des Ausschusses für Psychosomatik und Psychotherapie. Dabei sind Nägelkauer in zahlreicher Gesellschaft, vor allem in jüngeren Jahren. Er meint: „Geschätzt sind 30 bis 40 Prozent der Kinder und zehn Prozent der Erwachsenen betroffen.“

Die Ursprünge liegen meist in der Kindheit

Oft würden sich Kinder das Nägelkauen nach ein paar Monaten oder wenigen Jahren wieder abgewöhnen: „In der Pubertät achtet man mehr auf sich, nimmt das Nägelkauen anders wahr. Es wird peinlich, auch von der Optik her“, erklärt Tegtmeyer. Die Eltern können die Kinder bei der Entwöhnung unterstützen – zum Beispiel, indem sie sie in der entsprechenden Situation dezent auf das Nägelkauen hinweisen.

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Abgeknabberte Nägel und kaputte Nagelhaut sehen aber nicht nur unschön aus. „Sie dienen auch als Eintrittspforte für Pilze und Bakterien und begünstigen somit Entzündungen“, sagt die Hautärztin Marion Moers-Carpi vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Auf Dauer können die nagelbildenden Zellen unumkehrbar geschädigt werden, so dass der Nagel nur noch deformiert nachwächst – typisch sind etwa ausgeprägte Längsrillen.

Nägelkauen: Das kann helfen

Damit es so weit nicht kommt, sollte man das Kauen möglichst sein lassen. Dazu ist es zunächst wichtig herauszufinden, in welchen Situationen die Finger überhaupt in den Mund wandern, erklärt Falkai. Meist nämlich dann, wenn das Stresslevel ansteigt. Dann gilt es, die Frage zu klären: „Was kann ich tun, um den Stress nicht aufkommen zu lassen?“ Manchmal reicht es schon, an ein paar Stellschrauben zu drehen – etwa die Uhr vorzustellen, wenn man immer auf den letzten Drücker kommt, oder sich täglich ein entspanntes Mittagessen zu gönnen.

Um sich vom Nägelkauen abzuhalten, setzen manche auf bittere Lacke oder auch Pflaster um die Fingerkuppen. Das hält Experte Falkai als alleinige Methode für nicht sinnvoll. Wichtiger sei es, den Ursachen auf den Grund zu gehen und gezielt gegenzusteuern. Manchmal fällt es leichter, sich das Nägelkauen nicht von Hundert auf Null abzugewöhnen sondern zunächst zu versuchen, die Häufigkeit zu reduzieren, sagt er. Nägelkauer sollten sich zudem eine Maniküre gönnen: Bei guter Nagelpflege sind keine Unebenheiten oder Schmutzpartikelchen zu finden, die oft den Ausschlag für das Nägelkauen geben.

Anzeige: Wenn diese Tricks nicht helfen, probieren Sie es mit bitterem Lack, um das Nägelkauen zu stoppen.