Nachgefragt beim Experten

Wächst das „Flesh-Tunnel“ im Ohr eigentlich wieder zu?

Fleischtunnel mit Plug
Ein Trend mit Folgen: Wer seine Ohrlöcher zu weit dehnt, kann sie später nur mit einer Operation wieder verkleinern.
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Tunnels, Plugs, Tubes: Der Ohrschmuck für Löcher in Übergröße hat viele Namen und Formen. Doch alle sind dafür da, um den sogenannten Flesh-Tunnel – Fleischtunnel – zu verzieren. Anfang der 2000er Jahre war das der letzte Schrei.

Tatsächlich schmücken riesige Tunnel die Ohrläppchen quasi seit Beginn der Menschheit: Steinzeitmensch „Ötzi“ hatte bewiesenermaßen große Ohrlöcher, der ägyptische Pharao Tutanchamun auch und sogar Buddha wird bis heute mit großen, hängenden Ohrläppchen und Fleischtunneln abgebildet. Für viele indigene Völker der Welt sind geweitete Ohr- oder Lippenlöcher ein Zeichen von höherem Rang und Attraktivität. Auch Stars wie Rapper Lil’Wayne (35) oder Sängerin Stefanie Heinzmann (28) sind einst auf den Trend mit aufgesprungen. Doch was, wenn man der übergroßen Ohrlöcher irgendwann überdrüssig ist? Dermatologin Dr. med. Miriam Rehbein hat Antworten.

Sind Tunnels noch modern?

Hardcore-Fans, Punk-Rock-Liebhaber und alle, die einfach ein bisschen anders aussehen wollten, fingen vor allem in den 2000er Jahren an, sich die Ohrlöcher zu weiten. Das auffällige Statement ist mehr als nur ein Piercing: Flesh-Tunnels, egal in welcher Größe, zählen schon zur „Bodymodification“, dem bewussten künstlerischen Verändern von natürlichen Körperformen. Mittelweile ist der Trend abgeflaut. Was bleibt, sind gigantische Löcher im Ohrläppchen der Träger.

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Welche Risiken birgt ein Flesh Tunnel?

Generell warnt Dermatologin Rehbein vor der Durchtunnelung: Schwache Durchblutung, ein Riss des Ohrläppchens oder sogar der komplette Verlust desselben seien die wahrscheinlichsten Risiken, so die Expertin. Auch könne die Weitung Infektionen verursachen: Wer zu schnell weitet, laufe Gefahr, sogenannte Keloide zu verursachen – Keloide sehen aus wie überschießende Narben und werden medizinisch ähnlich wie ein gutartiger Tumor behandelt.

Flesh Tunnel mit und ohne Ohrtunnel

Ab einer Größe von ca. 12 Millimeter Durchmesser ist die Dehnung des Ohrläppchens irreversibel – in diesem Fall kann nur eine OP helfen
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Was tun, wenn man den Tunnel nicht mehr möchte?

Allgemein gilt: Ist ein Ohrloch nicht größer als 12mm im Durchmesser, kann es selbstständig wieder zuwachsen. Ein größerer Fleischtunnel kann nur mit einer Operation geschlossen werden. „Wir können die Ohrläppchen mikrochirurgisch rekonstruieren. Je nach Größe des Tunnels ist eine aufwendige Operation mit örtlicher Betäubung nötig,“ erklärt die Dermatologin.

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Wie verläuft die Operation?

„Die OP wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Ein Großteil der überschüssigen Haut wird keilförmig entfernt und die restliche gut durchblutete Haut des Ohrläppchen umverteilt. Das ganze wird dann mit feinen Nähten so verschlossen, dass wieder ein normal großes Ohrläppchen entsteht. Nach zehn Tagen werden die Fäden gezogen und dann sollte die betroffene Stelle noch weitere vier Wochen mit einer Narbencreme nachbehandelt werden.“ In Dr. Rehbeins Praxis kommen pro Woche mehrere Patienten, die ihre Ohrläppchen wieder rekonstruieren wollen. Etwa 60% davon seien Frauen.

Wie viel kostet die OP?

Die Kosten für eine Operation betragen zwischen 30o und 500 Euro und orientieren sich an der Größe des Tunnels.

Bleiben Narben zurück?

Selbst ein versierter Arzt kann eine Narbe nach der Operation nicht vermeiden. Auch Entzündungen und dauerhafte Taubheitsgefühle können auftreten.

Ist ein normales Ohrloch nach der OP noch möglich?

Die Jugendsünde ist beseitigt und der Fleischtunnel Geschichte. Doch lässt sich in das „neue“ Ohrläppchen dann noch ein normales Ohrloch stechen? „Ja, etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation könnte man sich wieder ein normales Ohrloch stechen lassen. Das kommt auf den Heilungsprozess drauf an,“ so die Expertin. Allerdings sollte das neue Loch nicht unmittelbar in die Narbe, sondern daneben gestochen werden. „Das Narbengewebe ist nicht so reißfest wie gesunde Haut. Die Gefahr, dass das Ohrläppchen einreißt, wäre zu groß.“

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