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Skincare

Aloe-vera-Saft für eine reinere Haut – was ist dran am Hype?

Aloe-vera-Saft im Glas
Aloe vera kann man auch trinken – die Vor- und Nachteile im CheckFoto: picture alliance / Zoonar

Aloe vera ist aufgrund seiner pflegenden, besonders gut verträglichen Eigenschaften schon seit Langem ein fester Bestandteil in der Kosmetikindustrie als Basis für Cremes, Lotionen, Gelen und Shampoos. Als natürlicher Wirkstoff hydratisiert und nährt er die Haut nachhaltig. Aktuell ist er in aller Munde, allerdings als trinkbarer Saft. Was es damit auf sich hat, ob, wie er wirkt und wie Sie ihn selbst herstellen können, hat STYLEBOOK eine Expertin gefragt.

Was ist Aloe-vera-Saft?

Die Aloe-vera-Pflanze ist eine sukkulente (saftreiche) Pflanzenart aus der Gattung der Aloe. Sie wächst in tropischen Klimazonen und wird bereits seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Ihr Name leitet sich vom arabischen Wort alloeh ab, das man als glänzende, bittere Substanz übersetzen kann. Vera stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wahrhaftig.

„Bei Aloe vera handelt es sich um eine dickflüssige, klebrige Substanz, die aus dem Blatt der Aloe-Pflanze gewonnen wird. Es kann sowohl äußerlich, z.B. in Gelform, oder auch oral als Saft angewendet werden“, weiß Dr. Stefanie Derendorf, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie in München. „Wichtig ist, dass ausschließlich das gelartige Blattinnere zum Verzehr geeignet ist. Dieses ist als Saft in vielen Supermärkten und Reformhäusern erhältlich. Er kann pur getrunken oder aber Smoothies und anderen Säften beigemischt werden.“

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Positive Eigenschaften von Aloe vera auf die Haut

1. Entzündungshemmend

Ihre entzündungshemmende Wirkung hat Aloe vera den Polyphenolen zu verdanken, einer Gruppe von Pflanzenstoffen, die reich an Antioxidantien sind. „Diese tragen dazu bei, den Körper vor Schäden durch freie Radikale, auch bekannt als oxidativer Stress, zu schützen. Die Forschung hat gezeigt, dass chronischer oxidativer Stress das Risiko für Krankheiten signifikant erhöhen kann“, so Dr. Derendorf.

2. Fördert die Darmgesundheit

„Aloe vera ist reich an Verdauungsenzymen, die den Abbau von Zucker und Fetten unterstützen. Es neutralisiert den Bakterienhaushalt im Darm, trägt zur Aufrechterhaltung des Immunsystems gegenüber Mikroorganismen bei, fördert die Verdauung und reinigt, stärkt und regeneriert den gesamten Magen-Darm-Trakt“, so Dr. Derendorf. „Und ein gesunder Darm ist die Grundlage für ein gesundes, reines Hautbild.“

3. Lindert Hauterkrankungen

Aloe vera ist vor allem als Gel zur Behandlung von Sonnenbrand bekannt. Es beruhigt geschädigte Haut, kühlt und unterstützt deren Regeneration. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften kann es auch zur Behandlung und Linderung bestimmter Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis, Psoriasis und Ekzemen beitragen. Ebenso kann es auch die Heilung von Verbrennungen und Wunden unterstützen. Aloe vera wird auch mit der Verringerung aktiver Akne und der Reduzierung ihres Erscheinungsbildes in Verbindung gebracht.

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4. Anti-Aging

Aloe vera kann die Elastin- und Kollagenproduktion anregen. Dadurch ist es ein effektiver Anti-Aging-Wirkstoff im Kampf gegen die sichtbaren Zeichen der Hautalterung.

5. Hydratisierung

Aloe vera hat hochgradig hydratisierende Eigenschaften und versorgt die Haut tiefenwirksam mit Feuchtigkeit. Diese hydratisierenden Eigenschaften sowie die in Aloe vera enthaltenen Phytowirkstoffe wirken sich entgiftend und damit positiv auf alle Organe aus. Aber auch die Muskulatur profitiert davon. Wenn Sie Aloe-vera-Saft nach dem Training trinken, kann dies die Milchsäureansammlung und somit Muskelkater verhindern.

6. Verbesserte Hautgesundheit

„Aloe vera ist eine hervorragende Quelle für zahlreiche Vitamine, vor allem für Vitamin C. Es unterstützt die natürliche Regeneration und Gesundheit der Haut, baut freie Radikale ab, die die Haut durch Sonneneinstrahlung und Luftverschmutzung schädigen, die jeden Tag auf die Haut einwirken. Die zusätzlich enthaltene Folsäure, das Chrom, das Kalium und andere Verbindungen sind ebenso gut für die Haut und deren allgemeine Gesundheit“, so Dr. Derendorf. „Sie unterstützen ein glattes, makelloses und strahlendes Hautbild.“

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Für wen ist Aloe-vera-Saft nicht geeignet

„Wenn sie schwanger sind oder stillend, ist es ratsam, mit Ihrem Hausarzt zu sprechen. Während eine lokale Anwendung als unproblematisch gilt, sollte in dieser Zeit auf die orale Einnahme verzichtet werden“, rät die Ärztin. Die Sicherheit von Aloe-vera-Produkten in diesen Gruppen ist noch nicht bekannt. Dies gilt auch, wenn Sie Medikamente einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.“

Worauf sollten Sie beim Kauf achten?

„Achten Sie beim Kauf von Aloe-vera-Saft auf eine 100-prozentig reine, natürliche Rezeptur“ rät Dr. Derendorf. „Nur so können Sie gewährleisten, dass all die gesunden Nährstoffe und Vitamine noch enthalten sind.“

Aloe-vera-Saft selbst herstellen – Anleitung

Aloe-vera-Saft ist nicht zuletzt aufgrund seiner Medienpräsenz eine Art „Modegetränk.“ Dies wirkt sich auch auf den Preis aus, der von fünf bis 42 Euro pro Liter reicht. Es kann sich also lohnen, ihn selbst herzustellen.

1. Brechen Sie ein paar Blätter der Aloe-Pflanze ab und entfernen Sie die harte Blattschale mit einem scharfen Messer.

2. Achtung: Essbar ist nur das gelartige Blattinnere! Unterhalb der harten Schale befindet sich ein gelbes, bitteres Sekret, das ungesunde Anthrachinone enthält. Es muss sorgfältig und vollständig entfernt werden, um keine gesundheitlichen Risiken wie Bauchschmerzen und Durchfalls einzugehen. Um auch die letzten Spuren des Sekrets zu entfernen, können Sie es auch mit einer Lösung aus Essig und Wasser abwaschen.

3. Nun sollte nur noch klares Aloe-vera-Gel übrig sein, von dem Sie etwa zwei Esslöffel sofort in einen Mixer geben, da es sehr schnell oxidiert und Nährstoffe verliert. Fügen Sie nun 200ml Saft einer beliebigen Zitrusfrucht, wie Orangen, dazu. Fertig.

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Sind Nahrungsergänzungsmittel eine Alternative zum Aloe-vera-Saft?

„Die Studien über die orale Einnahme von Aloe vera als Nahrungsergänzungsmittel klingen zwar zunächst vielversprechend. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass die Forschung begrenzt ist“, erläutert die Expertin. „Es sind größer angelegte, randomisierte und kontrollierte Studien erforderlich, um wirkliche valide Ergebnisse zu liefern. Außerdem sind Nahrungsergänzungsmittel mit Aloe-vera-Extrakt nicht standardisiert, reguliert oder gelten als sichere alternative Behandlung für beispielweise Hauterkrankungen.“

Wie können Sie zusätzlich Ihre Hautgesundheit unterstützen?

„Investieren Sie frühzeitig in Hautpflegeprodukte, die möglichst optimal auf Ihren Hauttyp abgestimmt sind und Ihre Haut ausreichend mit Feuchtigkeit und hochwertigen Inhaltsstoffen versorgen“, empfiehlt Dr. Derendorf. „Wenn Sie Ihrer Haut schon in jungen Jahren Priorität einräumen, können Sie Falten auch im Alter vorbeugen, sodass Sie dann weniger (potenzielle) Hautschäden zu bewältigen hat. Außerdem ist es nie zu spät, jetzt mit der Hautpflege zu beginnen. Eine Hautanalyse bei Ihrem Dermatologen hilft Ihnen, Ihre individuelle, perfekte Pflegeroutine aufzustellen.“ Ausreichend erholsamer Schlaf, viel Trinken, möglichst wenig Stress und eine gesunde Ernährung bilden die solide Grundlage für eine strahlende, schöne Haut.

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Was ist dran am Hype um den Aloe-vera-Saft?

Aktuell wird auf Social Media der Aloe-vera-Saft als Zauberelixier für eine perfekte, reine und ebenmäßige Haut gehypt. Ist das gerechtfertigt? „Viele der Vorteile von Aloe vera für die Hautgesundheit zeigen sich, wenn sie topisch (äußerlich) aufgetragen und nicht als Getränk eingenommen wird. Dennoch gibt es begrenzte Forschungsergebnisse über die orale Einnahme von Aloe vera als Nahrungsergänzungsmittel“, weiß Dr. Derendorf.

„Demnach kann die tägliche Einnahme von Aloe vera über mehrere Wochen durchaus die Hautelastizität verbessern können. Ebenso fand man heraus, dass die Einnahme von Aloe vera die Kollagenproduktion anregen und dadurch das Auftreten von Falten verringern kann. Diese Ergebnisse beziehen sich auf den Konsum von Aloe vera als Nahrungsergänzungsmittel. Hinsichtlich des Konsums als Saft liegen noch keine validen Forschungsergebnisse vor.“

Quelle

– mit fachlicher Beratung von Dr. Stefanie Derendorf, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, Praxis Dermatologie am St. Anna Platz in München

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