Nachgefragt beim Therapeuten

Kann eine Beziehungspause Ihre Liebe retten?

Junges Pärchen schweigt sich an
Einfach weitermachen, Trennung oder erst einmal eine Pause? Beziehungen durchlaufen so manche Krise
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Wenn die Beziehung stagniert, legen manche Paare eine Beziehungspause ein. Das Ziel: Jeder soll sich allein darüber klar werden, was er sich wünscht und was er bereit ist zu geben. Aber können diese Auszeiten wirklich dabei helfen, entfremdete Partner einander wieder näher zu bringen?

In den meisten Fällen ist es ein schleichender Prozess: Man fühlt sich unwohl, ist ständig genervt, legt jedes Wort auf die Goldwaage. Wenn es in der Partnerschaft nicht mehr läuft, versuchen viele Paare, mithilfe einer Auszeit die Wogen wieder zu glätten und die Beziehung wieder ins Lot zu bringen. Aber kann eine Beziehungspause wirklich dazu dienen, eine angeknackste Partnerschaft zu retten? Bei einer aktuellen Umfrage, die das Online-Dating Portal „Parship“ mit 4604 Singlemännern und -frauen durchführte, ist die Tendenz klar: Die eindeutige Mehrheit der Befragten glaubt nicht an einen positiven Effekt einer Paar-Pause. Oder kann sie womöglich doch etwas bewirken? STYLEBOOK hat beim Paarberater und Single-Coach Eric Hegmann aus Hamburg nachgefragt.

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Der Paartherapeut Eric Hegmann hält die Paartherapie für erfolgreicher, um sich wieder näher zu kommen

Oft ist eine Paartherapie die erfolgreichere Methode, um sich wieder näher zu kommen
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Beziehungspause – warum? 

Der häufigste Grund für eine Beziehungspause bei Frauen seien laut der Studie unklare Emotionen gegenüber des Partners. „Viele Paare entscheiden sich für Beziehungspausen, wenn sie für einen Konflikt nicht kurzfristig oder mittelfristig eine Lösung erkennen können. Auslöser können ein Seitensprung oder eine Affäre sein, aber auch, dass die Partner den Optimismus in die gemeinsame Zukunft verloren haben, weil sie sich vielleicht als selbstverständlich genommen fühlen“, erklärt Eric Hegemann im Gespräch mit STYLEBOOK die unterschiedlichen Motivationen für eine Liebes-Auszeit.

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Auszeit rettet Partnerschaften in den meisten Fällen nicht

Eine Beziehungspause als Garant für eine gemeinsame Zukunft? Das Ergebnis der Studie zeichnet ein anderes Bild: Zwar kam mehr als die Hälfte der Befragten nach einer kurzen Auszeit wieder zusammen, die aufgewärmte Beziehung hielt allerdings nicht lange. Nur in 18 Prozent der Fälle hatte die Pause einen positiven Einfluss. Paar-Therapeut Hegmann untermauert dieses Ergebnis mit seinen Erfahrungen: „Klarheit ist immer besser als ununterbrochenes Grübeln, denn das tut nicht gut. Statistisch ist der Erfolg einer Beziehungspause nun nicht irrwitzig hoch, das Scheitern ist wahrscheinlicher. Der Weg zur Paarberatung scheint mir deshalb in den meisten Fällen erfolgsversprechender. Selbst dann, wenn aus der Paartherapie am Ende eine Trennungsbegleitung wird. Aber dann wissen die Partner, woran sie sind.“

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Wenn Auszeit, dann nur mit Regeln!

Hegmann empfiehlt, vorab zu prüfen, ob für einen (oder beide) Partner die Beziehungspause womöglich nur ein Vorwand ist, einem klaren Schlusspunkt aus dem Weg zu gehen – „vielleicht, weil einer insgeheim hofft, dass eine Trennung in kleinen Schritten weniger schmerzhaft wäre“. Daneben müsse eine Beziehungspause genau definiert werden: „Manche Paare erkennen bereits an diesem Punkt, ob es tatsächlich um eine Beziehungspause geht, die Raum für Klarheit und Reflexion schaffen soll – oder doch vielmehr um einen Abschied auf Raten“. Laut Hegmann sollte man Fragen wie „Haben die Partner in der Pause Dates mit anderen?“ vorab klären, die Dauer der Pause orientiere sich an den Gründen. Hegmann: „Zu kurz sollte sie nicht sein, denn es ist illusorisch zu hoffen, dass der Partner in wenigen Wochen sich und seine Verhaltensweisen vollständig verändern kann. Zu lang sollte sie allerdings auch nicht sein, denn tatsächlich geht es in Beziehungen ja um Bindung, und eine Pause schafft Distanz.“ Dies könne dazu führen, dass die Partner ihr Bedürfnis nach Nähe anderswo befriedigen – und das ist ja nicht Sinn der Auszeit.