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Ich habe mir Styling-Tipps von ChatGPT geben lassen – und das kam dabei raus

KI als Berater

Ich habe mir Styling-Tipps von ChatGPT geben lassen – und das kam dabei raus

Der Boom um ChatGPT nimmt nicht ab. Wusste Sie, dass die künstliche Intelligenz auch Fashion-Tipps gibt? STYLEBOOK testet. Foto: Getty Images

Künstliche Intelligenzen versprechen Arbeitserleichterung und stehen hoch im Kurs – doch sind sie ein Fluch oder ein Segen? Unsere STYLEBOOK-Autorin hat es ausprobiert und sich vom Chatbot „ChatGPT“ in Sachen Outfit, Frisur, Maniküre und Make-up beraten lassen.

Ich habe eine neue Freundin. Beziehungsweise eine neue persönliche Stylingberaterin. Sie – oder eher gesagt es – hat am 30. November 2022 das Licht des Internets erblickt. Die Rede ist von ChatGPT. Eine künstliche Intelligenz (KI), die vom US-Unternehmen Open AI entwickelt wurde. Mit ChatGPT zu schreiben fühlt sich an, als ob ich mit einer Freundin bei WhatsApp darüber chatte, dass ich keine Ahnung habe, was ich anziehen soll. Dafür brauche ich nur einen Google-Account oder muss mich bei Open AI registrieren – und schon kann ich loslegen.

Selbstexperiment: ChatGPT wird mein Fashion- und Beautyberater

Ich frage ChatGPT, welche Stylingtipps die KI für mich am geeignetsten hält. Ich style sie nach und verwende nur Klamotten, die sich bereits in meinem Kleiderschrank befinden. Auch für mein Make-up werde ich nur auf Beauty-Produkte zurückgreifen, die in meinem Kosmetikbeutel zu finden sind. Ein sehr nachhaltiges Experiment also.

Die durch alle möglichen Inhalte im Netz bis 2021 geschulte KI ist ein klassischer Chatbot, der allerdings verblüffend ausführliche Antworten geben kann – zu eigentlich jedem Thema. Ein Richter aus Kolumbien hat mithilfe von ChatGPT sogar ein Urteil schreiben lassen, das rechtens ist. In anderen Fällen, so belegten Forscher in einer  Studie, konnte die Machine-Learning-Software sogar wissenschaftliche Gutachter täuschen. Sie glaubten, dass die durch die KI erstellten Abstracts zu Studien von Menschen verfasst worden sind.
Klingt zu gut, um wahr zu sein? Tja, meine neue Freundin hat ein riesengroßes Problem: In über 80 Prozent der Fälle spuckt ChatGPT leider Falschinformationen aus, wie ein Report von „Newsguard“ ergab. Einfach so hinnehmen sollte ich die Informationen und Ratschläge also nicht. Auf der anderen Seite: Welche Schäden kann die KI schon bei meinem Styling anrichten?

Für mein Selbstexperiment nutze ich die englischsprachige Version von ChatGPT

Nach meinen ersten Einstiegsfragen auf Deutsch wie „Hi! Sag mal, was ist das beste Outfit für mich?“, antwortete die KI sehr vage. Im Grunde sagte mir die deutsche Version von ChatGPT, dass Mode schnelllebig sei und ich lieber darauf achten solle, was mir gefällt. Das ist zwar sehr weise und voll 2023, bringt mich aber nicht weiter. Auf Englisch ist alles etwas konkreter. Ich frage nach einem Basic-Outfit, nach einem Business-Style und einem Ausgehoutfit sowie einem Trend-Look. Zusätzlich frage ich die KI auch, welches Make-up tagsüber und zum Ausgehen am besten für mich geeignet sind, sowie welche Frisur ich tragen sollte.

Bei einigen Fragen braucht ChatGPT ziemlich lange. Woran das wohl liegt? Vielleicht habe ich Chatty, wie ich die KI von nun an nenne, vor eine besonders schwere Aufgabe gestellt oder aber so viele wollen gleichzeitig etwas von ihr, dass auch die Multitasking-Fähigkeit einer KI an ihre Grenzen gelangt. Auffallend ist aber auch in der englischen Version: Trotz Tipps wird immer wieder betont, dass es am wichtigsten sei, was mir gefällt und was mein persönlicher Style ist, egal was andere sagen. 

ChatGPT kennt sogar Selbstliebe

Ist die KI vielleicht der Schlüssel zu einer schöneren Welt? Naja, wenn ich mir den von ihr vorgeschlagenen „Trend-Look“ im Spiegel anschaue, denke ich das nicht mehr. Auf meine Frage nach den neusten Fashion-Trends weist mich Chatty nach einer minutenlangen „Denkpause“ erst einmal darauf hin, dass es „schwer sei, genau zu sagen, was der neuste Trend ist“. Dennoch gibt mir die KI ein paar Tipps, wie so oft als Aufzählung. Das ist nämlich die liebste Art des Chatbots, mit mir zu kommunizieren. Am Ende werden es ganze 52 Punkte sein.

Die KI sagt nachhaltige Mode sei im Trend, also wähle ich eine rosé-farbene Glitzer-Handtasche, die ich bei Vinted Secondhand erstanden habe. Außerdem würden Comfort-Wear wie Utility-Schnitte, Retro-Styles, kräftige Farben und Skater-Look angesagt sein. Nach einem kurzen Blick in meine Garderobe entscheide ich mich für ein Pink-Lila gestreiftes weites T-Shirt, dazu eine Cord-Jacke in Salbei und eine schwarze Hose von Uniqlo im Utility-Schnitt. Um dem Skateraspekt gerecht zu werden, setze ich auf schwarze Skater-Stoffschuhe. Zudem empfiehlt Chatty „massiven Schmuck“. Also trage ich derbe, grüne Acryl-Creolen, die innen vergoldet sind. Es sieht … nun ja … gewöhnungsbedürftig aus.


Das Outfit überzeugt unsere Autorin noch nicht ganzFoto: STYLEBOOK / Sabine Winkler

Okay, ich sollte meinem Chatbot zugutehalten, dass er nur auf den Stand von 2021 ist und alles danach noch nicht kennt. Damals waren Utility-Mode und Retro-Skater-Look schwer angesagt. Zusammen kombiniert hätte ich sie aber auf keinen Fall so wie es mir ChatGPT geraten hat.

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Zurück zum Anfang

Bevor ich die KI nach einem Trendoutfit gefragt habe – was schon eine gemeine Frage war, habe ich mich in Sachen Haar und Make-Up beraten lassen. Ich fragte Chatty Folgendes: „Ich habe mittellange, dunkelbraune und feine Haare. Welche Frisur ist für mich am besten geeignet?“ Die Antwort könnte aus einem Friseur-Lehrbuch stammen. Grundsätzlich empfiehlt mir meine Stylingberaterin einen Bob mit Curtain Bangs oder einem Seitenscheitel. Am besten solle ich ihn als einen hohen Pferdeschwanz „für mehr Volumen“ tragen, aber auch ein Messy Bun sei von Vorteil.

In Sachen Make-up setzt Chat-GPT eher auf Klassiker. Nach der Gesichtsreinigung und Feuchtigkeitspflege solle ich „zuerst einen Primer zu verwenden, anschließend eine leichte Foundation wie einer BB-Creme auftragen. Danach ein wenig Rouge in Pfirsich oder Pink auf die Wangen setzen.“ Fürs Lid empfiehlt die KI natürliche Erdtöne, einen hellen über das gesamte Lid, einen mittleren Ton auf das obere Lid und den dunkelsten Ton am äußeren Lidrand. Zum Finish einen schwarzen oder braunen Lidstrich aus Kajal und Mascara. Die Lippen sollten mit einem natürlichen Lippenbalm oder leichtem Gloss gefärbt werden. Für ein Ausgeh-Make-up dürfe es „ein bisschen kräftiger sein, zum Beispiel roter Lippenstift und glitzernder, kräftiger Lidschatten“.

Bei der Maniküre solle ich auf meinen Hautton achten. Wenn ich nichts falsch machen will, sagt Chatty, „setze auf klassische Farben wie Rot, ein leichtes Rosa, Nude oder Schwarz“. In letzter Zeit seien auch Lavendel und Hellblau angesagt. Meine Wahl fällt auf einen Rotton.

Arbeiten wir uns weiter vor in Sachen Styling: Der Businesslook von ChatGPT ist dran

Hier zeigt Chatty ihr konservatives Gesicht. Ich solle eine möglichst maßgeschneiderte Stoffhose oder knielangen Rock und einen Blazer in den Farben Grau, Schwarz, Beige oder Dunkelblau tragen. Dazu eine geschlossene, einfarbige Bluse, die zum Rest passe. Bei der Schuhwahl rät mir die KI zu „geschlossenen Schuhen wie Pumps, Loafers oder Oxforder in einer neutralen Farbe“. Dazu solle ich eine größere Aktentasche tragen. Okay, ich besitze keine Aktentasche, ich wähle eine schwarze Beuteltasche, in die mein Laptop passen würde. Dazu eine grau-karierte Stoffhose mit geradem Bein, eine fliederfarbene Bluse mit Stehkragen, einen schwarzen Blazer und dunkle Samt-Oxforder. So seriös sah ich selten aus. Aber auch ein bisschen spießig, als würde ich zur Sparkasse rennen.


So sieht der empfohlene Business-Look von ChatGPT ausFoto: STYLEBOOK / Sabine Winkler

Party-Outfit à la KI

Nun gut, kommen wir zum Fun-Part: das Ausgehoutfit. Auch hier bewahrt meine neue Freundin ein sicheres Händchen. „Wähle ein Outfit, indem du dich selbstbewusst und wohlfühlst. Ein Kleid oder ein Rock oder eine Shorts mit einer hübschen Bluse sind eine gute Option.“ Außerdem solle ich mit Farben und Mustern spielen, um den Look auffälliger zu machen. Natürlich dürfe ich den Anlass der Party nicht außer Acht lassen. Kombinieren soll ich das Outfit mit einer hübschen Tasche, Statement-Schmuck und High Heels.

Meine Wahl fällt auf ein schwarzes Chiffonkleid mit roten Herzchenmuster von Monki, ein breiter Gürtel betont meine Taille. Dazu gibt es Bordeaux Kitten Heels, eine Tasche in derselben Farbe sowie einen rosa Mantel. Ich bin positiv überrascht: Wenn ich mich strikt an Chattys Anweisungen halte, bin ich nicht unbedingt superaufregend angezogen, sehe aber auch nicht scheiße aus.

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in Outfit, dass unsere Autorin erneut anziehen würdeFoto: STYLEBOOK / Sabine Winkler

Wie style ich mit möglichst wenig Aufwand am besten für alle Fälle?

Weil die zugegeben faszinierend akkurat arbeitende Antwortmaschine nur auf eine sehr genaue Art zu Fragen Rede steht, verpacke ich diese Frage in die Worte: „Kannst du mir einige grundlegende Fashion- und Styling-Tipps geben?“ Fröhlich antwortet die KI: „Natürlich! Hier sind einige Basics.“ Ich solle auf einem hochwertigen Basisteil aufbauen – in meinem Fall ein schwarzes, wadenlanges enges Cocktailkleid von Anna Field -, welches ich aufhübsche oder alltäglicher stylen kann. Für einen Alltagslook kombiniere ich das Kleid mit einer Jeansjacke, Adidas Stan-Smith-Sneaker, dezenten Goldschmuck und eine sandfarbene Bauchtasche von Kapten & Son. Sieht gar nicht übel aus – obwohl ich dieses Cocktailkleid sonst niemals täglich trage. 


Dies ist laut ChatGPT ein eleganter LookFoto: STYLEBOOK / Sabine Winkler

Für den schicken Look setze ich auf eine schwarze Mesh-Bluse mit Puffärmeln unter dem Kleid. Goldene Riemenpumps mit Blockabsatz und eine hellblaue Michael Kors Tasche mit Kettenriemen. Etwas auffälligerer Goldschmuck rundet den Style ab. Außerdem rät mir Chatty, meine Sachen gut zu pflegen und vor allem: „Hab Spaß an der Mode und nehme es nicht zu ernst!“


Die Kombination wäre unserer Autorin nicht in den Sinn gekommen, überzeugt aber trotzdemFoto: STYLEBOOK / Sabine Winkler

Fazit des Experiments

Die Make-up- und Tipps für einen guten Basic-Look waren sehr solide. Wer die Ratschläge von ChatGPT folgt, kann nichts verkehrt machen. Bei manchen Tipps war ich sogar verblüfft, welche guten Styles dabei rauskommen und wie mich die KI dazu gebracht hat, neue Kombis zu finden, die ich sonst nicht so ausgesucht hätte. Nach den neusten Trends sollte man zumindest im Moment die KI lieber nicht befragen! 

P.S.: Ich habe Chatty am Ende noch gefragt, ob sie mir diesen Text schreiben kann. Das ist er natürlich nicht. Der KI-Text trägt die Überschrift „Styling Tipps von ChatGPT: Wenn künstliche Intelligenz den Fashionista in uns weckt“. Das war der Einstieg: „Wenn Sie nach Inspiration für Ihren nächsten Look suchen, aber keine Lust haben, stundenlang durch Modemagazine oder Online-Shops zu blättern, haben wir eine lukrative Alternative für Sie: lassen Sie sich von ChatGPT, dem künstlichen Intelligenz-Modell von OpenAI, beraten.“ Liest sich eher wie ein Werbe-Text. Das journalistische Schreiben muss Chatty noch üben. 

Quellen

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