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Schwanger in Corona-Zeiten – was der Gynäkologe rät

Schwangere Frau
Welche Risiken birgt eine Schwangerschaft in Pandemie-Zeiten? STYLEBOOK hat mit Experten zum Thema gesprochen
Foto: Getty Images

Seit mehr als fünf Monaten begleitet uns Corona im Alltag, beeinflusst unser Leben und stellt uns vor immer neue Herausforderungen. Dabei fühlen Frauen, die schwanger werden wollen oder es bereits sind, eine besondere Verantwortung: Gefährde ich mich und mein ungeborenes Baby? Muss ich mich während Pandemie-Zeiten besonders schützen? Und darf mich überhaupt jemand in den Kreißsaal begleiten? STYLEBOOK hat mit Experten über die drängendsten Fragen gesprochen.

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Sind Schwangere stärker gefährdet?

„Bisher zeigt keine Studie eine besondere Gefährdung Schwangerer“, gibt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte e.V., gleich zu Beginn Entwarnung. Allerdings werde dabei immer vorausgesetzt, dass eine Frau im Falle einer Infektion eine milde Variante von Covid-19 durchlebe. Auch die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) betont, dass es nach wie vor keinen Hinweis darauf gebe, dass schwangere Frauen stärker gefährdet seien als der Rest der Bevölkerung.

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Schwanger und infiziert – was nun?

Infiziert sich eine Frau während ihrer Schwangerschaft mit Covid-19, gelten für sie erst einmal die gleichen Maßnahmen wie für alle anderen auch. Heißt: Zu Hause bleiben, möglichst isolieren und den Kontakt mit anderen vermeiden. Zudem müssen neben dem Gesundheitsamt und dem Hausarzt auch der behandelnde Frauenarzt und die Hebamme über die Infektion informiert werden. Danach kann die weitere Vorgehensweise bezüglich Geburtsvorbereitung und Vorsorgeuntersuchungen geplant werden. Gesunde Schwangere sollten ihre Termine weiterhin wie gewohnt wahrnehmen, rät Dr. Albring, Geburten könnten weiterhin auf natürliche Weise stattfinden, klärt die Weltgesundheitsorganisation WHO auf. „Die aktuellen Erkenntnisse zeigen keine höhere Belastung einer Schwangeren bei einer Corona-Infektion als bei einer gleichaltrigen nicht schwangeren Frau“, so Dr. Albring.

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Kann das Baby angesteckt werden?

Die DGGG weist daraufhin, dass eine Übertragung auf das Ungeborene bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Somit sei das Risiko für eine Fehlgeburt oder Missbildungen beim Baby durch eine Infektion der Mutter nicht erhöht. Auch über die Muttermilch soll das Virus nach bisherigen Studien nicht auf das Neugeborene übertragen werden können.

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Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause – wo sollen Schwangere entbinden?

Dr. med. Albring empfiehlt auch weiterhin eine Entbindung im Krankenhaus – besonders dann, wenn ein Verdacht oder eine bestätigte Infektion vorliegt, da in diesem Fall das Neugeborene auf das Coronavirus getestet werden muss und elektronisch überwacht wird. Allgemein tendieren die Empfehlungen zu einer Entbindung in einer Geburtenklinik. Katharina Desery von „Mother-Hood e.V.“: „Eine Frau, für die eine außerklinische Geburt vor der Krise nicht in Frage kam, sollte sich jetzt auch nicht zu diesem Schritt gezwungen sehen.“ Es könne aber auch sinnvoll sein, bei den örtlichen Geburtshäusern und Hausgeburten-Hebammen nachzuhören, ob Kapazitäten frei geworden seien, rät sie weiter.

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Darf der/die Partner/in bei der Geburt dabei sein?

Hier werden je nach Bundesland und Krankenhaus verschiedene Maßnahmen ergriffen. In den allermeisten Kliniken darf der Partner/die Partnerin während der Geburt dabei sein. In manchen Krankenhäusern darf die Begleitperson jedoch erst in der sogenannten Austreibungsphase wieder mit dabei sein. Gleichzeitig wurden die Hygienevorschriften bei der Geburt verschärft. So müssen nicht nur alle Anwesenden einen Maske tragen, auch viele Frauen sollen bei der Geburt eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Besuchsregeln werden von den einzelnen Krankenhäusern ebenfalls separat festgelegt, auch wenn es dazu Vorgaben von den einzelnen Bundesländern gibt. Es ist also in jedem Fall sinnvoll, sich bei seinem ausgewählten Krankenhaus oder der Geburtsklinik vorab zu informieren.

Dürfen Mütter ihr Baby noch stillen?

Auf jeden Fall, sagt die DGGG. Die Vorteile der Muttermilch für das Neugeborene überwiegen eindeutig das eventuelle Risiko der Übertragung durch das Stillen. Selbst wenn die Mutter infiziert ist, muss sie auf das Stillen nicht verzichten. Fühlt sie sich gesundheitlich stark genug, dann kann sie ihr Kind mit einigen Vorsichtsmaßnahmen weiterhin mit ihrer Muttermilch versorgen.

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Birgt es Vorteile, gerade jetzt schwanger zu werden?

„Vorteile, gerade jetzt schwanger zu werden, gibt es nicht. Wenn eine Frau durch die Corona-Pandemie arbeitslos geworden ist, kann sie die Schwangerschaft vielleicht schöner und entspannter erleben – vorausgesetzt, sie ist nicht durch finanzielle Sorgen belastet“, so Dr. Albring. Halte man die üblichen Hygienevorschriften ein, stehe einer Schwangerschaft in den aktuellen Pandemie-Zeiten nichts im Weg, wobei sich Frauen in anderen Umständen von allen Menschen mit Fieber oder scheinbaren Erkältungskrankheiten unbedingt fern halten sollten. Albring: „Niemand weiß, was wirklich dahinter steckt. Aber Schwangere sollten allgemein – auch ohne Corona – immer darauf achten, nicht mit infizierten Menschen in Kontakt zu kommen.“ Für Angehörige sei es ratsam, sich im bevorstehenden Herbst gegen Grippe impfen zu lassen.