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Schwanger in Corona-Zeiten – was Frauen jetzt wissen sollten

Schwangere Frau
Schwanger in Zeiten von Corona – die Umstände stellen werdende Mütter vor besondere Voraussetzungen
Foto: Getty Images

Viele Schwangere sind wegen der Corona-Pandemie stark verunsichert: Sind ich und mein ungeborenes Baby gefährdet? Muss ich mich besonders schützen? Und darf mich überhaupt jemand in den Kreißsaal begleiten? STYLEBOOK hat Experten zum Thema befragt.

„Bisher zeigt keine Studie eine besondere Gefährdung Schwangerer“, gibt Dr. med. Christian Albring , Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte e.V., gleich zu Beginn Entwarnung. Die freiberufliche Hebamme Marlis Kirschenmann unterstützt diese Aussage: „Aus der bisherigen Erfahrung, die vor allem aus Berichten aus China stammt, besteht für Schwangere wenig Gefahr. Immer vorausgesetzt, sie bekommt tatsächlich die harmlose Variante.“ Auch die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) betont, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis darauf gebe, dass schwangere  Frauen stärker gefährdet seien als der Rest der Bevölkerung.

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Schwanger und infiziert – was nun?

Infiziert sich eine Frau während ihrer Schwangerschaft mit dem neuartigen Virus COVID-19, gelten für sie erst einmal die gleichen Maßnahmen wie für alle anderen auch. Heißt: Zu Hause bleiben, möglichst isolieren und den Kontakt mit anderen vermeiden. Zudem müssen neben dem Gesundheitsamt und dem Hausarzt auch der behandelnde Frauenarzt und die Hebamme über die Infektion informiert werden. Danach kann die weitere Vorgehensweise bezüglich Geburtsvorbereitung und Vorsorgeuntersuchungen geplant werden. Gesunde Schwangere sollten ihre Termine weiterhin wie gewohnt wahrnehmen, rät Dr. Albring, Geburten könnten weiterhin auf natürliche Weise stattfinden, klärt die Weltgesundheitsorganisation WHO auf.

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Kann das Baby angesteckt werden?

Die DGGG weist daraufhin, dass eine Übertragung auf das Ungeborene bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Somit sei das Risiko für eine Fehlgeburt oder Missbildungen beim Baby durch eine Infektion der Mutter nicht erhöht. „Das Ungeborene kann sich wohl nicht anstecken, der Virus geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht über die Plazentaschranke. Neugeborene, die in China voll gestillt wurden, haben das Virus offenbar selbst dann nicht bekommen, wenn die stillende Mutter positiv auf Covid-19 getestet wurde“, erklärt Hebamme Kirschenmann.

Darf der Partner bei der Entbindung noch dabei sein?

Für viele Frauen ist eine Geburt ohne Angehörige kaum vorstellbar, derzeit läuft im Netz eine Petition, die genau darauf aufmerksam machen will. Der Grund: In einigen Krankenhäusern wurde im Rahmen von Corona die Anwesenheit des Partners bei der Geburt verboten.

In anderen Kliniken darf der Partner/ die Partnerin – wenn symptomfrei und damit ohne Verdacht auf eine Infektion – im Kreißsaal dabei sein. Dazu rät auch die DGGG und ruft den Bund und die Länder in einer Pressemitteilung dazu auf, die Wichtigkeit der Begleitperson bei der Geburt zu unterstützen. Der Verein „Mother-Hood e.V.“ setzt sich gezielt dafür ein, dass mindestens eine Begleitperson anwesend sein darf. Pressesprecherin Katharina Desery empfiehlt Schwangeren bzw. werdenden Vätern, „im Falle eines Kreißsaalverbotes mit der jeweiligen Klinik Kontakt aufzunehmen“ – allerdings möglichst nicht mit dem Kreißsaal direkt, denn die seien ohnehin „schon hoffnungslos überlastet“. Ratsamer sei es, die Abteilungsleitung Gynäkologie und Geburtshilfe anzusprechen und die „mit dem Verbot verbundenen Ängste und Nöte“ zu erklären.

Auch hier gibt es bislang keine einheitliche Regelung. Manche Krankenhäuser erlauben nur den Besuch des Partners oder der Partnerin, woanders gelten noch strengere Regelungen: „Auf der Wochenstation dürfen Mutter und Baby nicht mehr besucht werden, auch nicht vom Vater oder Geschwisterkindern“, so Marlis Kirschenmann über die Regelung in ihrem Krankenhaus in Baden-Baden.

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Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause – wo sollten Schwangere jetzt entbinden?

Dr. med. Albring empfiehlt auch weiterhin eine Entbindung im Krankenhaus – besonders dann, wenn ein Verdacht oder eine bestätigte Infektion vorliegt, da in diesem Fall das Neugeborene auf das Coronavirus getestet werden muss und elektronisch überwacht wird. Die Hebamme betont, dass „Schutzkleidung schon für Kliniken schwer zu bekommen ist, für das Geburtshaus sicherlich noch schwerer.“ Allgemein tendieren die Empfehlungen zu einer Entbindung in einer Geburtenklinik. Katharina Desery von „Mother-Hood e.V.“: „Eine Frau, für die eine außerklinische Geburt vor der Krise nicht in Frage kam, sollte sich jetzt auch nicht zu diesem Schritt gezwungen sehen.“ Es könne aber auch sinnvoll sein, bei den örtlichen Geburtshäusern und Hausgeburten-Hebammen nachzuhören, ob örtlich Kapazitäten frei geworden seien, rät sie weiter.

Wie sieht eine Entbindung zurzeit aus?

„In den meisten Kliniken wurden wie bei uns mittlerweile spezielle Kreißsäle für COVID-19-positive Frauen eingerichtet. Die Klinik-, Arzt- und Stationsleitungen arbeiten seit Wochen auf Hochtouren, um Pläne, Arbeitsanweisungen und Quarantänemöglichkeiten zu entwickeln. Täglich gibt es neue Anweisungen. Was heute noch erlaubt ist, kann morgen schon verboten werden. Deshalb wissen wir auch nicht, wie lange die Partner noch mit in den Kreißsaal dürfen. Aber für uns Hebammen ist es auf jeden Fall besser, wenn die Partner dabei sind“, so Marlis Kirschenmann, die im Klinikum Mittelbadens Baden-Baden Balg freiberuflich als Hebamme arbeitet.

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Erlaubt die Klinik die Anwesenheit Angehöriger im Kreißsaal, dann darf der- oder diejenige während der Geburt dabei sein und die Partnerin auch bei Spaziergängen begleiten. „Auf der Wochenstation oder im OP ist leider die Anwesenheit der Partner nicht mehr möglich. Sollte eine Geburt mit einem Kaiserschnitt enden, oder ein geplanter Kaiserschnitt stattfinden, darf der Vater mit dem Neugeborenen bonden, sobald die Hebamme mit dem Baby in den Kreißsaal kommt“, erklärt Marlis Kirschenmann. Bonding heißt, dass der Vater das nackte Baby auf die nackte Brust gelegt bekommt und über den Hautkontakt die Bindung aufgebaut wird. „Sobald die Frau auf die Wochenstation kommt, was in der Regel zwei Stunden nach der Geburt ist, muss der Lebenspartner das Krankenhaus verlassen“, räumt Kirschenmann ein. Auch das sogenannte Daddy-In, bei dem die Väter während des stationären Aufenthalts der Wöchnerin im Familienzimmer bleiben dürfen, ist nicht mehr erlaubt.

Dürfen Mütter ihr Baby noch stillen?

Auf jeden Fall, sagt die DGGG. Die Vorteile der Muttermilch für das Neugeborene überwiegen eindeutig das eventuelle Risiko der Übertragung durch das Stillen. Selbst wenn die Mutter infiziert ist, muss sie auf das Stillen nicht verzichten. Fühlt sie sich gesundheitlich stark genug, dann kann sie ihr Kind mit einigen Vorsichtsmaßnahmen weiterhin mit ihrer Muttermilch versorgen. Hebamme Marlis Kirschenmann betont sogar, dass es umso wichtiger sei, dass auch positiv getestete Frauen ihre Kinder weiterhin stillen, „da die Mutter Antikörper gegen COVID-19 entwickelt und diese über die Muttermilch an das Neugeborene weitergegeben werden“.

Wie sieht die Vor- und Nachsorge aus?

Die Geburtsvorbereitung findet jetzt kaum mehr in persönlichem Austausch statt, viele Hebammen bieten stattdessen Kurse im Netz an. So auch Marlis Kirschenmann: „Wir haben vom GKV (gesetzliche Krankenversicherungen, Anm.d.Red.) die Erlaubnis erhalten, die Geburtsvorbereitung online anzubieten, was mittlerweile auch viele Kolleginnen machen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Teilnehmer während dem Kurs Fragen stellen können, weshalb eine Vorbereitung in Form von Videos allein nicht möglich ist.“

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„Nach der Geburt, bzw. nach dem Krankenhausaufenthalt besuchen wir die Frauen weiterhin. Es wird auf gute Hygiene geachtet, Körperkontakt nur wo nötig – bei der Kontrolle der Rückbildung der Gebärmutter, bei Brust- oder Stillproblemen, zum Messen der Vitalzeichen.“ Handschuhe oder einen Mundschutz hält Kirschenmann jedoch für unnötig, wenn keine Erkältungsanzeichen oder ähnliche Beschwerden im Raum stünden. „Eine COVID-19-positive Wöchnerin hatte ich noch nicht. Bei einem solchen Besuch müssten wir uns natürlich auch einen Schutzkittel, eine Schutzbrille und eine FFP2 oder 3 Maske anziehen“, erklärt die Hebamme.

Worauf sollten Frauen in der Schwangerschaft achten?

Marlis Kirschenmann beobachtet, dass viele Frauen ängstlicher geworden sind. Die Vorstellung, dass die Partner zumindest zeitweise ausgeschlossen sein könnten, stellt eine große Belastung dar. Vor allem dann, wenn Schwangere stationär überwacht werden müssen, das Baby aber noch nicht kommen soll oder aber lange auf sich warten lässt wie bei einer Einleitung oder einem vorzeitigen Blasensprung, sei es für die Frauen schwer. Generell gelte: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen wie überall, zudem sollten die allgemeinen Beschränkungen eingehalten werden, sprich: Abstand halten, zu Hause bleiben und unbedingt den Kontakt mit Personen vermeiden, die infiziert sind oder Symptome aufweisen. Ansonsten sollten Schwangere versuchen, sich zu entspannen und sich und dem ungeborenen Baby viel Ruhe gönnen. „Die Schwestern auf der Wochenstation erzählen, dass die meisten Frauen sehr entspannt sind, da sie – außer mit dem Baby zu bonden und zu stillen – keine Ablenkung haben“, erzählt die Hebamme.