Gynäkologin gibt Antworten

Das passiert mit dem Körper, wenn Frau die Pille absetzt

Frau mit Pille
Viele Frauen entscheiden sich dazu, die Pille abzusetzen. Was das mit dem Körper macht?
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Soll ich oder soll ich nicht? Viele Frauen spielen mit dem Gedanken, die Pille abzusetzen. Doch was passiert eigentlich mit dem Körper, wenn die tägliche Dosis Fremdhormone ausbleibt? Und was hat das für Auswirkungen auf die Psyche? STYLEBOOK hat bei einer Gynäkologin nachgefragt.

Die Pille als verhütungstechnische Dauerlösung? Ist die dauerhafte „Umprogrammierung“ des weibliches Körpers durch künstliche Hormone wirklich so unproblematisch wie Jahrzehnte lang angenommen? Tatsächlich gibt es Frauen, die von einem regelrechten Aha-Erlebnis berichten, nachdem sie den Schritt wagten, die Pille abzusetzen. Aber es gibt auch jene, die weiterhin auf die Verhütungsmethode, weil ein Leben ohne sie unsägliche Schmerzen und Krämpfe während der Periode bedeuten würde.

Pille schaltet sich zwischen Gehirn und Eierstock

„Um das alles zu verstehen, muss man erst einmal darauf schauen, was sich alles im weiblichen Körper abspielt, wenn die Pille nicht genommen wird“, weiß die Gynäkologin und Autorin des Buches „Unverschämt: Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ Dr. Sheila de Liz. „Ohne Pille sendet das Gehirn laufend Signale an den Eierstock, welche Hormone in welcher Menge produziert werden sollen. Sie ,sprechen‘ in gewisser Weise miteinander. Das ist der ganz natürliche Vorgang.

Kommt die Pille ins Spiel, schaltet diese sich dazwischen, indem sie fortan in Sachen Hormone die Aufgaben des Eierstocks übernimmt. Hört der Eierstock nichts mehr vom Gehirn, legt dieser sich einfach ,schlafen‘.“ So ein „ruhig gestellter“ Eierstock kann durchaus mehr Vorteile haben als „nur“ eine Schwangerschaft zu verhindern, weiß die Ärztin. „Wo jeden Tag immer die gleiche Hormondosis wirkt, kommt es auch nicht zu plötzlichen Schwankungen, die letztendlich für Pickel, fettige Haare oder PMS verantwortlich sind.“ Kurz: Mit Pille geht es im weiblichen Körper hormonmäßig recht entspannt zu. Allerdings hat dieser Effekt bekanntlich auch seinen Preis. 

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Der Eierstock muss erst wieder „aufgeweckt“ werden

Das Absetzen der Pille bedeutet demnach, dass der Eierstock sprichwörtlich erst wieder „aufgeweckt“ werden muss. „Das braucht seine Zeit“, weiß de Liz. „Nach Jahren der Funkstille stellt das Gehirn plötzlich fest, dass es wieder Singale an den Eierstock senden soll. Und da kann es passieren, dass am Anfang noch vieles durcheinander gerät. Von dem einen Hormon kommt zu wenig oder von dem anderen zu viel an, was sich durch Haarausfall, schlechte Haut oder Blutungen bemerkbar macht.“ Doch das sei selten ein Dauerzustand, beruhigt die Gynäkologin. „So wie wir nach einem besonders tiefen Schlaf unsere Zeit brauchen, in Gang zu kommen, muss sich der Eierstock sich auch erst wieder warmlaufen.“

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Die Pille kann die Psyche beeinflussen

Viele Frauen stellen fest, dass sich mit dem Absetzen der Pille auch der psychische Zustand verändert. Die Lust auf Sex wird größer, negative Gedanken nehmen ab, viele beschreiben, dass sie sich ohne Pille weiblicher und irgendwie „echter“ fühlen. Auch das erfährt Sheila de Liz regelmäßig in ihrer Praxis. „Immer wieder höre ich von meinen Patientinnen, dass sie nach dem Absetzen zum ersten Mal erfahren, wie es ist, sich selbst zu spüren, womöglich den eigenen Eisprung wahrnehmen. Ich bin übrigens überzeugt davon, dass die Pille unsere weibliche Intuition, die ja zu den wichtigsten femininen Kräften gehört, ausschaltet.“ Sie selbst habe jahrelang unter depressiven Verstimmungen gelitten, dachte, das sei der Normalzustand. Bis diese mit dem Absetzen der Pille plötzlich verschwanden. Doch gibt die Ärztin zu bedenken, dass sich die genauen Auswirkungen niemals vorhersagen lassen. „Da jeder Körper anders ist, reagiert auch jede Frau anders. Herausfinden lässt sich das nur, wenn es ausprobiert wird.“

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Warum die Pille trotzdem ihre Berechtigung hat

Die Pille gänzlich zu verteufeln – davon hält die Gynäkologin trotzdem nichts. „Sie hat ihre Daseinsberechtigung. Und sie hat ihre Zeit. Sie ist immer noch eine der sichersten Verhütungsmethoden. Doch ist es auch wichtig, dass Frauen erkennen, dass es auch irgendwann gut ist. Wenn ab Mitte 20 andere Dinge wichtig werden und wir uns bereit fühlen, mehr Verantwortung zu übernehmen, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen.“ Die gute Nachricht: Die Pille ist nicht dazu in der Lage, bleibende Schäden im Körper anzurichten, ganz gleich, über wie viele Jahre sie eingenommen wurde. „Bei jeder gesunden Frau wird irgendwann wieder alles so, wie die Natur es eingerichtet hat.“