Vorsorge, Impfung, Behandlung

HPV-Infektion – was Frauen über Gebärmutterhalskrebs wissen sollten

Frau mit Fokus auf der Gebärmutter
Vorsorge ist wichtig: Frauen sollten sich regelmäßig im Rahmen der Krebsvorsorge auf HPV testen lassen
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Gebärmutterhalskrebs (Fachbegriff: Zervixkarzinom) entsteht in Folge einer Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV), von denen die HPV-Stämmen 16 und 18 als besonders kritisch gelten. STYLEBOOK sprach mit dem Facharzt für Gynäkologie Dr. med. Jürgen Klinghammer über Früherkennung, Impfung und Vorbeugung.

Im Zuge einer HPV-Infektion kann es zu Zellenveränderungen v. a. im Bereich des Muttermunds kommen. Diese sogenannten Dysplasien können die Vorstufe einer bösartigen Erkrankung sein.

Wie bekommt man HPV?

Laut Dr. Klinghammer sind vor allem Frauen gefährdet, die häufig wechselnde Partner haben und sich beim Geschlechtsverkehr nicht mit einem Kondom schützen. Männer sind in erster Linie Überträger des Virus, erkranken in seltenen Fällen jedoch auch an Krebs (z. B. im Bereich des Anus).

Abhängig vom jeweiligen Immunsystem und generellen Gesundheitsstatus kann eine HPV-Infektion – und somit das Risiko von Gebärmutterhalskrebs – von selbst zurückgehen. Dr. Klinghammer empfiehlt seinen Patienten zu diesem Zweck bspw. Milchsäurebakterienkuren für den Aufbau und die Abwehrstärkung der Scheidenflora. Die Gefahr von krankhaften Zellveränderungen erhöht sich, wenn die Scheide nicht im Gleichgewicht bzw. mit anderen Erregern (Bakterien, Pilzen) besiedelt ist.

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Keine Immunität nach überstandener HPV-Infektion

Es gibt die Möglichkeit, sich gegen HPV und folglich Gebärmutterhalskrebs impfen zu lassen. Die Maßnahme empfiehlt sich jungen Frauen vor ihrem allerersten sexuellen Kontakt, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht HPV-positiv sein können. Bereits seit dem Jahr 2007 übernehmen die Krankenkassen die Kosten eine Impfung bei Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren, vereinzelt sogar bis zum 26. Lebensjahr. Seit 2018 ist die HPV-Impfung auch für 9- bis 14-jährige Jungs eine Kassenleistung.

Wichtig: „Auch dann, wenn eine Frau oder ein Mann bereits sexuell aktiv ist und schon Infektionen mit dem Human-Papilloma-Virus (HPV) durchgemacht hat, kann eine HPV-Impfung noch sinnvoll sein“, erklärt der Berufsverband der Frauenärzte im Netz. Nach einer HPV-Infektion ist man – anders als bspw. nach einer Masernerkrankung – nicht immun: Es kann erneut zu einer Infektion kommen und folglich zu einer erhöhten Gefahr, dass Gebärmutterhalskrebs entsteht.

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Skepsis gegenüber HPV-Impfung offenbar unbegründet

Laut Dr. Klinghammer geht man davon aus, dass eine einmalige HPV-Impfung genügt, um das ganze Leben lang immun zu sein. Umso unverständlicher, dass nur wenige Mädchen und Frauen in Deutschland diese Chance wahrnehmen. Im Zusammenhang mit HPV erklärt das „Ärzteblatt“ diese „Impfmüdigkeit“ mit kursierenden Gerüchten, die Impfstoffe könnten „als Nebenwirkungen chronische Müdigkeit oder gar Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) verursachen“. Inzwischen wisse man aber, dass die auf dem Markt befindlichen HPV-Impfstoffe als sicher und gut verträglich gälten. Auch nach Dr. Klinghammers Einschätzung drohen keine wesentlichen Nebenwirkungen, „allenfalls lokale Irritationen an der Einstichstelle“.

Impfung

Kleiner Piekser mit großem Effekt: Der Mediziner empfiehlt die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
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Regelmäßige Vorsorgeuntersuchung wichtig

Generell gilt: Frauen sollten regelmäßig zur gynäkologischen Krebsvorsorge gehen, in der Regel genügt ein Termin pro Jahr. Mit HPV ist jedes halbe Jahr ein sogenannter Pap-Test angeraten, der mit einem so genanntem Portioabstrich durchgeführt wird. Der Gynäkologe kratzt mit einer kleinen Bürste Zellen aus dem Gebärmutterhalskanal und bereitet diese Probe so auf, dass sie ins Labor geschickt und dort auf eine bestehende HPV-Infektion bzw. auf krankhafte Veränderungen hin analysiert werden kann.

Die Ergebnisse werden, aufsteigend nach Bedenklichkeit, in Zahlen angegeben: Pap 1 steht für einen unauffälligen Befund, Pap 2 für Hinweise auf Entzündungen bzw. gutartige Veränderungen. Ab Pap 3 – sprich einer stärkeren Entzündung und verdächtigen Veränderungen (Dysplasien), die eine bösartige Entwicklung nehmen können – rät Dr. Klinghammer zu besonderer Aufmerksamkeit und einer engmaschigeren Nachkontrolle alle drei bis vier Monate. „Aus Dysplasien kann sich irgendwann Krebs entwickeln“, so der Arzt.

Behandlung von Gebärmutterhalskrebs

Ab Pap 4 hat man es mit Gebärmutterhalskrebs oder dessen Vorstadium zu tun. Um die Diagnose zu bestätigen, wird bei der Patientin eine Konisation vorgenommen, also eine kegelförmige Gewebsprobe im Bereich des Muttermunds, die zur histologischen Untersuchung eingeschickt wird. Auf diese Weise sollen alle bedenklichen Zellen entfernt und eine Verschlechterung des Zustands verhindert werden. „Werden bei der Auswertung nur Dysplasien festgestellt, sieht die weitere Behandlung wie zuvor regelmäßige Kontrollen vor“, so Dr. Klinghammer. „Handelt es sich um Krebs, muss für gewöhnlich eine wesentlich aufwändigere Operation stattfinden.“

Die Rede ist von der Wertheim-Meigs-Operation. Diese erfolgt in der Regel über einen großen Quer- oder Längsschnitt in der Bauchhöhle und beinhaltet neben der Entfernung der Gebärmutter auch die potenziell betroffener Lymphknoten. Im Falle kann es sinnvoll sein, nach dem Eingriff eine Strahlentherapie anzuschließen.

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Symptome einer HPV-Infektion bzw. Gebärmutterhalskrebs

Manchmal geht eine HPV-Infektion mit Hautveränderungen einher, beispielsweise mit Warzen im Intimbereich. Zudem können sich die Zellveränderungen mit Zwischenblutungen, Ausfluss und Beschwerden/Blutungen beim Geschlechtsverkehr bemerkbar machen.

Dr. Klinghammer weist mit Nachdruck darauf hin, dass mit der Zahl der wechselnden Geschlechtspartner auch die Gefahr auf eine HPV-Infektion wächst. Ohne bestehenden Impfschutz sollte daher dringend ein Kondom benutzt werden – nicht nur, aber auch zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs.