Weiße Kohle

Wundermittel Binchotan? Das steckt hinter dem Trend aus Fernost!

Kohle
Aktivkohle wird nicht nur in der Medizin eingesetzt, sondern kann im Alltag ebefalls gut für den Körper — und das Wohlbefinden — sein
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Tiefschwarze Beautyprodukte fürs Gesicht, rabenschwarze Zahnpasta für ein strahlendes Lächeln: Der Siegeszug von Aktivkohle-Produkten läuft schon seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Doch nur wenige wissen, dass Binchotan auch gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt.

. Überbewertet oder ein echter Allrounder? Gesundheitsexperte und Apotheker Steffen Kuhnert nimmt für STYLEBOOK das Produkt unter die Lupe und klärt auf, ob Aktivkohle ab jetzt in jede Wasserkaraffe gehört.

Wie funktioniert die weiße Kohle?

Wer sich Kohlestäbe ins Trinkwasser legt, der sollte wissen, was dabei genau passiert: „Aktivkohle hat eine große Oberfläche und bietet dadurch die Eigenschaft, andere Stoffe an seine Oberfläche zu binden (in der Medizin sprechen wir auch von adsorbierenden Eigenschaften) und somit unschädlich zu machen,“ erläutert der Experte die Funktionsweise. Um als Filtermaterial für Wasser und Luft zu wirken, gibt die weiße Kohle negativ geladene Ionen ab. Das in Handarbeit gefertigte Binchotan wird erst beim Herstellungsprozess (wenn es gebrannt wird) aktiviert. Im letzten Schritt des Verfahrens reichert sich die Kohle mit Mineralien der eigenen Holzasche an und konzentriert diese. Am Ende ist es der Stoff mit einer dünnen, weißen Aschehaut überzogen (daher der Name Binchotan, weiße Kohle). Fremdstoffe in Luft und Wasser wie beispielsweise Chlor oder Medikamentenrückstände werden so herausgefiltert.

Ist das wirklich gesundheitsfördernd?

In der Verwendung von reiner Aktivkohle sieht der Experte keine Gefahren für die Gesundheit – eine immense Aufwertung des Trinkwassers allerdings auch nicht. Die Aussage, dass Binchotan die Qualität aufwerte, assoziiere, dass wir aktuell kein gesundes Trinkwasser zur Verfügung haben, kritisiert Kuhnert: „Dies trifft meiner Meinung nach nicht zu.“ Generell merkt er aber an, dass veraltete hauseigene Rohrleitungen die Qualität theoretisch beeinflussen könnten.

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japanische Kohle

Wer sich Binchotan in die Wohnung holen will, der sollte sich darauf einstellen, dass 150g Aktivkohle bis zu 20 Euro kosten können
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So verwendet man Binchotan

In Wasser eingelegt soll die weiße Kohle wie eine mit Mineralstoffen ausgerüstete Batterie wirken. Zu Beginn muss sie allerdings zunächst unter fließendem Wasser abgespült werden, so werden lose Reste der Holzasche entfernt. Im Anschluss wird sie dann in kaltes Wasser gelegt und für drei Minuten zum Kochen gebracht, danach trocknen lassen. Die aktivierte Kohle sollte im Anschluss in einer Wasserkaraffe für mindestens zwei bis vier Stunden wirken. Der Richtwert wird mit ca. 100g Binchotan pro 1 Liter Wasser angegeben. Ist das Wasser verbraucht, wird der Behälter mit der Kohle einfach wieder aufgefüllt. Um die Kohle zu reaktivieren und ggf. zu sterilisieren kann sie für ca. eine Minute erneut abgekocht werden. Anschließend wieder trocknen lassen.

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Binchotan für besseres Raumklima

Es bröckelt und schwärzt nicht, ist hart wie Eisen und auch visuell durchaus ansprechend: Nicht umsonst kann Binchotan Holzkohle — mehrfach verwendbar und zu 100% recyclebar — neben ihrer Funktion als Wasserfilter auch in der Wohnung als stylisches Accessoire eingesetzt werden. Die Raumluft soll dank der Holzkohle von elektromagnetischen Strahlen befreit werden. Und in in der Obstschale absorbiert sie Ethylengase, die bei Reifung und Fäulnis entstehen.

Wo findet Aktivkohle sonst noch Anwendung?

In der Medizin wird Kohle als Durchfallmedikament oder aber auch bei Vergiftungen verabreicht. Die Wirkung ist die gleiche: Toxine, Bakterien und Giftstoffe werden durch die Aktivkohle gebunden, ausgeschieden und folglich unschädlich gemacht. Kuhnert erklärt, warum Aktivkohle auch als Nahrungsmittel (neben der Wasserfilterung wird es in Japan nicht nur zum Kochen von Reis, sondern auch als Essenszugabe verwendet) wohl immer mehr Anhänger findet: „Im Leitungswasser soll die Aktivkohle Keime, Schadstoffe wie Schwermetalle, Schwebstoffe und ggf. auch Medikamentenrückstände binden und unschädlich machen. Darüberhinaus gibt sie Mineralien an das Wasser ab. Mineralstoffe sind für unsere Gesundheit neben Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen sehr wichtig.“

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Binchotan — Brauch ich das jetzt wirklich?

Wunderwaffe aus Japan oder doch nur irgendein fragwürdiger Lifestyle-Firlefanz? Der Gesundheitsexperte bleibt vage: „Binchotan wird unserer Gesundheit nicht schaden. Da unser Trinkwasser in der Regel eine hohe Qualität besitzt, ist der gesundheitliche Nutzen nicht offensichtlich und wohl eher geschmacklicher Natur. Mineralstoffe sind wichtig für unsere Gesundheit. Ob Binchotan aber die Mineralisierung des Wassers spürbar erhöht, sollte der Hersteller durch Untersuchungen belegen. Die Alltagstauglichkeit sehe ich eher kritisch.“ Mit anderen Worten: Es spricht wenig dafür, aber auch nichts dagegen, den Kohlestab einfach mal auszuprobieren.

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