Nachgefragt bei der Expertin

Schlechte Tage vor den Tagen? Die Wahrheit über PMS

Mythos PMS
Attacke! Bei jeder vierten Frau machen sich die Tage vor den Tagen in den verschiedensten Ausprägungen bemerkbar
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Schlecht gelaunt, reizbar, unzurechnungsfähig – die Tage vor den Tagen setzen vielen Frauen zu. Aber Moment mal! Tun wir uns – und damit allen Frauen – nicht vielleicht unrecht, indem wir uns freiwillig Monat für Monat mit PMS einen „hormongesteuerten Zicken-Stempel“ aufdrücken lassen?

„Ich bin schlecht gelaunt, habe Kopfschmerzen, bin schnell genervt und breche beim kleinsten Problem in Tränen aus. Hat wohl was mit den Hormonen zu tun“ – so oder so ähnlich beschreibt jede vierte Frau ihre Stimmung vor den Tagen. Aber was steckt eigentlich wirklich hinter dem Begriff „prämenstruelles Syndrom“, was ist Mythos, was Wahrheit? STYLEBOOK fragte bei einer Gynäkologin nach.

Was PMS wirklich ist

„Ja, PMS existiert und viele Frauen kennen die Symptome, die meist eine Woche vor der Menstruation eintreten, nur zu gut“, weiß die Gynäkologin und Autorin des Buches „Unverschämt: Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ Dr. Sheila de Liz. Zu den oben genannten können unter anderem noch hinzukommen: Heißhunger, empfindliche Brüste, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Völlegefühl bis hin zu Angstzuständen und in ganz schlimmen Fällen sogar Ohnmacht. Was dabei genau im Körper passiert? „PMS wird durch eine schwache zweite Zyklushälfte ausgelöst“, erklärt die Gynäkologin. „Normalerweise produziert die kleine Blase, in der das Ei ,gewohnt‘ hat, ab Tag 15 das Gelbkörperhormon Progesteron. PMS ist ein Zeichen dafür, dass zu wenig davon produziert wird, was sich dann körperlich und psychisch bemerkbar macht.“ Zusammengefasst: Je deutlicher die Hormonwerte kurz vor der Menstruation schwächeln, desto gereizter und unzufriedener fühlen wir uns. 

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Was PMS uns Frauen eigentlich sagen möchte

Ein stark ausgeprägtes PMS sei nichts, was man einfach hinnehmen sollte, betont de Liz. Denn die Beschwerden seien auch ein Hinweis darauf, dass etwas aus dem Ungleichgewicht geraten ist. Eine ungesunde Lebensweise, Rauchen, Alkohol, Stress oder zu wenig Schlaf verstärken die Symptome. Genau wie Fast Food, Fertiggerichte und der oft daraus resultierende Magnesium-Mangel. „PMS will uns sagen: ,Geh mal in dich! Tut mir mein aktueller Lebensstil wirklich gut?‘ Dass wir gegen Ende des Zyklus empfindlicher sind, ist auch als Einladung zu verstehen, in Selbstreflexion zu gehen und sich daran zu erinnern, sich selbst wertzuschätzen“. PMS ist – sofern wir darauf hören – also etwas, dass uns am Ende sogar mental stärken kann, weil wir beschließen, mehr auf uns zu achten.

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Was sonst noch bei PMS hilft

Als Ärztin weiß de Liz natürlich auch, dass auch Veranlagung eine Rolle spielen kann. Nicht immer ist es mit Meditation oder Clean Eating getan. „Neben der Einnahme von Magnesium-Präparaten hilft auch naturidentischen Progesteron, die Symptome in den Griff zu kriegen.“ Da Letzteres allerdings verschreibungspflichtig ist, ist es umso wichtiger, seine PMS-Beschwerden ernst zu nehmen und mit dem Gynäkologen oder der Gynäkologin darüber zu sprechen.

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Was PMS nicht ist

PMS hat nichts Niedliches an sich oder ist etwas, über das man genervt die Augen verdrehen sollte. „Es lässt sich nicht weglächeln. Und es bringt auch nichts, zu versuchen, einfach darüber hinwegzugehen“, betont die Gynäkologin. Höchste Zeit, an dieser Einstellung etwas zu ändern.

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