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Weight Watchers: Kritik nach Tinder-Werbung

„Übergriffig und verachtend“

Scharfe Kritik an Weight Watchers wegen Tinder-Werbung mit Fotograf Paul Ripke

Mann und Frau machen Pizza
So oder so ähnlich hatten sich Tinder-Nutzerinnen ein Date mit Fotograf Paul Ripke vorgestellt, nachdem sie mit dem Fotografen ein Match hatten – vermeintlich. Die anschließende Nachricht in ihrem Postfach schmeckte den Betroffenen jedoch so gar nicht...Foto: Getty Images

Von Diäten kann man halten, was man will. Firmen wie Weight Watchers leben jedoch von dem Wunsch der Menschen, Gewicht zu reduzieren. Nun sieht sich der Diät-Gigant aufgrund seiner aktuellen Werbekampagne jedoch mit heftiger Kritik konfrontiert. Worum es in der, wie eine Instagram-Nutzerin es bezeichnet, „übergriffigen und verachtenden“ Werbemaßnahme ging und was Tinder und Fotograf Paul Ripke damit zu tun haben, lesen Sie bei STYLEBOOK.

Laut Umfrage hatten im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Personen in Deutschland Interesse an Diäten und entsprechenden Produkten. Dementsprechend groß ist das Angebot. Ständig werden neue Diäten vorgestellt und ausprobiert, in der Hoffnung, einige Pfunde zu verlieren. Diese Hoffnung ist das Herz, das Diät-Maschinerien antreibt. Maschinerien, zu denen auch diejenigen gehören, die davon profitieren. Wie zum Beispiel Weight Watchers. Das 1963 in New York gegründete Unternehmen möchte laut deutscher Website zu „gesunden Gewohnheiten fürs echte Leben“ inspirieren. „Wir glauben, dass ein gesunder Lebensstil und damit das persönliche Wohlbefinden ein Menschenrecht ist, und wollen beides für jeden zugänglich machen – nicht nur für einige Wenige“ lesen Interessenten weiter. (Stand: 28.11.2022)

Weight Watchers lockt mit vermeintlichem Tinder-Profil

Ob die Verantwortlichen der Werbemaßnahmen beim Absegnen einer aktuellen Kampagne auch das „persönliche Wohlbefinden“ im Sinn hatten, wird nun in Frage gestellt. Diese lief über die Dating-Plattform Tinder. Hier hat Weight Watchers ein Werbe-Profil erstellt, mit Fotos von Paul Ripke, Fotograf, Content Creator und Podcaster. Die Fotos zeigen den 41-Jährigen in lässiger Pose beim Meditieren, auf dem Stand-up-Paddle-Board oder konzentriert beim Schneiden verschiedener Kochzutaten. In seinem Profil gibt der vermeintliche Paul Ripke an, er sei angehender Meisterkoch, Fotograf und Podcaster, der „Bock auf Abwechslung“ habe, „…also in der Küche natürlich!“ wird hier mit einem Flammen-Emoji ergänzt.

Kein Match mit Paul Ripke, sondern Weight Watchers

Tinder-Nutzerinnen, die das Profil nun nach rechts swipen, also liken, und sich dann über ein Match mit dem vermeintlichen Paul freuen, dürften spätestens beim anschließenden Blick in ihr Nachrichten-Postfach zumindest enttäuscht gewesen sein. Denn laut Screenshot einer Followerin, den Künstlerin Kim Hoss auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlicht hat, steht dort zwar noch Pauls Name und sein Foto im Profil, ansonsten teilt Tinder der Betroffenen jedoch mit: „Du und Weight Watchers hattet ein Match“. In der darauffolgenden Nachricht steht: „Ich bin schon länger dabei und habe damit endlich zu mir und meiner Mitte gefunden. Du sehnst dich auch nach Inspiration und Support auf deiner Reise zu mehr Balance und einem gesunden Lebensstil? Melde dich jetzt bei Weight Watchers an und komm auf den Geschmack neuer Gewohnheiten.“ Darunter ist ein Link zur Anmeldung eingefügt.

Kim Hoss hat in ihren Instagram-Stories, die sie inzwischen unter dem Story-Highlight „Bah“ zusammengefügt hat, auch Reaktionen weiterer Follower publik gemacht. Beispielsweise: „Da fällt einem nichts mehr zu ein, ich bin sprachlos. Und wütend. Das ist eine systematische Herabwürdigung. Ob das so überhaupt legal ist, frage ich mich da.“ Dass Unternehmen Werbung auf Social Media-Plattformen schalten, ist nichts Neues. Diese muss jedoch auch als solche gekennzeichnet sein. Dass es sich bei dem Paul-Ripke-Profil um eine Werbeanzeige handelte, scheint auf den ersten Blick nicht ersichtlich gewesen zu sein. Denn laut Screenshot von Kim Hoss ist das Weight Watchers-Logo nur klein auf dem SUP-Board auf einem Foto zu sehen.

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Paul Ripkes Zusammenarbeit mit Weight Watchers endet zu 2023

Paul Ripke hat schnell reagiert. In einer Story auf Instagram teilt er mit, er habe „Weight Watchers gebeten, die Werbung umgehend zu stoppen. Nach bis dahin drei aktiven Tagen ist dies auch sofort geschehen.“ Weiterhin erklärt er den Sachverhalt so: „Vor ca. zwei Monaten wurde mir von meinem Partner WW, neben verschiedenen Werbemaßnahmen, die Idee vorgestellt, auf Tinder Werbung mit allen Testimonials, also auch mir zu schalten. Hier wurde, als Werbung deklariert, mit der Idee gespielt, dass Paul, 41, einen Koch-Buddy sucht. Diese Idee wurde von mir freigegeben.“ Nun sei er jedoch von Followern und Kim Hoss, auf deren Story-Highlight er verweist, auf die inzwischen geschalteten Anzeigen hingewiesen worden, „die leider sowohl ein anderes Foto als auch einen anderen Text beinhalteten und vor allem von Nutzerinnen völlig zurecht als übergriffig wahrgenommen wurden.“

Die Werbung sei zwar als solche deklariert worden und es seien nicht nur „mehrgewichtige Frauen“ angesprochen worden, „dennoch war die ganze Werbung, die WW da geschaltet hat, eine dumme Idee“. Einzig relevant sei, wie „Tinder-Nutzerinnen das aufnehmen und das war nicht ok. Ich möchte mich bei allen, die diese Werbung ausgespielt bekommen haben, persönlich entschuldigen.“ Außerdem habe er aus dem Vorfall gelernt, bei zukünftigen Kooperationen genauer hinzusehen. Seine Zusammenarbeit mit Weight Watchers sei zum Neujahr 2023 beendet.

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„Das Widerlichste, das ich seit Langem erlebt habe“

Weight Watchers selbst hat bisher kein offizielles Statement abgegeben. Sie posteten auf ihrem Instagram-Account noch einen Spruch zum Weihnachtsmarktbesuch. Doch über den wollte die Followerschaft nicht diskutieren. Die Kommentarspalte des Posts ist voller Unmut über die Werbeaktion. „Ihr wollt für Gesundheit stehen? Ist es eurer Meinung nach gesund, Frauen, die auf einer Dating-App nach der Liebe suchen, mit einer Werbung dazu verleiten zu wollen abzunehmen? Das ist übergriffig, frauenfeindlich und weit entfernt von Gesundheit und einem gesunden Verhältnis zu sich selbst & seinem Körper. Zeigt nur, dass es darum geht, um jeden Preis Schlankheit zu promoten – ob Essstörungen, Zweifel, psychische Probleme und ungesundes Verhalten davon die Folge sind, scheint euch egal zu sein“ von Userin annakova ist der Kommentar mit den meisten Likes.

Ärger gab es auch, da die Werbung offenbar nur Frauen ausgespielt wurde. „Gab es auch eine Frau, die Männern diese Nachrichten zukommen ließ? Oder zieht man sich da nur die Frauen ran, weil es Frauen mehr triggert?“ Andere nennen die Kampagne das „Widerlichste, das ich seit Langem erlebt habe. Und das Ganze jetzt auch noch so totzuschweigen, ist eine Unverschämtheit“. Verachtend, übergriffig, frauenfeindlich, ekelhaft; absolutes Unverständnis sowie Wut, das ist der vorherrschende Tenor. Viele verlangen nach einem Statement seitens des Unternehmens.

Weight Watchers reagiert auf Forderung

Darauf hat Weight Watchers nun reagiert. Gegenüber STYLEBOOK gab das Unternehmen am 28.11.2022 folgendes Statement ab, das sie auch auf ihrem Instagram-Account veröffentlichten: „Wir bitten alle Personen, die wir durch unsere Tinder-Werbung verletzt oder irritiert haben, um Entschuldigung. Wir wollten mit diesem Werbeformat einen neuen Kanal ausprobieren und haben erkannt, wie unsensibel unser Verhalten war. Viele haben uns mitgeteilt, dass diese Art der Werbung gar nicht erst hätte geschaltet werden dürfen. Damit haben sie absolut recht. Für diese grobe Fehleinschätzung von unserer Seite übernehmen wir die volle Verantwortung. Wir arbeiten unsere Fehler aktuell auf und ziehen daraus unsere Konsequenzen. Die ersten Konsequenzen wurden sofort wirksam: Wir haben das Werbemittel bereits kurz nach dem Start der Ausspielung gestoppt. Zudem wird uns Paul Ripke nach gemeinsamer Entscheidung ab sofort nicht mehr als Markenbotschafter begleiten.“

Quellen:

Rechtschreibung und Zeichensetzung der zitierten Posts und Kommentare wurden von der Redaktion korrigiert.

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