In die Kritik geraten

Wie schädlich sind Silikone in Shampoos für Haare und Kopfhaut?

Silikone Shampoo
Silikone ja oder nein? Immer mehr achten auf natürliche Inhaltsstoffe in ihre Haarpflege-Produkten
Foto: Getty Images

Silikone geben dem Haar Glanz, sorgen für Schwung, Glätte und lassen die Struktur ingesamt gesund aussehen – so jedenfalls die weit verbreitete Meinung. Doch seit einiger Zeit ist das Image der „chemischen Wunderwaffe" gehörig ins Wanken geraten. Zu Recht? STYLEBOOK fragte beim Experten nach.

Silikone tauchten erstmals zu Beginn der 90er-Jahre in Haarpflege-Produkten auf. Durch den noch damals weit verbreiteten Dauerwelle-Trend litten viele Frauen unter spröden und splissigen Haaren. Silikone erwiesen sich da als genialer Alleskönner, bereits nach wenigen Haarwäschen zeigten sich die ersten Effekte: Die angegriffenen Haare waren wieder geschmeidig, weich und kämmbar. Es dauerte nicht lange, da wurden Silikone zum selbstverständlichen Zusatzstoff nahezu aller Shampoos, Kuren und Spülungen.

Mit unserem Newsletter als Erstes up to date sein – hier geht’s zur Anmeldung 

Was sind Silikone und wie wirken sie?

Silikone sind aus Erdöl gewonnene Kunststoffe, sogenannte Polymere. Da sie eine relative große Molekülstruktur besitzen, haben sie eine abdichtende, versiegelnde Wirkung. Das heißt, sie legen sich als feine Schicht um jedes einzelne Haar und glätten so auch abstehende Hornhautschüppchen. Dadurch wird das Licht besser reflektiert, was für einen gesunden Glanz und ein seidenweiches Gefühl sorgt. „Dieser Sofort-Effekt war damals eine kleine Revolution“, sagt der Kölner Haarpraktiker und Haarexperte Michael Rogall. „Doch eine Lösung für dauerhaft schöne Haare sind Silikone nicht, denn sie wirken nur oberflächlich.“

Auch interessant: DAS kann der Grund für graue Haare im jungen Alter sein!

Warum Silikone auf Dauer Haare und Umwelt schaden

„Was viele nicht wissen, ist, dass Silikone schlecht für die Kopfhaut sind“, erklärt der Haarexperte weiter. „Die Kopfhaut ist ein wichtiges Entgiftungsorgan, doch wenn sie durch Silikone versiegelt wird, können Schweiß und Schadstoffe nicht mehr über die Poren ausgeschieden werden.“ Die Folge: eine juckende, gereizte, brennende Kopfhaut, die zu Schuppen neigt. Und: Ohne gesunde Kopfhaut, keine gesunden Haare! „Sie ist wie ein Blumenbeet, das gepflegt werden muss, Kunststoffablagerungen haben dort nichts zu suchen“, sagt Michael Rogall. Ein weiteres Problem sei, dass Silikone nicht oder nur sehr schwer abbaubar sind. Mit jeder Haarwäsche gerät ein kleiner Teil der Kunststoffe ins Abwasser und damit in den ökologischen Kreislauf. Dass sie dort nicht hingehören, ist eigentlich selbstredend. Sogar das Umweltbundesamt (UBA) weißt auf mögliche Gefahren durch Silikone hin.

Aufkleber Shampoo

Shampoos und Spülungen ohne Zusätze werden immer beliebter
Foto: STYLEBOOK

Wie man Silikone auf der Verpackung erkennt

Die Silikon-Problematik ist längst kein Insiderwissen mehr, in der Konsequenz wächst auch das Angebot an Haarpflege-Produkten, die damit werben, frei von Silikonen zu sein. Generell kann man sich darauf verlassen, dass bei Bio- und Naturkosmetikprodukten keine künstlichen Inhaltsstoffe verwendet werden. Wer wirklich ganz sicher gehen will, der kann Silikone im Kleingedruckten an ihren Endungen erkennen – Inhaltsstoffe mit -cone, -con oder -xane verweisen auf silikonhaltige Zusätze, darunter beispielsweise Cyclomethicone oder Polysiloxane.

Auch interessant: Darum können Shampoos schuld an schlechter Haut sein

Glänzendes Haar auch ohne Silikone – geht das?

Ein Silikon-Entzug ist keine schöne Sache, denn das bedeutet einen mindestens drei Monate anhaltenden „Bad Hair Day“. Der Grund: Unter der sich nach und nach auswaschenden Kunststoff-Schicht kommen oft brüchige und kraftlose Haare zutage. Aber auch hierfür hat Michael Rogall einen wirkungsvollen Tipp: „Jeden Tag mindesten drei Minuten bürsten und zwar mit einer Wildschweinhaarbürste.“ Die regelmäßige Kopfhaut-Massage sorgt für eine gute Durchblutung, trägt Schuppen und Salze ab und sorgt dafür, dass die Fette gleichmäßig verteilt werden. Das wirke wie eine „körpereigene Haarkur“. Nach wenigen Wochen strahlen die Haare im neuen Glanz. Und das ganz aus sich selbst heraus – ohne Silikone.

Themen