Zwei Expertinnen im STYLEBOOK-Gespräch

Warum Permanent-Make-up viel besser als sein Ruf ist

Permanent-Make-up
Neue Techniken, bessere Farbpigmente: Die Zeiten, in denen Permanent-Make-up in erster Linie als unnatürlich galt, sind längst passé
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Harte Eyeliner-Striche, dunkle Lippenkonturen und Augenbrauen wie Daniela Katzenberger vor zehn Jahren – ist die Rede von Permanent-Make-up, haben wir schnell extreme Bilder im Kopf. Dabei kann das Treatment durchaus eine sinnvolle Alternative zu teuren Make-up-Produkten darstellen und gleichzeitig die ein oder andere Schönheitsbehandlung ersetzen. STYLEBOOK sprach mit zwei Expertinnen.

Morgens im schummrigen Badezimmer in aller Eile einen geraden Lidstrich ziehen? Für viele unmöglich. Trotz Dinner und Drinks den ganzen Abend perfekt geschminkte Lippen behalten? Fast noch unmöglicher. Eine Lösung könnte Permanent-Make-up sein, aber die Hemmschwelle, sich der folgenreichen Beauty-Behandlung zu unterziehen, ist bei vielen Frauen hoch. Warum eigentlich?

Der Trend der 90er-Jahre

Tatsächlich sind kosmetische Tätowierungen kein Phänomen der Gegenwart, im Gegenteil: Schon vor Urzeiten ließen sich Menschen Lippen und Augenbrauen dauerhaft nachzeichnen oder tätowierten sich lang haltbare Schönheitsflecken. In der Neuzeit wurde Permanent-Make-up vor allem in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts populär, als dunkle Lippenkonturen und superdünne Augenbrauen zum Schönheitsideal ausgerufen wurden. Kritiker ließen nicht lange auf sich warten, wegen seiner fehlenden Natürlichkeit bekam Permanent-Make-up schnell einen Negativ-Stempel aufgedrückt, was nicht zuletzt auch der angewandten Technik und den verwendeten Farben geschuldet war.

Permanent Make-up im Vorher-Nachher-Vergleich

Früher als unnatürlich verschrieen, sind die Techniken heute so ausgefeilt, dass Permanent-Make-up sein schlechtes Image ein für allemal ablegen kann
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Was hat sich verändert?

Kosmetikerin Katrin Pischel arbeitet seit einigen Jahren mit Permanent-Make-up und weiß, warum dem Treatment bis heute ein schlechtes Image anhaftet: „Früher waren die Farben eher wie Tattoo-Farben. Wer sich in den 90er-Jahren einen Lidstrich machen ließ, kann diesen unter Umständen heute immer noch haben. Leider ist das ein schlechtes Beispiel für gutes Permanent-Make-up“, erklärt die Expertin. Auch die Art der Maltechnik hat sich in den vergangenen 30 Jahren deutlich verändert. „Powderbrows und Nano-Shading gab es früher nicht. Da wurde einfach die Kontur gezeichnet, dann ausgemalt und fertig, was im Ergebnis oftmals sehr künstlich aussah. Heute arbeitet man mit mehr Farbverlauf und Schattierungen, benutzt andere Farben und bekommt so ein viel natürlicheres Ergebnis“, so Katrin Pischel.

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Die Vorteile von dauerhaftem Make-up

Gerade in Sachen Augenbrauen hat sich in der Technik viel getan. So setzt auch Kosmetikerin Eva Wanzek aus Hamburg voll auf Permanent-Make-up, um Kunden den Traum von perfekten Brauen zu erfüllen. „Man kann so viele Effekte umsetzen: leichte Schattierungen nur mit Farben, Ombré-Effekte, man kann Härchen nachmalen, mit Pünktchen-Technik Lücken füllen, Konturen unterschiedlich stark zeichnen – für jeden Hautyp und jede Augenbrauenform findet sich eine Lösung“, so die Expertin. Auch Katrin Pischel betont die Vorteile der dauerhaften Behandlung: „Es geht häufig nicht mehr darum, geschminkt zu wirken. Es geht darum, die natürlichen Gegebenheiten zu verbessern.“ Gerade beim Permanent-Make-up für die Lippen werde beispielsweise nicht nur die eigene Lippenfarbe aufgefrischt, sondern vor allem die Kontur der Lippen in der natürlichen Farbe nachgezeichnet, um den Unterschied von Haut und Lippe zu betonen. „Auf den Lippen wirkt die Farbe immer sehr natürlich und wird nie so deckend sein, wie bei einem echten Lippenstift“, erklärt so Katrin Pischel.

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Die möglichen Nachteile

„Das Pigmentiergerät für das Permanent-Make-up ist das gleiche, wie in einem Tattoo-Studio, nur mit weniger Power. Die Pigmentiergeräte sind viel leichter und das Pigment kommt so nur bis in die Epidermis“, erklärt Kosmetikerin Pischel. „Außerdem haben die Farben eine stärkere Pigmentgröße als bei herkömmlichen Tattoo-Farben, weshalb sie vom Körper auch eher abgebaut werden.“ Wie lange das Make-up hält, kann jedoch auch die Expertin nicht genau prognostizieren: „Es hat viel mit dem Lebensstil zu tun: Raucht man oder nicht, geht man viel in die Sonne, hat man trockene oder fettige Haut. Auch der Stoffwechsel spielt eine Rolle. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass das Make-up zwei bis fünf Jahre hält.“

Die Angst vor Fehlern sei bei Kundinnen häufig groß, denn ist der Lidstrich einmal gesetzt, bleibt er so bestehen. Doch Kosmetikerin Eva Wanzek gibt Entwarnung: „Bei jedem Permanent-Make-up – vor allem aber bei Lidstrich und Lippenkontur – wird die Veränderung erst einmal aufgemalt und erst im Anschluss mit der Nadel eingearbeitet.“ Gemeinsam werde so lange modelliert, bis alle zufrieden sind – der Kunde müsse sich aber dessen bewusst sein, dass sich der Look am Ende nicht so flexibel ändern lässt wie bei herkömmlichem Make-up.

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Kosten der Behandlung

Ob man mit einem Permanent-Make-up-Treatment am Ende wirklich Geld spart, hängt davon ab, welche Behandlung man machen lässt. Grundsätzlich kosten schattierte Augenbrauen ca. 350 Euro, eine dauerhafter Lidstrich zwischen 200 und 300 Euro. Die Preisspanne bei einem permanentem Lippen-Make-up variiert je nach Aufwand und Vorstellung – eine einfache Kontur schlägt mit ca. 200 Euro zu Buche, eine leichte Schattierung kostet etwa 350 Euro. Ein volles Lippen-Make-up mit Volumeneffekt kann bis zu 600 Euro kosten, macht aber auch den Besuch beim Beauty-Doc überflüssig. Das Ergebnis sollte etwa einen Monat nach der Behandlung erneut von der Kosmetikerin begutachtet werden. Diese Nachbehandlung ist in der Regel im Preis inklusive.