Intime Beauty-Behandlung

Was Sie über Vaginal-Bleaching wissen sollten

Die Scham will neuerdings nicht mehr bloß ordentlich enthaart sein, sondern auch aufgehellt. Der intime Beauty-Trend nennt sich Vaginal-Bleaching und wird derzeit dank Bloggern wie Huda Kattan heiß diskutiert – und kritisiert. STYLEBOOK sprach mit Experten über die Gründe für ein Vaginal-Bleaching, die Behandlung und über mögliche Risiken.

Auster
Zugegeben, wie eine Auster sieht die Vagina nicht aus. Den hellen Farbton hätten trotzdem viele Frauen gerne und greifen zum Vaginal Bleaching
Foto: Getty Images

Von Natur aus ist unsere Haut an manchen Stellen etwas dunkler als am restlichen Körper. Hierzu gehören die Achseln, vor allem betrifft die stärkere Pigmentierung aber den Intimbereich. An den Geschlechtsorganen und im Anus sitzen mehr Melanozyten, also pigmentbildenden Zellen. Wie intensiv die Färbung ausfällt, hängt mit der genetischen Veranlagung zusammen, ebenso mit dem natürlichen Alterungsprozess. Manche empfinden sie mit der Zeit als störend. In verschiedenen deutschen Praxen werden daher seit einer Weile Intim-Bleachings angeboten. Tanja Czarnotta, Oberärztin in der Fontana Klinik in Mainz, hat sich auf derartige Behandlungen spezialisiert und im Gespräch mit STYLEBOOK alle Fragen dazu beantwortet.

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Warum lassen sich Frauen und Männer die Geschlechtsorgane bleachen?

Frau mit Lupe nackt

Den Schambereich aufhellen zu lassen – das ist für viele Frauen ein Gang zum Vaginal Bleaching wert
Foto: Getty Images

Wie läuft die Behandlung ab?

Bei einem Ersttermin wird geklärt, welche Stellen aufgehellt werden sollen und welche Risiken es gibt. Wenn es die Terminsituation der Ärztin zulässt und der Patient es wünscht, kann das Bleaching theoretisch direkt im Anschluss an das Beratungsgespräch durchgeführt werden. Heißt: Man muss sich auf die ambulante Behandlung nicht vorbereiten.

„Ich arbeite dabei mit einem IPL-Gerät, das mit Lichtimpulsen das Melanin zerstört“, erklärt die Ärztin. Diese Technik kennt man bereits, wenn man sich Muttermale oder andere Pigmentveränderungen mit dem Laser hat entfernen lassen. Czarnotta überprüft zunächst an einer kleinen Stelle des zu behandelnden Areals die Reaktion der Haut auf den Laser. Wenn nach fünf Minuten keine rötliche Färbung zu erkennen ist, die auf eine Irritation hindeuten würde, kann der gesamte Bereich behandelt werden. „Es wird ein Kontaktgel aufgetragen, das leicht kühlend wirkt. In erster Linie aber sorgt es dafür, dass die Lichtstrahlen des IPL-Geräts direkt in die Haut gelangen und nicht gestreut werden.“ Die Behandlung in der Fontana Klinik dauert insgesamt etwa eine Viertelstunde und werde als kaum schmerzhaft beschrieben, wie Czarnotta versichert. „Die meisten Patienten sind bei der ersten Sitzung etwas nervös. Das kann das Schmerzempfinden unter Umständen verstärken. Dahingegen empfinden Patienten, die regelmäßig epilieren oder zum Waxing gehen, die IPL-Behandlung eher als leichtes ‚Kribbeln‘.“

Was ist nach der Behandlung zu beachten?

In den Stunden danach sollen Intim-Bleaching-Patienten nicht duschen und sich nicht rasieren. Sofern Hautirritationen und Rötungen ausgeblieben sind, sei am nächsten Tag dann wieder alles erlaubt – sogar Geschlechtsverkehr. Czarnotta: „Einzig von Saunabesuchen raten wir in den ersten beiden Wochen nach der Behandlung ab.“

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Welche Risiken gibt es?

Im Anschluss an die Behandlung kann es vereinzelt zu Hautirritationen kommen. Laut Czarnotta sehen diese ähnlich aus wie ein Sonnenbrand und würden auch so behandelt: mit kühlenden Gels und Aspirin. Dies sei aber eher in Ausnahmen der Fall. Nach ihren Behandlungen sei es noch nie zu derartigen Überreaktionen im Intimbereich gekommen.

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Wie oft muss die Prozedur wiederholt werden?

Je nach Hauttyp, sprich Stärke der Pigmentierung, können zwischen zwei und sechs Sitzungen im Abstand von jeweils vier bis sechs Wochen nötig sein, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Im Anschluss an die Behandlung bekommen Patienten ein Rezept für eine Bleachingcreme, die ihnen in der Apotheke angemischt wird. „Sie soll in den ersten Wochen täglich aufgetragen werden, um die Aufhellung zu intensivieren“, erklärt Czarnotta.

Wie viel kostet das Intim-Bleaching?

Die Preise pro Sitzung starten bei 280 Euro, variieren jedoch je nach zu behandelnder Region und deren Größe. Dunkelere Hauttypen können sich entsprechend auf eine Investition im vierstelligen Bereich einstellen, die von den Krankenversicherungen nicht übernommen wird. Das Ergebnis halte dann aber „sehr langfristig“, verspricht Czarnotta. „Es ist ein natürlicher Prozess, dass die Haut leicht nachdunkelt, ebenso wie das Schwächerwerden des Bindegewebes und Erschlaffen der Haut. Das kann den optischen Eindruck etwas verstärken.“

Paar im Schlafzimmer

Die meisten von Czarnottas Patienten lassen sich den Intimbereich aufhellen, um sich attraktiver zu fühlen
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Was Sie sonst noch wissen sollten

STYLEBOOK fragte auch bei Dr. Timm Golüke nach. In seiner Hautarztpraxis in München behandelt er selbst regelmäßig Pigmentveränderungen mit dem IPL-Laser und bestätigt, dass dies auch im empfindlichen Bereich der intimen Schleimhäute eher risikoarm ist. Die Voraussetzung: Man wendet sich einen erfahrenen Gynäkologen oder Dermatologen. „Wird die Behandlung nicht fachmännisch durchgeführt, drohen Verbrennungen und nachhaltige Vernarbungen“, so der Experte. Er erklärt, dass auch Kosmetikerinnen ein IPL-Gerät kaufen und anwenden dürfen. Hier wäre die Behandlung vermutlich günstiger, aber auch bedeutend weniger professionell.

Geht das nicht einen Schritt zu weit?

Vor wenigen Monaten erst sorgte ein Posting des Schönheitskonzerns Huda Beauty für Aufregung, in dem eine Dermatologin – angeblich auf wiederholte Anfrage hin – Tipps gab, wie sich das Dunkelwerden der Schamlippen verhindern lasse. Zu diesem Zweck solle man etwa sein Idealgewicht erreichen, damit die Schenkel nicht aneinanderreiben, Intimspülungen meiden und stattdessen Feuchtigkeits- und Bleaching-Cremes verwenden. Die Huda-Beauty-Follower-Gemeinde zeigte sich empört über dieses „absurde Schönheits-Ideal“.

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