Nutzen und Risiken

Kann Hyaluronsäure wirklich Falten reduzieren?

Die einen lassen sich damit die Lippen auf- oder Falten unterspritzen, andere cremen sich damit das Gesicht ein oder schlucken es aus Ampullen: Die Rede ist von Hyaluronsäure. STYLEBOOK erklärt, was die vermeintliche Beauty-Wunderwaffe wirklich kann.

Ein straffes Gesicht und trotzdem noch die Stirn runzeln können? Das geht nach einer Botoxbehandlung – jahrelang der Faltenkiller Nummer 1 – leider nur noch bedingt. Deshalb setzt die Kosmetikindustrie mittlerweile auf die Geheimwaffe Hyaluron. Die „Wundersäure“ sorgt dabei nicht nur für glattere Haut, sie kann auch noch ein bisschen mehr…

Was ist Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure, auch einfach Hyaluron genannt, ist eigentlich eine körpereigene Flüssigkeit. Die gelartige Säure ist Bestandteil des Bindegewebes, findet sich aber auch in Knorpeln und Gelenkflüssigkeit wieder. Ihre Hauptaufgabe ist, Wasserteile zu binden und diese in die Zellen zu schleusen.

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Welchen Effekt hat Hyaluron?

Durch seine wasserbindenden Eigenschaften polstert Hyaluron die Zellen auf. „Vor allem im Bindegewebe zeigen sich nach der Behandlung mit Hyaluronsäure optische Resultate. Die Haut im Gesicht wirkt beispielsweise praller, kleinere Fältchen werden durch den Aufpolster-Effekt geglättet“, erklärt Dermatologin Dr. med. Regina Perch aus Berlin. Auch die Modellage anderer Körperteile lässt sich mit Hyaluron umsetzen: Lippen, Brust, Po, Wangen und Oberschenkel können unterspritzt werden, um mehr Volumen zu generieren oder deutlichere Konturen zu schaffen. Ähnlich wie die körpereigene Hyaluronsäure wird auch die künstliche Version nach einiger Zeit vom Körper abgebaut: „Je nach Körperstelle und Menge des Hyalurons kann dies sechs bis 36 Monate dauern“, so die Expertin.

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Hyaluronsäure als Wundermittel

Dass Hyaluron den Zeichen der Hautalterung entgegen wirkt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Hollywood-Stars schwören auf den Soforteffekt von gespritztem Hyaluron. Doch auch Cremes und oral eingenommene Kapseln können dabei helfen, die körpereigene Hyaluronproduktion anzukurbeln.

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Hyaluron in Cremes

In Augencremes ist Hyaluron fester Bestandteil, denn die feinen Fältchen um die Augen entstehen häufig durch mangelnde Feuchtigkeit. Durch den Zusatz wird mehr Wasser an der betroffenen Stelle gebunden, in der Folge wirkt die Haut straffer. Auch Seren oder Masken sorgen für einen Soforteffekt und sind für relativ wenig Geld in der Drogerie erhältlich. Qualitative Unterschiede gibt es nicht, allerdings ist die Konzentration in frei verkäuflichen Produkten deutlich niedriger als in einer Hyaluronspritze. „Damit Hyaluron von außen in die Haut eindringen kann, müssen die langen Ketten ‚zerhackt‘ werden“, erklärt der Dermatologe Kai Rezai aus Münster. „Dann gibt es tatsächlich einen unmittelbaren Pump-up-Effekt, der Falten aufpolstert. Dies hält allerdings nur maximal 24 Stunden an.“ Er empfiehlt: „Am besten zwei Mal täglich auftragen. Möglichst abends, damit die Wirkstoffe über Nacht besser arbeiten können.“

 

Hyaluronsäure spritzen lassen

Die gelartige Textur von Hyaluron eignet sich ideal, um die Haut zu modellieren. Besonders beliebt ist das Aufspritzen von Lippen – je nach Bedarf werden zwischen 0,5 und 2 Milliliter Hyaluronsäure zum Vergrößern verwendet. Auch die Nasolabialfalte und Falten um die Augen können unterspritzt werden, um weniger tief zu wirken. Im Gegensatz zu Cremes wird beim Unterspritzen mit purem Hyaluron gearbeitet, sodass der Effekt nicht nur sofort sichtbar, sondern vor allem langfristiger ist. Spritzen sollte allerdings nur ein erfahrener Schönheits-Chirurg, der vorab abwägt und über die Risiken aufklärt.

Lippenunterspritzung

Hyaluron-Filler kommen beim Aufpolstern von Lippen zum Einsatz 
Foto: Getty Images

Hyaluron als Nahrungsergänzungsmittel

Auch als Kapsel zum Schlucken wird Hyaluronsäure angeboten, die Wirkung dabei ist eher ganzheitlich zu sehen: Nicht nur die Haut und das Bindegewebe werden mit dem Stoff versorgt, sonder auch die Gelenke. Das wirkt vor allem einer möglichen Arthrose entgegen. Die Dermatologin schränkt jedoch ein: „Um überzeugende, sichtbare Effekte zu sehen, müssten die Kapseln schon regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.“ Mindestens drei Monate sollte das Präparat mit rund 200 bis 500 mg pro Tag laut Herstellern geschluckt werden, erst dann könnten Ergebnisse im Hautbild sichtbar werden.

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Kann man zu viel Hyaluron aufnehmen?

Da es sich bei Hyaluron um eine im Körper existente Säure handelt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Überdosis sehr gering. „In Cremes und Seren ist nicht genug Säure enthalten, um gefährlich zu werden“, erklärt Dr. med. Perch. „Und auch Unterspritzungen oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln führt nur in den seltensten Fällen zu einer Überdosierung. Nebenwirkungen können lediglich post-Operative Wunden nach einer Unterspritzung sein, Blutergüsse oder leichte Druckschmerzen.“ Bei einer Überdosierung von Kapseln könnten leichte Gelenkschmerzen auftreten. In jedem Fall empfiehlt die Expertin, ausreichend Wasser zu trinken – nur in dieser Kombination könne Hyaluronsäure zu den gewünschten Ergebnissen führen.