Rassismus auf Twitter

Noah Becker erstattet Anzeige gegen AfD-Abgeordneten Maier

Noah Becker
Noah Becker ist stolz darauf, Deutscher zu sein
Foto: Getty Images

Noah Becker, Sohn von Tennislegende Boris Becker, geht nach einem rassistischen Tweet auf dem Account des AfD-Politikers Jens Maier juristisch gegen den Bundestagsabgeordneten vor.

Rassistische Beleidigungen über Twitter

Über Maiers Twitter-Account war vor wenigen Tagen in Richtung von Noah Becker der Satz gepostet worden: „Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.“ Der Kommentar bezog sich auf ein Interview. In diesem hatte Noah Becker erklärt, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine „weiße Stadt“, er selbst sei wegen seiner Hautfarbe attackiert worden. Becker hat ein Maler-Atelier in Berlin, arbeitet als DJ und ist Mitglied einer Band.

Der rassistische Kommentar wurde später gelöscht. Maier erklärte, nicht er selbst, sondern ein Mitarbeiter habe die Zeilen verfasst. Der sächsische AfD-Bundestagsabgeordnete sprach von einer „Panne“, dem twitternden Mitarbeiter habe er eine Abmahnung erteilt. Bei Becker wolle er sich entschuldigen. In der AfD gab es Rücktrittsforderungen an Maier, der als Vertreter des rechtsnationalen Parteiflügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke gilt. „Wenn wir das tolerieren, geht es zu weit“, sagte Parteichef Jörg Meuthen. Der Parteivorstand werde am Montag über die Möglichkeit „weitreichender“ Ordnungsmaßnahmen beraten.

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Boris Becker unterstellt der AfD Kalkül

Boris Becker bezweifelte in einem Gastbeitrag in der „Welt am Sonntag“, dass ein Mitarbeiter den rassistischen Tweet abgesetzt habe. „Das tun sie bei der AfD doch immer, das ist ihre Masche. Irgendetwas in die Welt setzen und sich dann davon distanzieren.“ Rassismus dürfe nicht länger hingenommen werden. „Damit muss endlich Schluss sein! Bei diesem Thema gibt es keine Grauzone.“

Maier arbeitete vor seinem Einzug in den Bundestag als Zivilrichter. Auch der Chef des Deutschen Richterbundes, Jens Grisa, geht von einer „kalkulierten Provokation“ aus und bezeichnete den Tweet in der „Bild“ (Samstag) als „unerträglich und völlig inakzeptabel“. Nach Angaben von Beckers Anwalt Moser wurde Maier zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert, „um eine derartige rassistische Beleidigung in Zukunft auszuschließen“. Die für Freitag gesetzte Frist habe dieser aber „ohne jede Reaktion“ verstreichen lassen. Daher werde man „zeitnah auch die Zivilgerichte bemühen“.

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Noah Becker: „Ich bin stolz, Deutscher zu sein!“

Noah Becker reagierte in einem Interview gelassen. Auf die Frage, wie häufig er als „Neger“ bezeichnet werde, antwortete er: „zu häufig“. Es passiere auch ständig, „dass Leute mit dem Finger auf uns zeigen und Witze über unsere Haare machen.“ Solche Menschen seien in gewisser Weise ignorant. „Wenn man aufwächst, wo nur Weiße sind, wenn man nur eine bestimmte Hautfarbe sieht, dann kennt man nichts anderes. Und hat Angst vor Fremden.“ Er selbst sei stolz auf seine Hautfarbe und genauso darauf, deutsch zu sein.