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Experten-Meinung

Haare waschen mit Bier, Ei, Essig oder Urin – was bringt das?

Frau, die sich ihre Haare wäscht
Bier, Ei, Essig oder gar Urin – was ist dran an den natürlichen Shampoo-Alternativen für schönes Haar? Foto: iStock/Adam_Lazar

Die einen schwören drauf, die anderen finden sie eher abwegig – die Rede ist von natürlichen Haarpflegeprodukt-Alternativen wie Bier, Ei, Essig oder Urin. Was sie können und wie gut sie unserem Kopf am Ende wirklich tun – STYLEBOOK hat bei zwei Experten nachgefragt.

Ein gutes und speziell abgestimmtes Shampoo verspricht, widerspenstiges Haar zu bändigen und die Kopfhaut zu beruhigen. Allerdings sind in vielen Produkten Duft- und Konservierungsstoffe enthalten, die das Haar auf Dauer belasten oder im Verdacht stehen, Reizungen hervorzurufen. Immer mehr Menschen experimentieren deshalb mit ganz einfachen Hausmitteln. In der Amazon-Prime-Video-Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ waschen sich Axel und Christiane F. ihre Haare mit zwei Eigelb und Cognac. Aber können Alkohol, Ei, Essig oder gar Urin am Ende ein herkömmliches Shampoo ersetzen? Eine Frage, bei der die Expertenmeinungen durchaus auseinandergehen.

Was bringen Bier, Ei, Essig oder Urin als Shampoo?

Timm Golüke, Dermatologe in München, räumt ein, dass in besagten Alternativen zwar einzelne Wirkstoffe enthalten sind, die dem Haar helfen können, zugleich gebe es aber andere Zusätze, „die durch chemische Prozesse dem Haar in der Struktur eher schaden“, so der Mediziner. Und nicht nur das: Wer sich Bier, Essig, Ei oder Urin in die Haare einmassiert und lange einwirken lässt, dessen Mähne könne mitunter längere Zeit danach riechen.

Haare waschen mit Essig oder Ei

„Menschen mit trockenem Haar können sich ihre Haare durchaus auch nur mit Apfelessig überlaufen lassen“, erklärt erklärt dagegen Yael Adler, Dermatologin und Buchautorin aus Berlin. Was das dem Haar bringe? „Er verbessert den pH-Wert der Kopfhaut, die Haarschuppen werden an den Haarschaft angelegt. Der Säureschutzmantel wird stabilisiert und das Haar erhält einen schönen Glanz. So wird zudem die Ausbreitung von Hefepilzen verlangsamt.“

Aber riecht das Haar dann nicht penetrant nach Essig? Adler gibt Entwarnung: „Vielleicht im ersten Moment. Aber: Es verhilft dafür zu einem guten Duft der Kopfhaut – wenn der Essiggeruch verflogen ist.“

Und was ist mit Bier und Ei, die dem Haar mehr Festigkeit und Glanz versprechen? Yael Adler glaubt nicht an den Erfolg der Anwendung: „Es wird fantasiert, dass das die Haare und die Kopfhaut mit Vitaminen versorgt werden, was man aber vergessen kann. Mit Mikronährstoffen versorgt man die Haarwurzel allein über eine gesunde Ernährung. Wenigstens hat man den Vorteil, dass man keine Chemie aufträgt. Aber man kann’s auch lassen.“

Auch interessant: Wie macht man eine „Saure Rinse“ mit Apfelessig für die Haare?

Eigenurin auf dem Haar – Trend schon wieder out

Tatsächlich kommt heute in vielen Beauty-Produkten Harnstoff zum Einsatz – Harnstoff, der industriell unter hoch hygienischen Bedingungen gewonnen wird. In Sachen Neurodermitis hört man immer wieder von Eigenurin-Therapien, die Betroffenen Linderung verschaffen sollen. Aber Urin auch als Shampoo- und/oder Spülungsersatz fürs Haar? Davon rät Dr. Golüke ab, das könne auf der Kopfhaut eher ätzend wirken denn ihr gut tun. Hier rät der Experte vielmehr zum Griff ins Drogerie-Markt- oder Apotheken-Regal: „Es gibt eine Menge an kosmetischen Haarprodukten, die den Wirkstoff Urea enthalten, also im Labor geprüften und wirksamen Harnstoff.“

Auch Yael Adler teilt diese Meinung: „Urin dient dazu, Giftstoffe aus dem Körper zu entfernen. Er enthält zwar Harnstoff, der befeuchtend wirken kann, den man aber auch in einem Shampoo ohne den Urinanteil bekommen kann. Der vermeintliche Trend Eigenurin für die Haare ist out.“

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