Hochzeitstradition

Warum heiraten Bräute in Weiß?

Frau in Brautkleid
Heiraten in Weiß? Genau genommen „neudmodischer Kram“. Wir erklären, wie diese eher junge Hochzeitstradition entstand und warum Queen Victoria dafür verantwortlich war.
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Brautkleider sind weiß, weil sie Reinheit und Unschuld repräsentieren sollen? Das ist nur der halbe Grund. Tatsächlich haben wir es einigen „royalen Trendsetterinnen" zu verdanken, dass die meisten Frauen heute in Weiß zum Altar schreiten.

Ein Brautkleid muss weiß oder zumindest cremefarben sein! Dem Satz würden wohl die meisten – wenn auch längst nicht mehr alle – zustimmen. Diese Ansicht ist noch relativ jung, genauer, etwas über 100 Jahre alt. So gaben im Mittelalter und in der Renaissance Frauen von hohem Rang ihren Zukünftigen in prächtigen, strahlend roten, grünen oder blauen Kleidern, die zusätzlich mit edlen goldenen Stickereien versehen waren, das Ja-Wort. Der Grund: Das Einfärben von Stoffen war damals eine extrem kostspielige Angelegenheit. Mit bunten Roben konnte man daher zeigen, aus welch wohlhabenden Hause man kam. Niemand wäre da auf die Idee gekommen, schnödes Weiß zu tragen. Die einfache Bevölkerung dagegen konnte sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts hinein ohnehin keine Kleider leisten, die nur zu einem einzigen Anlass getragen wurden. So trug die Frau einfach ihr schönstes (Fest-)Kleid an ihrem Hochzeitstag. Und das war meist schwarz. Als sonderbar empfand das niemand.

Hochzeit früher

Hochzeits-Foto aus dem 19. Jahrundert. Damals konnten sich nur sehr wohlhabende Menschen ein offizielles Brautkleid leisten. Also trug frau ihr übliches Festtagskleid
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In Weiß vor dem Altar – die Royals als Trendsetter

Doch so, wie Rosa einst als Jungsfarbe galt und Hellblau als Mädchenfarbe, ändern und verfestigen sich neue Farbtraditionen so stark, dass nur noch die wenigsten wissen, dass weiße Brautkleider eine relativ neue Modeerscheinung sind. Vor allem der Adel war es, der zunächst hin und wieder mit einem hellen Brautkleid aus der Reihe tanzte. So heiratete Prinzessin Elizabeth Stuart von England und Schottland 1613 den pfälzischen Kurfürsten Friedrich V in einem cremefarbenen Kleid. Ihre Enkelin Maria tat es ihr 1641 gleich. Da königliche Hochzeiten damals noch kein Medienereignis waren, bekam das Volk davon nicht so viel von den Details mit. Das änderte sich schlagartig 1840 als die britische Königin Victoria Prinz Albert im weißen Kleid heiratete und die Presse schon zugegen war. Queen Victoria war es übrigens auch, die Schwarz als Trauerfarbe etablierte.

Spätestens als ein Jahr später, als Kaiserin Sissi in ihrem pompösen Rüschen-Traum in Weiß ihren Franz ehelichte, war es um alle geschehen. Weiß war die neue Farbe für den Tag der Liebe. Von da an wollte jede Frau nur noch im strahlend blendeten Kleid vor den Altar schreiten. Und da Weiß schon damals für Unschuld, Reinheit und Jungfräulichkeit stand, setzte sich der neue Trend in Windeseile durch. Auch wenn bis ins 20. Jahrhundert hinein die ländliche Bevölkerung weiterhin zur Tracht greifen musste und von weißen Brautkleidern nur träumen konnte.

Brautkleid Queen Victoria

Das original Hochzeitskleid von Queen Victoria (1840), welches heute im Kensington Palast ausgestellt ist
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Die Norm bleibt weiß, doch mutige Bräute tragen rot

Mittlerweile haben sich die Vorstellungen und Erwartungen bezüglich Jungfräulichkeit und sonstige Konventionen glücklicherweise stark geändert, doch bleibt Weiß vorherrschend, wenn es ums Heiraten geht. Wer es individueller mag, hat zum Glück auch tolle Möglichkeiten, sich für ein Brautkleid in einer anderen Farbe zu entscheiden, wie zum Beispiel für Rot. Bereits in der Antike trugen römische Bräute rote Schleier, weil man glaubte, dass dieser Reichtum und Segen über das Paar bringt. Und indische Bräute sind nach wie vor in roten Saris eingehüllt, da Rot als glücksbringende Farbe in Indien gilt.