Von wegen genormt!

Deswegen fallen Kleidergrößen oft so unterschiedlich aus

Kleidergrößen können sehr unterschiedlich ausfallen. Passt man bei einem Label noch in eine 38, geht der Knopf bei der nächsten Anprobe bei gleicher Größe nicht mal annähernd zu. STYLEBOOK.de klärt auf, was hinter dem Mysterium der Konfektionsgrößen steckt.


Foto: Getty Images

Jeder kennt dieses Phänomen: Zielstrebig greift man beim Hosen-Shopping zur Jeans in der gewohnten Größe 38 und stellt in der Umkleide erstaunt fest: Die schlabbert ja ganz schön an den Beinen. Einen Laden weiter will man dann in ein anderes Modell schlüpfen und kriegt noch nicht mal mehr die 40 über die Schenkel.

Obwohl wir eigentlich in eine 38 passen, kommt sie uns manchmal wie eine 34 vor

Obwohl wir eigentlich in eine 38 passen, kommt sie uns manchmal wie eine 34 vor Klamoten anprobieren. Foto: Getty Images

Das Image zählt

Statt an einer allgemeinen Norm orientieren sich die Kleidergrößen nämlich an einem gewissen Image, das die jeweilige Marke etablieren will. Während sich das eine Label an zierliche, schmale Frauen richtet, wollen andere kurvigere Kundinnen für sich gewinnen. Wer bei ersteren shoppt, wird seine Größe also locker ein bis zwei Nummern nach oben korrigieren müssen, während eine 40 in Geschäften der zweiten Kategorie wohl auch mal in eine 36 passen kann. 

Nehm ich S oder doch besser M? Jeder kennt das Wirrwarr mit den Konfektionsgrößen

Nehm ich S oder doch besser M? Jeder kennt das Wirrwarr mit den Konfektionsgrößen Konfektionsgrößen. Foto: Getty Images

Schmeichel- und Statusgrößen

Auch Thomas Rasch, Geschäftsführer des Modeverbandes German Fashion, bestätigt dies gegenüber STYLEBOOK: „Konfektionsgrößen sind nicht gesetzlich festgelegt. Es gibt keine Norm, an die sich die Hersteller rechtlich halten müssten. Jedes Unternehmen interpretiert Größen auf seine Weise. Daher sind diese nur innerhalb eines Unternehmens vergleichbar. Dass Konfektionsgrößen so unterschiedlich ausfallen, hat auch mit der Mode zu tun. Mode ist individuell und das sollte sie auch sein. Es gibt auch sogenannte Schmeichelgrößen. Da steht dann zum Beispiel eine 38 drauf, obwohl die Größe eigentlich eher einer 42 entsprechen würde. Damit will man den Kundinnen ein gutes Gefühl vermitteln.“ Das Gegenteil von Schmeichelgrößen sind die sogenannten Statusgrößen. Diese findet man häufig bei Fashion Retailern, die eine junge Zielgruppe ansprechen. Bei jungen Frauen gelten heutzutage mittlerweile kleinere Größen als Statusgrößen. Deswegen steht bei junger Mode oft eine Größe im Etikett drin, die eigentlich eine kleinere ist. Wer also normalerweise 38 trägt, muss in jungen Modegeschäften sehr wahrscheinlich zu einer 40 greifen. So werden die Kundinnen tatsächlich zum Abnehmen für die möglichst kleine Wunschgröße gezwungen.

Hier für den STYLEBOOK-Newsletter anmelden!

H&M vS. ZARA

Der schwedische Fashionriese H&M etwa legt für eine Jeans in Größe 38 einen Taillenumfang von 72 Zentimetern zugrunde, während der spanische Modekonzern Zara seine Hosen von vornherein zwei Zentimeter enger näht. Und dafür gibt es sogar eine recht einfache Erklärung: Die Mode der großen Ketten wird nicht nur für Mitteleuropäer gemacht. Vielmehr richten sich die Hersteller nach den Durchschnittsmaßen in ihren Herkunftsländern. In Spanien, dem Heimatland von Zara, sind die Kundinnen meist zierlicher und kleiner als in Skandinavien, wo die Menschen oftmals höher gewachsen sind


Fallen die Klamotten so unterschiedlich aus, herrscht schnell Chaos in der Umkleidekabine 

Fallen die Klamotten so unterschiedlich aus, herrscht schnell Chaos in der Umkleidekabine  Klamotten. Foto: Getty Images

Willkür statt einheitlicher Norm

Wie aber sieht denn nun eine echte 38 aus? Das weiß wohl keiner so genau. Kaum etwas ist in der deutschen Modelandschaft so willkürlich wie die Konfektionsgröße, die in die Etiketten der großen Fashionretailer eingenäht sind. Zwar gibt es durchaus Vorgaben – die europäische Norm EN-13402 regelt exakt, welche Größe zu welchen Maßen gehört –, aber kaum ein Hersteller hält sich uneingeschränkt daran. Als Lösung bleibt wohl vorerst nur: Entweder bei der Marke des Vertrauens bleiben oder sich weiterhin durchprobieren.

Positives Einkaufserlebnis

Aber ob nun 34, 40 oder 54 – am Ende ist die Kleidergröße doch ohnehin nur eine Zahl. Das bestätigt uns implizit auch die H&M-Presseabteilung: „Unser Ziel ist es, dass unsere Kunden immer ein positives Einkaufserlebnis bei uns haben. H&M hält sich an die internationalen Bekleidungsgrößen und deren einhergehende Maße. In Einzelfällen kann es vorkommen, dass der ein oder andere Artikel – je nach Schnitt und Design – von der Norm abweicht, dies bestätigt jedoch nicht die Regel.“

Wir sind auch auf Instagram: stylebook_de – hier folgen!