Jetzt ist Schluss mit schlüpfrig!

Textilkette American Apparel ist pleite

Unter neuer Leitung wollte American Apparel seinen von Skandalen geprägten Ruf vergessen machen. Jetzt musste das Unternehmen aus Los Angeles Insolvenz anmelden.


Die Abwärtsspirale ließ sich nicht aufhalten, jetzt ist der amerikanische Modehersteller American Apparel pleite. Das Unternehmen mit Sitz in Los Angeles beantragte am Montag Gläubigerschutz. American Apparel will so seine Schulden von derzeit 300 Millionen Dollar (268 Millionen Euro) auf 135 Millionen Dollar drücken

Billigkonkurrenz

Bereits Anfang Juni hatte American Apparel angekündigt, Filialen zu schließen und Personal zu entlassen. Der Aktienkurs war um mehr als 30 Prozent abgestürzt.

Auch wenn es sich um einen Textilkonzern handelt: In Werbungen von American Apparel, wie dieser hier von 2008, rückte die Kleidung weit in den Hintergrund – oder blieb völlig aus. Die Anzeigen hatten praktisch immer pornografischen Charakter. In letzter Zeit hat sich das Konzept nur nicht mehr verkauft. Foto: American Apparel

Mit ihr sollte alles anders werden: Als neue American-Apparel-Chefin will , die ihr Haar inzwischen übrigens blond trägt, den Ruf des Labels wieder auf Vordermann bringen. Jetzt musste sie erst einmal Insolvenz anmelden. Foto: Getty Images

, der die Firma 1989 in seinem kanadischen Geburtsort Montreal gegründet hatte, ist immer wieder wegen Fehlverhaltens aufgefallen. Im Juni 2014 wurde er von seiner eigenen Firma entlassen. Foto: Getty Images

Typisch für American-Apparel-Werbungen unter Charney: viel nackte Haut. Selten waren es professionelle Models, die vor der Kamera des Ex-Firmenchefs und Hobby-Fotografen posierten, sondern blutjunge Mädchen von nebenan oder Mitarbeiterinnen des Labels. Foto: American Apparel

Immer wieder wurden Vorwürfe laut, Charney habe die Amateur-Models sexuell belästigt. Seine Reaktion: das Aufsetzen eines Vertrages, in dem die Mädchen sich vor dem Foto-Job verpflichteten, ihn keinesfalls anzuzeigen. Foto: American Apparel

Auch wenn es sich um einen Textilkonzern handelt: In Werbungen von American Apparel, wie dieser hier von 2008, rückte die Kleidung weit in den Hintergrund – oder blieb völlig aus. Die Anzeigen hatten praktisch immer pornografischen Charakter. In letzter Zeit hat sich das Konzept nur nicht mehr verkauft. Foto: American Apparel

Unternehmenschefin Schneider betonte, American Apparel sei nicht nur eine Modemarke mit Kultcharakter, sondern auch der größte Modehersteller in Nordamerika. „Wir gehen diesen Weg auch, um Jobs in den Vereinigten Staaten zu halten und die Ideale zu wahren, für die dieses Unternehmen steht.“

Zur Philosophie von American Apparel gehört, dass ausschließlich in Amerika produziert wird und nicht wie die Konkurrenz in Niedriglohnländern in Asien. Doch die Verkäufe gehen seit 2010 zurück. Europäische Ketten wie H&M und Zara sind günstiger und tauschen ihre Kollektionen schneller aus.

Pleiten, Sex und Pannen

American Apparel war außerdem im vergangenen Jahr in den Schlagzeilen, wegen seines umstrittenen, mehrfach wegen sexueller Belästigung angeklagten CEO und Gründer Dov Charney. Dieser hatte American Apparel 1989 im kanadischen Montréal gegründet und den Firmensitz später nach Los Angeles verlegt

Zum Markenzeichen der Marke gehören provokante Werbekampagnen, meistens mit extrem jungen Hobby-Models in knappsten Stöffchen und aufreizenden Posen. Alleine 2014 löste das Label unter anderem mit einer barbusigen Muslimin, einem freizügigen Lolita-Anzeigen-Look und Schaufenster-Puppen mit aufgeklebtem XXL-Schamhaar für heftige Diskussionen. Sex sells – nicht immer!