Die Modewelt trauert

„Königin des Strick“ Designerin Sonia Rykiel ist tot

Die französische Modeschöpferin Sonia Rykiel ist tot. Die Designerin starb im Alter von 86 Jahren. Berühmt wurde Rykiel mit ihrer edlen Strickmode – dabei konnte sie selbst gar nicht stricken.


Sie war eine der einflussreichsten Frauen der Modewelt: Sonia Rykiel. Nun ist die „Königin des Stricks“ – den Titel verpasste ihr die „Women’s Wear Daily“ 1970 – im Alter von 86 Jahren in Paris verstorben, wie ihre Familie mitteilte. 

Sonia Rykiel im Jahr 2012, sie lebte auf Grund ihrer Parkinson-Krankheit zurückgezogen in Paris

Sonia Rykiel im Jahr 2012, sie lebte auf Grund ihrer Parkinson-Krankheit zurückgezogen in Paris Sonia Rykiel. Foto: getty images

Sexuelle Mode-Revolution
Rykiel litt bereits seit über 15 Jahren an Parkinson. „Ich möchte meine Schmerzen nicht zeigen. Ich habe gezögert, ich habe versucht, unsichtbar zu bleiben und so zu tun, als ob nichts wäre. Das ist unmöglich, das bin nicht ich“, schrieb die Designerin in ihrer Autobiografie „’N’oubliez pas que je joue’“ (Vergiss nicht, dass es ein Spiel ist) über die Krankheit

Die zierliche kleine Frau mit den flammend roten Zottelhaaren beeinflusst die Mode bis heute. Mit ihrer unprätentiösen Strickmode machte Sonia Rykiel Ende der 60er das Leben der Frauen im wahrsten Sinne des Wortes bequemer und befreite sie von Zwängen. Rykiel: „Meine Pullover waren sehr klein und eng, so dass es anders aussah, ein wenig andrgyn und burschikos, ein bisschen Femme fatale, provokant und sexuell befreiend.“ Um Trends scherte sich Rykiel nie, sie verfolgte das démode-Konzept, zeitlose Stücke, die Saison für Saison verbessert werden und nie aus der Mode kommen.

Die Autodidaktin
Rykiel hat nie Design studiert, kam eher, nun ja, aus Langeweile zur Mode („Ich konnte mir nie vorstellen, zu arbeiten. Bei uns in der Familie arbeiteten Frauen nicht“). Ihr erster Mann Samuel betrieb die Mode-Boutique „Laura“ in Paris. Dort fand sie die angebotenen Pullover ziemlich langweilig. „Ich dachte, diese Pullis könnten mal ein Make-over gebrauchen“, erinnerte sich Rykiel einst im Interview mit „Purple“. „Ich fragte unsere italienischen Produzenten, ob sie nicht engere, kleinere Pullis statt so weite produzieren könnten.“ Diese verkaufte sie fortan unter ihrem Namen.

Ein Rückblick auf Sonia Rykiels schönste Kreationen

Ein Rückblick auf Sonia Rykiels schönste Kreationen Designerin Sonia Rykiel bei ihrem letzten Defilée 2007, danach übergab sie das Modehaus an ihre Tochter Nathalie (l.). Foto: Getty Images

Berühmt wurde Rykiel vor allem mit ihren farbenfrohen Strick-Kreationen. Hier eine Show von 1988. Foto: Getty Images

Bekannt war Rykiel außerdem für ihre bunten Streifen-Looks mit Pariser Chic und ihre schlauchartigen Strickpullover. Hier ein Teil aus der aktuellen Kollektion für Herbst/ Winter 2016. Foto: Getty Images

Ein typischer Rykiel-Look mit Streifen und Strick aus der Kollektion von 2008, ebenso wie. Foto: Getty Images

… dieser, präsentiert 2008 von dem damals noch nicht so bekannten Model Karlie Kloss. Foto: Getty Images

Rykiel schaffte es, dass sogar Strickwolle immer ultrafeminin aussah. Foto: Getty Images

Das typische Rykiel-Kleid ist sexy, aber nie aufreizend. Und die Knallfarben machen wohl allen Frauen richtig gute Laune. Foto: Getty Images

Nie hat eine Strickjacke sexyer ausgesehen als an Supermodel Helena Christensen bei einer Show 1993. Foto: Getty Images

Typisch für Sonia Rykiel sind auch immer Botschaften auf ihren Kreationen. Sei es „I Have a Dream“ oder…. Foto: Getty Images

… auch mal etwas ironischer wie „Großer schwarzer Pulli“ aus ihrer Männerkollektion von 2007. Foto: Getty Images

Die modebewusste Französin trägt mit Vorliebe auch Badeanzüge oder Bikinis von Rykiel. Foto: Getty Images

Bei Sonia Rykiel wird der Look erst durch die passende Kopfbedeckung perfekt, wie hier das Stirnband zum Strick-Kleid. Foto: Getty Images

Ein Rückblick auf Sonia Rykiels schönste Kreationen Designerin Sonia Rykiel bei ihrem letzten Defilée 2007, danach übergab sie das Modehaus an ihre Tochter Nathalie (l.). Foto: Getty Images

Ihre erste eigene Boutique eröffnete sie am 25. Mai 1968 auf der Rue de Grenelle in Paris und schloss diese bereits vorübergehend nach einem Tag wegen der Pariser Studentenunruhen. Einen Monat später eröffnete sie erneut und gründete im selben Jahr auch das Modeunternehmen, das ihren Namen trägt. Promi-Fans der ersten Stunde: Audrey Hepburn und Brigitte Bardot. Auch für H&M entwarf sie 2009 und 2010 Kollektionen. Nebenbei schrieb die Tochter einer Russin und eines Rumänen (Rykiel hatte vier Schwestern) Bücher, von denen neun veröffentlicht wurden.

Der Rückzug
Die wichtigsten Merkmale ihrer Entwürfe: bunte Ringelstreifen, eingewebte Botschaften, schlauchartige Strickpullover. „Ich wollte immer Mode für mich machen“, verriet Rykiel in einem älteren Interview ihr Erfolgsgeheimnis. Makaber: Sonia Rykiel konnte selbst gar nicht stricken, wie sie dem „Interview“-Magazine 2008 gestand. „Aber ich wusste immer genau, was ich wollte“, so Rykiel.

2007 zog sich Sonia Rykiel offiziell aus dem Designgeschäft zurück. Seitdem leitet ihre Tochter Nathalie das Unternehmen (Rykiel hatte auch noch einen Sohn, der Komponist ist). Angeblich soll Sonia trotzdem bis zuletzt über jede Masche gewacht haben.  

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