John Galliano macht auf seriös

Neuer Look, neues Leben?

Es ist das erste TV-Interview nach seinem antisemitischen Ausraster vor zwei Jahren, der John Galliano (52) seinen Job als Kreativdirektor bei Dior kostete. Der britische Designer zeigt sich nicht nur optisch von einer völlig ungewohnten Seite.

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Nanu, was ist denn mit dem passiert? Smarter Anzug, blaues Hemd, die Haare streng zurückgestylt – der exzentrische John Galliano, der sonst immer aussieht, als wäre er auf dem Weg zu einer „Fluch der Karibik“-Mottoparty, ist kaum wiederzuerkennen

Kein Leomantel, kein düsteres Make-up, kein Oberlippenbart. Das enfant terrible unter den Modedesignern wirkt wie ein seriöser Geschäftsmann, der neue Business Solutions vorstellen will. Und in gewisser Weise tut er das sogar.

Es ist zwei Jahre her, dass John Galliano mehrere Gäste in einer Pariser Bar mit antisemitischen  Beleidigungen schockierte. Er verlor daraufhin seinen Posten als Kreativdirektor bei Christian Dior und wurde zum schwarzen Schaf der Modebranche. „Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere war ich wohl das, was man einen Blackout-Trinker nennt“, gesteht er nun in einem TV-Interview mit dem US-Talker Charlie Rose. Er gibt zu, dass er sich weder an seine beleidigenden Worte erinnern kann, noch daran, überhaupt in der Bar gewesen zu sein

Das einstündige Gespräch kostet ihn sichtlich Kraft. Immer wieder hält er inne, um sich zu sammeln. Galliano erzählt von seiner schweren Kindheit, dem unsagbaren Erfolgsdruck als gefeierter Designer und davon, dass diese ganze Gefühlswelle irgendwann über ihm zusammen schlug

Galliano: „Ich war emotional, spirituell, körperlich und mental völlig runiniert. Ich wusste es nicht, doch ich hatte einen sehr schlimmen Breakdown.“ Er redet leise und kämpft mit den Tränen. 

Doch immer dann, wenn es um Mode geht – etwa um seine neue Zusammenarbeit mit Oscar de la Renta, die er Anfang dieses Jahres bekanntgab – strahlen seine Augen. John Galliano hat nur einen Wunsch: „Ich kann entwerfen. Ich bin bereit zu entwerfen. Und ich hoffe, dass man mir durch meine Buße eine zweite Chance gibt.“