Stylebook trifft Raf Simons

Das macht der Designer seit seinem Dior-Ausstieg

Die Modewelt fragt sich: Wie geht's Designer Raf Simons (48) seit seinem spektakulären Rückzug als Dior-Kreativdirektor? Die Antworten liefert er in Berlin. Eine zufällige Begegnung.


Raf Simons in Berlin? Ja! Und fast möchte man sagen: Er ist zurück! Das ist natürlich absurd. Im Januar zeigte er wie gehabt eine Herrenkollektion für sein eigenes Label bei den Pariser Männerschauen. Und am Mittwoch präsentierte der Designer persönlich seine neue, bis dato dritte Kollektion für den dänischen Möbelstoff-Hersteller Kvadrat in der Galerie Thomas Schulte. Der bekanntlich scheue Simons zeigte sich entspannt mit seinem Partner Jean-Georges d’Orazio, plauderte mit den Gästen bevor es zum Dinner ins Szene-Restaurant Dóttir ging.

Seltener Auftritt: Am Mittwoch präsentierte Raf Simons in Berlin seine neue Kollektion für Kvadrat

Seltener Auftritt: Am Mittwoch präsentierte Raf Simons in Berlin seine neue Kollektion für Kvadrat Raf Simons Galerie Thomas Schulte. Foto: Thomas Helbing für Stylebook.de

„Ich genieße die Pause“
Natürlich wollen wir wissen, ob er es nach seinem Rücktritt bei Dior vermisse, Mode für Frauen zu machen. Simons: „Es ist gut, von der Damenmode eine Pause zu haben. Ich genieße das. Alles war einfach nur noch verwirrend für mich.“

Im Oktober 2015 hatte Raf Simons nach drei umjubelten Jahren als Kreativdirektor bei Dior für alle überraschend das Handtuch geschmissen. Offiziell aus privaten Gründen, inoffiziell wegen des hohen Drucks in der Branche, die immer mehr Kollektionen pro Saison rausspült und von Umsatzerwartungen und Gewinnzahlen getrieben wird

Zum Leben nach Dior gehört bei Raf Simons auch Partner Jean-Georges d'Orazio. Beide sollen sich bei Dior kennen gelernt haben. Hier besuchen beide eine Gala in New York im November 2015

Zum Leben nach Dior gehört bei Raf Simons auch Partner Jean-Georges d’Orazio. Beide sollen sich bei Dior kennen gelernt haben. Hier besuchen beide eine Gala in New York im November 2015 Jean-Georges d’Orazio, Raf Simons. Foto: getty images

„Die Mode stellt die falschen Fragen“
Hat Raf Simons mit seinem Rücktritt die Branche wachgerüttelt? Schließlich haben Labels wie Burberry und Tommy Hilfiger zuletzt angekündigt, den Schauenplan umzukrempeln, künftig nur noch zwei Kollektionen zu zeigen und näher am Kunden zu produzieren

Im STYLEBOOK-Gespräch wird Raf Simons ungewohnt deutlich: „Meiner Meinung nach stellt die Mode derzeit die falschen Fragen. Es geht doch nicht darum, ob ich Wintermode im Sommer zeige, weniger Kollektionen produziere oder ein T-Shirt zuerst auf Instagram vermarkte.“ Aber woran krankt dann die Branche? „Es wird vernachlässigt, Kreativität zu fördern, den Talenten Räume für Ideen zu schaffen, damit tolles Design entstehen kann. Das ist doch am wichtigsten“, so Simons. „Nicolas, Phobe und ich* sind bereits die mittlere Designer-Generation. Wer kommt nach uns. Ich sehe da nicht viel.“

Ob er jemals wieder Damenmode entwerfen werde, will er nicht beantworten. Bis dahin kann Frau sich immerhin ihr Zuhause mit Möbelstoffen von Raf Simons verschönern

Es ist bereits die dritte Kollektion, die Raf Simons für den Möbelstoff-Hersteller Kvadrat designt. Jetzt in unseren vier Wänden angesagt: Der Biene-Maja-Look. Beim Streifenmuster ließ sich der Designer von einem Muster von Franco Albini aus den 1940er-Jahren inspirieren. Foto: Thomas Helbing für Stylebook.de

Es ist bereits die dritte Kollektion, die Raf Simons für den Möbelstoff-Hersteller Kvadrat designt. Jetzt in unseren vier Wänden angesagt: Der Biene-Maja-Look. Beim Streifenmuster ließ sich der Designer von einem Muster von Franco Albini aus den 1940er-Jahren inspirieren. Foto: Thomas Helbing für Stylebook.de

* Gemeint sind Nicolas Ghesquiere, Kreativdirektor von Louis Vuitton und die Britin Phobe Philo, Chefdesignerin bei Céline.

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