Verhütungsmethode im Check

Sterilisation der Frau – Eingriff, Risiken, Kosten

Gebärmutter
Nach einer Sterilisation kann die Eizelle der Frau die Gebärmutter nicht mehr erreichen und somit nicht mehr von einer Samenzelle befruchtet werden
Foto: Getty Images

Wenn die Kinderwunschplanung abgeschlossen oder gar nicht erst vorhanden ist, dann kann neben Pille, Hormonspritze oder anderen Verhütungsmethoden auch eine Sterilisation der Frau infrage kommen. STYLEBOOK erklärt, wie und wann der Eingriff sinnvoll sein kann, welche Risiken er birgt und wie hoch die Kosten sind.

Von Sylvia Petersen

Die Sterilisation wird im Krankenhaus unter Vollnarkose durchgeführt und kann jederzeit stattfinden – unabhängig davon, ob Sie gerade Ihre Periode haben oder nicht. Für Frauenärztinnen und Ärzte ist das ein Routine-Eingriff. Dennoch birgt natürlich jede Operation und jede Vollnarkose Risiken wie innere Blutungen, Organverletzungen oder allergische Reaktionen. Der eigentliche Sterilisations-Eingriff dauert nur zehn bis 15 Minuten, wobei über drei Einstiche eine Kamera und zwei Operationswerkzeuge in den Bauchraum eingeführt werden. Das bedeutet, dass später drei kleine Narben auf dem Bauch zurückbleiben. Für die Sterilisation werden die beiden Eileiter durchtrennt. Um ein Zusammenwachsen sicher auszuschließen, wird dabei jeweils ein Stück des Eileiters herausgenommen. Früher war es üblich, die Eileiter nach dem Durchtrennen nur zu veröden – ein Vorgehen, das sich nicht bewährt hat. Sie sollten Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt vor dem Eingriff daher unbedingt fragen, ob auch ein Stück des Eileiters entfernt wird.

Wie riskant ist eine Sterilisation für die Frau?

Der Eingriff dauert zwar nur wenige Minuten, doch durch die Vorbereitung der Vollnarkose und die Phase des Aufwachens müssen Sie damit rechnen, mehrere Stunden im Krankenhaus zu verbringen. Ist der Kreislauf stabil, können Sie das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen. Nach der Sterilisation können Sie direkt wieder alles machen – auch Geschlechtsverkehr. Sollte es nach dem Eingriff im Bauchraum zu sehr zwicken oder Sie sehr schmerzempfindlich sein, bleiben Sie gegebenenfalls ein oder zwei Tage zu Hause. Sich übermäßig zu schonen, ist aber weder notwendig noch ratsam.

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Komplikationen sind äußerst selten bei einer Sterilisation. Sie müssen auch keine Schmierblutungen fürchten, denn durch den Eingriff wird die Gebärmutter nicht gestört. In äußerst seltenen Fällen kann es zu einer gestörten Eierstock-Funktion kommen, die den Hormonhaushalt durcheinanderbringt. Das Risiko liegt bei 1:200.000, und meist geht das auch wieder vorüber.

Trotz Sterilisation schwanger: Ist das möglich?

Eine Schwangerschaft trotz Sterilisation ist extrem unwahrscheinlich und im Grunde nur dann möglich, wenn der Eingriff fehlerhaft durchgeführt wurde. Früher, als man auf dem Gebiet der Chirurgie noch nicht so versiert war, ist so etwas tatsächlich immer mal wieder vorgekommen. Da wurde statt des Eileiters das sogenannte Mutterband durchtrennt, das sich in der Nähe des Eileiters befindet und ähnlich aussieht. Dass so etwas heute noch passiert, ist so gut wie ausgeschlossen.

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Die Kosten trägt fast immer die Frau

Eine Sterilisation muss man in der Regel selbst zahlen, der Eingriff kostet bis zu 1000 Euro. Liegt eine schwere Erkrankung vor und darf die Pille wegen eines erhöhten Risikos für Thrombosen oder Lungenembolien nicht genommen werden, können Sie versuchen, die Sterilisation von der Krankenkasse als Verhütungsmittel bezahlt zu bekommen. Die Kosten für eine Sterilisation werden allerdings dann übernommen, wenn der Eingriff im Zuge eines Kaiserschnitts mit durchgeführt wird.

Sterilisation: Eine Frage des Alters?

Eine Sterilisation ist generell ab dem 27. Lebensjahr möglich. Natürlich gibt es Ausnahmen, bei denen es schon früher möglich ist. Das sollte aber sehr gut begründet sein, wenn beispielsweise wegen einer schweren Erkrankung alle anderen Verhütungsmethoden nicht in Frage kommen und eine Schwangerschaft um jeden Preis verhindert werden muss. Die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt wird mit jedem, der jünger als 35 Jahre alt ist, ein ausführliches Gespräch führen und mitunter zusätzlich ein psychologisches Gutachten verlangen. Das dient zur Absicherung der Ärzte – für den Fall, dass die Frau die Sterilisation im Nachhinein bereut. Jede Frau sollte sich diesen Eingriff also reiflich überlegen.

Kann ich eine Sterilisation rückgängig machen?

Man kann auch nach einer Sterilisation schwanger werden. Die Frau ist nach dem Eingriff weiterhin fruchtbar –  sie kann jedoch nicht mehr auf natürlichem Wege schwanger werden, denn die Spermien können wegen des durchtrennten Eileiters nicht mehr zu den Eierstöcken gelangen. Es bleibt aber die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung. Die ist aber mit Kosten verbunden, die dann auch selbst getragen werden müssen. Das ist auch dann der Fall, wenn Sie die Sterilisation rückgängig machen wollen. Das nennt sich „Refertilisierung“, also „Wieder-Fruchtbarkeitsmachung.“ Bei dem Eingriff wird der Eileiter wieder zusammengefügt. Die Erfolgschancen liegen bei 50:50. Der Eileiter ist sehr anfällig für innere Vernarbungen. Daher ist es nicht leicht, den Eileiter wieder vollends zu rekonstruieren und durchlässig zu machen. Der Eingriff ist nicht gefährlich, aber wesentlich komplizierter als die Sterilisation und er dauert dementsprechend auch etwas länger. Die Kosten von 1.500 Euro muss man selbst tragen.

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Fazit: Wann ist eine Sterilisation sinnvoll?

Für Menschen mit abgeschlossener Familienplanung ist die Sterilisation die ideale Verhütungsmethode. Dass Verhütung oft nach wie vor Frauensache ist, zeigt sich daran, dass zehn Mal mehr Frauen als Männer eine Sterilisation vornehmen lassen. Dabei ist der Eingriff bei Männern, die sogenannte Vasektomie, deutlich einfacher und risikoärmer, denn es bedarf keiner Vollnarkose, sondern lediglich einer örtlichen Betäubung. Ähnlich wie bei der Frau wird beim Mann der Samenleiter durchtrennt und ein Stückchen herausgeschnitten. Die Kosten liegen niedriger als bei der Sterilisation für Frauen bei 300 bis 400 Euro.

STYLEBOOK wurde von Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin des Berliner Auguste-Viktoria-Klinikums für Gynäkologie und Geburtsmedizin, beraten.