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Besondere Umstände

Sex in der Schwangerschaft – was die Expertin sagt

Paar im Bett
Sex in der Schwangerschaft – ein Thema, das nicht selten mit Unsicherheiten verknüpft ist. STYLEBOOK sprach mit einer ExpertinFoto: Getty Images

Sex ist die natürlichste Sache der Welt. Und doch gibt es Situationen, die verunsichern. Wie wirkt sich beispielsweise Sex auf eine Schwangerschaft und das ungeborene Kind aus? STYLEBOOK hat darüber mit einer Gynäkologin gesprochen.

Paare, die Sex haben, sind bessere Eltern – ein Satz, der zunächst nach einer gewagten These klingt. „Es gibt aber tatsächlich Studien, die gezeigt haben, dass Paare, die keinen oder schlechten Sex haben, auch als Eltern nicht sehr gut performen“, sagt Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. „Das ist letztlich auch naheliegend: Wer sexuell befriedigt ist, hat meist auch eine zufriedenstellende Beziehung und kümmert sich gerne um die Familie.“ 

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Deswegen ist die Fachärztin auch davon überzeugt, dass Sex während der Schwangerschaft nicht nur dem Paar guttut, sondern am Ende auch das Kind davon profitiert. „Wenn Eltern in dieser Zeit sexuell aktiv sind, stärkt das ihre Bindung und ihre gemeinsame Sorge fürs Kind“, so Mangler. Gleichzeitig räumt sie mit einem hartnäckigen Mythos auf: „Auch wenn der Penis beim Sex dem Baby sehr nahe kommt – Kinder liegen im Bauch oft mit dem Kopf nach unten – kann ein Mann seinem Kind damit nicht schaden.“

Viel Sex in der Schwangerschaft = weniger Fehlgeburten

Nach Informationen des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. erleidet jede dritte Frau vor der zwölften Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt. Eine der Ursachen kann eine Abstoßungsreaktion sein. Dieses Fehlverhalten des Immunsystems hat bereits 2002 eine Forschergruppe der Universität von Adelaide in Australien näher untersucht, u.a. der Tagesspiegel berichtete darüber.

Dr. Mangler erklärt, was das genau bedeutet: „Ein Kind ist genetisch fremdes Material für die Frau. Der Körper versucht, den Fremdkörper loszuwerden.“ Die australischen Wissenschaftler kamen zu der Überzeugung, dass man durch viel Kontakt mit Sperma, also viel Sex, dieser Abstoßungsreaktion vorbeugen kann. Das funktioniere ähnlich wie eine Desensibilisierung, bei der Allergie-Patienten immer wieder den Stoff injiziert bekommen, bis sich der Körper daran gewöhnt und nicht mehr allergisch reagiert. Die Gynäkologin fasst zusammen: „Wenn man Sex hat, tauscht man automatisch genetisches Material aus. Wer viel Sex hat und hatte, hat den eigenen Körper daran gewöhnt. In der Folge bleiben Abstoßungsreaktionen aus, und damit auch Fehlgeburten und Frühgeburten.“

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Sex in der Schwangerschaft – der „Feel good“-Faktor

„Guter Sex sorgt für ein Wohlgefühl, denn beim Sex wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet“, erklärt die Gynäkologin. Das Hormon nennt man daher auch „Kuschelhormon“. Verspannungen können sich lösen, Stress wird abgebaut. „Schwangere Frauen haben zudem eine bessere Durchblutung im Beckenbodenbereich, das kann zusätzlich stimulieren“, so Dr. Mangler.

Wann Sex ein No-Go ist

Aus medizinischer Sicht spricht so gut wie nichts gegen Sex während der Schwangerschaft. Es gibt aber seltene Ausnahmen, wie beispielsweise eine Plazenta praevia. „Das bedeutet, dass der Mutterkuchen so nah am Muttermund sitzt, dass beim Sex der Mutterkuchen in Bewegung kommt und Blutungen auslösen kann“, erklärt die Fachärztin für Geburtsmedizin. Das wiederum könne zu Komplikationen führen und unter Umständen lebensbedrohlich werden. „Auch bei vorzeitigen Wehen sollte man auf Sex verzichten“, so Mangler. „Sex ist ja aber nicht nur Penetration. Es gibt ja viele andere Möglichkeiten…“

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