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IVF, Insemination, ICSI

Künstliche Befruchtung – die gängigen Methoden und was sie kosten

Künstliche Befruchtung
STYLEBOOK stellt die verschiedenen Methoden künstlicher Befruchtung vorFoto: Getty Images

Wenn Paare Schwierigkeiten haben, auf natürliche Weise schwanger zu werden, kann die Medizin in vielen Fällen nachhelfen. Dabei gibt es verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung. Wann welche sinnvoll ist, wie viel sie jeweils kosten und wie erfolgversprechend sie sind – STYLEBOOK klärt auf.

Wann ist künstliche Befruchtung sinnvoll?

Eine künstliche Befruchtung ist sinnvoll, wenn Paare in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben, in der keine natürliche Schwangerschaft entstehen kann. Gleiches gilt für heterosexuelle Beziehungen, in denen bei einem der Partner oder bei beiden eine Fruchtbarkeitsstörung vorliegt. Zuletzt sind es oft Single-Frauen, die sich für die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung interessieren.

Künstliche Befruchtung bietet Paaren bei unerfülltem Kinderwunsch eine Chance. Dabei sind die Erfolgsaussichten, abhängig von mehreren Faktoren, unterschiedlich groß. Gescheiterte Versuche können für eine Partnerschaft zur großen Belastungsprobe werden. Darüber werden Sie in einer Pflichtberatung zur künstlichen Befruchtung ausführlich informiert. Sie können darüber hinaus an verschiedenen Stellen (z. B. bei Psychologen, Beratungsstellen, Soforthilfestationen) psychosoziale Beratung erhalten, sollten Sie Ihr seelisches Leid weiter behandeln wollen. Zuletzt kann hier auch die Möglichkeit einer Adoption besprochen werden.

Krankenkassen übernehmen die Kosten – zumindest teilweise

Gibt es Hinweise auf eine Fruchtbarkeitsstörung, übernehmen gesetzliche und private Kranken­versicherer die Kosten der Untersuchungen komplett. Schließt sich eine Kinder­wunsch­behand­lung an, übernehmen die Krankenkassen rund die Hälfte der Kosten des vorher genehmigten Behand­lungs­plans. Dafür müssen jedoch folgende Voraus­setzungen erfüllt sein:

  • Das Paar ist hetero­sexuell und verheiratet,
  • die Frau ist älter als 25 Jahre und jünger als 40 Jahre,
  • der Mann ist älter als 25 Jahre und jünger als 50 Jahre,
  • die Unfruchtbarkeit des Paares wurde ärztlich festgestellt und
  • die Behandlung mit Samen und Eizelle des Paares hat Aufsicht auf Erfolg.

Verheiratete Paare werden langfristig unterstützt

Gesetzlich versicherte, hetero­sexuelle Eltern haben nach der Geburt eines Kindes erneut Anspruch auf Zuschüsse zur Kinder­wunsch­behand­lung. Das erklärt die „Stiftung Warentest“ in einem Test-Report. Dies gelte auch dann, wenn es zu einer Fehl­geburt gekommen ist. Trat bei einem Paar bei den ersten beiden IVF- oder ICSI-Versuchen keine Befruchtung ein, gibt es keinen Zuschuss mehr beim dritten Versuch.

Auch interessant: Singles können künstliche Befruchtung steuerlich absetzen

Vergleichen Sie die Tarife

„Viele Kassen zahlen mehr als sie müssen“, räumt die Verbraucherorganisation ein. Auch darüber hinaus würden Paare in einigen Bundes­ländern zusätzliche finanzielle Unterstüt­zung durch Bund und Länder erhalten. „Die Beteiligung kann unter Umständen noch mal bis zu 50 Prozent der genehmigten Behand­lungs­kosten ausmachen“, heißt es da.

Aber: In neueren Tarifen gibt es in vielen Fällen nur noch einen Zuschuss oder gar keine Erstattung. Ein Wechsel der Krankenkasse kann sich lohnen und sogar zwischen zwei Versuchen stattfinden. Der Krankenkassenvergleich der „Stiftung Warentest“ zeigt alle Extra­leistungen der verschiedenen Krankenkassen auf.

Welche Methoden der künstlichen Befruchtung es gibt, erfahren Sie hier.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

„In Vitro“ bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt „im Glas“. Die sogenannte In-Vitro-Fertilisation (IVF) beschreibt demnach eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas. Zu diesem Zweck müssen der Frau Eizellen entnommen werden – eine Methode, der eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke vorangeht. Die Patientinnen verabreichen sich die Hormone per Bauchspritze selbst. Sind die Eizellen ausreichend herangereift, wird ein fester Termin für einen künstlich herbeigeführten Eisprung sowie die Entnahme der Eizellen (Follikelpunktion) vereinbart. Genaueres dazu lesen Sie hier: Eizellen einfrieren / Social Freezing.

Die Eizellen werden in einem Gefäß zusammen mit einer speziellen Nährlösung mit dem Sperma des Partners (oder eines Spenders) zusammengebracht. Nach einer Nacht im Brustkasten lässt sich feststellen, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Falls ja, ist der nächste Schritt, (maximal drei) befruchtete Eizellen zurück in die Gebärmutterhöhle einzusetzen.

Chancen: Die Chancen darauf, dass das Einnisten erfolgreich und die Schwangerschaft bis zur Geburt komplikationsfrei verläuft, hängen unter anderem vom Alter und den körperlichen Voraussetzungen der Frau ab. Die Erfolgsrate einer IVF liegt durchschnittlich bei rund 30 Prozent.

Kosten: Die Kosten richten sich immer nach der Anzahl der Behandlungszyklen sowie dem Bedarf an Medikamenten (z. B. für die Hormonbehandlung). Durchschnittlich beträgt der Eigen­anteil pro Behandlungszyklus rund 1500 Euro. Für Privatversicherte und Selbst­zahler gibt es wieder andere Preise.

Insemination

Die Insemination empfiehlt sich nicht zuletzt dann, wenn der Partner zwar zeugungsfähig, das Bewegungsvermögen seiner Spermien aber mangelhaft oder die Anzahl eher gering ist. Wenn auch bei der Frau Fruchtbarkeitsstörungen vorliegen, kann – begleitend zur Insemination – auch die Funktion der Eierstöcke hormonell unterstützt werden. Ist der Partner gänzlich infertil, wäre eine „donogene Insemination“ eine Option, also die Verwendung von Spendersamen. Diese Methode wird häufig von lesbischen Paaren gewählt, aber auch dann, wenn z. B. seitens des Mannes Erbkrankheiten bestehen.

Bei der Insemination wird der männliche Samen in die Gebärmutter der Frau eingebracht. Geschieht dies mit ärztlicher Unterstützung, wird der Samen zunächst speziell aufbereitet, um eine hohe Anzahl an Spermien zu generieren. Die Übertragung erfolgt per Spritze oder über einen Katheter direkt in den Uterus. Dadurch wird der Weg, den der Samen zur Eizelle zurücklegen muss, abgekürzt.

Selbstinsemination

Die Samenübertragung kann theoretisch auch zu Hause von Laien vorgenommen werden, und zwar idealerweise rund 36 Stunden vor dem Eisprungs der Frau. Hier empfiehlt sich die Überwachung des Zyklus per z. B. Eisprungrechner. Dabei handelt es sich allerdings um eine weniger erfolgversprechende Variante. Der Grund: Der männliche Samen wird lediglich im Scheideneingang platziert. Frauen erhöhen die Chancen einer Befruchtung, wenn sie das Becken hochlegen, sodass der Samen zur Gebärmutter ablaufen kann.

Chancen: Die Erfolgsrate von Inseminationen liegt bei 15 bis 40 Prozent. Die Chancen hängen von verschiedenen Faktoren ab und steigen mit der Anzahl der Durchgänge.

Kosten: Preise für eine ärztlich vorgenommene Insemination beginnen bei etwa 200 Euro an – etwaige begleitende Hormonbehandlungen nicht mitgerechnet.

ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)

Die ICSI (intracytoplasmatische Spermieninjektion) ist quasi eine Mischung aus beiden vorgestellten Methoden der künstlichen Befruchtung.

Wie die IVF auch, erfolgt die ICSI im Reagenzglas. Auch hier werden im Anschluss an eine Hormonbehandlung Eizellen zwecks externer Befruchtung entnommen. In diesem Fall werden allerdings die Spermien aus dem Ejakulat extrahiert. Im nächsten Schritt werden jeweils einzelne Spermien per Mikroinjektion in ausgewählte Eizellen eingebracht. Die so befruchteten Eizellen werden in die Gebärmutter eingepflanzt, in der Hoffnung, eine intakte Schwangerschaft auf den Weg zu bringen.

Chancen: Die Erfolgsraten liegen im Schnitt bei 35 bis 40 Prozent. Die Chancen stehen besser, wenn drei befruchtete Eizellen (statt nur einer oder zwei) eingesetzt werden.

Kosten: Der Eigenanteil bei einer ICSI liegt durchschnittlich bei rund 1800 Euro.

Quellen

Großes DIR-Jahrbuch 2020/ Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology, Deutsches IVF-Register
Die künst­liche Befruchtung optimal finanzieren, Stiftung Warentest
– mit Material von dpa

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