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Experten-Interview

Beckenboden richtig stärken – vor und nach der Schwangerschaft

Schwangere Frau, die ihren Beckenboden trainiert
Besonders in der Schwangerschaft ist Beckenbodentraining wichtigFoto: iStock/Andrii Lysenko

Ein starker Beckenboden schützt vor Blasenschwäche und kann für eine leichtere Geburt sorgen. Doch was genau versteht man eigentlich unter dem Beckenboden? Und wie trainiere ich ihn richtig? STYLEBOOK sprach mit einer Expertin.

Lage und Funktion des Beckenbodens

Der Beckenboden ist kein Knochen oder ein einzelner Muskel – er besteht vielmehr aus einem Muskelgeflecht, das den Bauchraum vom Brustkorb trennt. Der Beckenboden sorgt dafür, dass Organe nicht aus dem Becken herausfallen. Er ist zugleich sehr dehnbar und kann so auch große Babys durchlassen. 

Der Finger-Test: Wie stark ist mein Beckenboden?

„Man kann die Stärke seines Beckenbodens messen, indem man einen Finger in die Vagina legt und den Beckenboden zusammenpresst“, erklärt Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum. „Wenn man das Gefühl hat, dass man seinen Finger gut festhalten kann, ist der Beckenboden trainiert. Spüre ich jedoch keinen Widerstand und kann den Finger locker aus der Vagina wieder herausziehen, ist der Beckenboden eher schwach.“

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Ein schwacher Beckenboden schwächt die Blase

Die Gynäkologin warnt davor, den Beckenboden falsch zu belasten: „Sit-ups oder Trampolinspringen, ohne gleichzeitig den Beckenboden anzuspannen, schwächen den Beckenboden. Auch Jogging ist ungünstig, wenn der Beckenboden nicht trainiert ist.“

Ein schwacher Beckenboden kann zu Blasenschwäche führen. Er hat aber auch Auswirkungen auf den Verlauf einer Schwangerschaft und Entbindung. „Je größer und schwerer das Baby ist, desto größer ist auch die Belastung für den Beckenboden“, sagt Mangler. „Ist der Beckenboden gut trainiert, hält er diesem Druck stand und hilft dabei, dass die Geburt gut verläuft.“ Bei etwa zehn bis 20 Prozent der Frauen reißt der Beckenboden jedoch während der Geburt, berichtet die Pharmazeutische Zeitung. Kleine, übergewichtige Frauen und Frauen mit besonders schweren und großen Babys seien Risikopatientinnen. Die Folge können Inkontinenz und abgesenkte Organe sein.

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Den Beckenboden stärken

„Leider gibt es keine Vorsorgeuntersuchung für den Beckenboden“, so Dr. med. Mandy Mangler. „Wer sich um seinen Beckenboden kümmern möchte, muss das selbst in die Hand nehmen. Am besten fängt man so früh wie möglich damit an, denn im Alter nimmt die Stärke des Beckenbodens durch den Muskelabbau automatisch ab.“ Die Gynäkologin rät, fünf Mal die Woche spezielle Übungen für den Beckenboden zu machen. „Es reichen fünf Minuten aus, aber die Übungen müssen gut und gezielt sein“, sagt die Expertin. Empfehlenswert seien auch Beckenbodentrainer. Das sind meist tamponähnliche Geräte, die man in die Vagina eingeführt. Sie sollen die Muskelpartie gezielt stimulieren. 

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