Ganz ohne tierische Zusätze?

Das steckt wirklich hinter veganer Kosmetik

„Nur Blümchen drin“ stimmt nicht: Naturkosmetik ist nicht automatisch vegan, also ohne tierische Stoffe. Die Hersteller setzen jedoch bewusst auf diesen Trend – und zeichnen ohnehin vegane Produkte vermehrt auch als solche aus.


Vegan ist IN. Nicht nur beim Essen gilt der Verzicht auf tierische Inhaltsstoffe zunehmend als schick, auch die Hersteller von Naturkosmetik sehen es als Trend, den es zu nutzen gilt. „Das Angebot an solchen Produkten steigt“, sagt auch Harald Dittmar, Geschäftsführer des Branchenverbandes BDIH, der eines der wichtigsten Zertifikate für Naturkosmetik in Deutschland vergibt. Der Grund: „Es gibt eine Gemeinde, die das möchte, weil es eben auch konsequent ist.“ Diese Verbraucher kaufen vegane Lebensmittel, vegane Kleidung und Schuhe – und eben auch Kosmetik.

Naturkosmetik besteht nur aus pflanzlichen Inhaltsstoffen? Von wegen! Das sollten wir bei veganen Produkten beachten!

Naturkosmetik besteht nur aus pflanzlichen Inhaltsstoffen? Von wegen! Das sollten wir bei veganen Produkten beachten! Naturkosmetik. Foto: Getty Images

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Industrie nutzt Vegan-Trend

Immer mehr Shampoos, Cremes, Reinigungslotionen und Schminkprodukte werden inzwischen deutlich sichtbar als vegan gekennzeichnet. Auch in der Werbung werde das Thema stärker herausgestellt, sagt Dittmar.

Naturkosmetik ist nicht immer vegan

Auch in Naturkosmetik sind tierische Produkte wie etwa Bienenwachs, Milch und Honig erlaubt. Dennoch ist es für Hersteller von Naturkosmetik relativ leicht, sich vegan zu geben – denn ein Großteil der Produkte ist es ohnehin. „Zwischen 60 und 80 Prozent der Naturkosmetik ist sowieso vegan“, sagt die Branchenexpertin und Unternehmensberaterin Elfriede Dambacher. „Es ist aber immer noch ein Entwicklungsmarkt“, meint BDIH-Geschäftsführer Dittmar. „Nicht alle Anbieter setzen darauf.“

Und das zum Teil aus gutem Grund: Einige tierische Rohstoffe hätten so gute Eigenschaften, dass man sie nicht ohne weiteres ersetzen könne, sagt Börlind-Sprecherin Imken. Beispielsweise Bienenwachs im Lippenstift sorge für eine gute Konsistenz und habe sehr pflegende Eigenschaften.

Sind vegane Produkte tierversuchsfrei?

Neben Bienenwachs, Honig und Milchproteinen wird auch der rote Farbstoff Karmin für Naturkosmetik verwendet – vor allem in Lippenstiften. Er wird aus Schildläusen gewonnen. Wer ein ganz reines Gewissen haben will, muss übrigens noch genauer hinschauen. Die Tierschutzorganisation Peta betont: „Vegan ist nicht automatisch gleichzusetzen mit tierversuchsfrei.“

Zahlen zu veganer Naturkosmetik gibt es derweil praktisch nicht. Der Markt ist zu klein. „Vegane Produkte gehen jetzt auch nicht durch die Decke“, sagt Börlind-Sprecherin Imken. Auch Dambacher erläutert: Marken, die ausschließlich vegane Produkte anbieten, seien bisher noch eher klein und nicht so gut verfügbar. Nun habe jedoch eine große Drogeriekette zwei rein vegane Linien ins Sortiment aufgenommen. Wie sich diese dadurch entwickeln, bleibe abzuwarten.

Insgesamt bringen Naturkosmetika und natürliche Pflegeprodukte in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro Umsatz. 2015 kaufte nach Angaben der Konsumforscher der GfK mehr als jeder fünfte Erwachsene Naturprodukte für Körper- und Gesichtspflege, deren Standards aber nicht einheitlich sind. Die einstige Öko-Nische kommt inzwischen auf etwa ein Zehntel der kompletten Kosmetikerlöse.

Was ist Naturkosmetik?

Der Begriff Naturkosmetik ist rechtlich nicht geschützt und es gibt keinen gesetzlichen Standard wie etwa beim Bio-Siegel der EU. Die Kosmetika unterliegen Vorgaben zum Inhalt und zur Herstellung, die sich die Branche selbst auferlegt hat. Der deutsche Branchenverband BDIH vergibt etwa ein Siegel für „Kontrollierte Natur-Kosmetik“. Das BDIH- und das „NaTrue“-Siegel erfüllen nach Einschätzung des Rates für nachhaltige Entwicklung im Gegensatz zu vielen anderen Kennzeichen „ein Mindestmaß an Transparenz und Glaubwürdigkeit“.

Natur-Kosmetik nach BDIH-Standard darf keine synthetischen Farb- oder Duftstoffe enthalten, keine Silikone, Paraffine oder andere Erdölprodukte. Die Rohstoffe dürfen zudem nicht von toten Wirbeltieren kommen. Nerzöle oder Murmeltierfette sind also beispielsweise verboten. Tierische Produkte wie Milch und Honig sind aber meist erlaubt – vegan ist Naturkosmetik also nicht immer.

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