Kosmetik aus der Küche

Wie gut ist Olivenöl für die Gesichtsreinigung?

Frau mit Olivenöl auf Wattepad
Olivenöl als natürliche Alternative zu herkömmlichen Reinigungsprodukten? STYLEBOOK hat beim Experten nachgefragt
Foto: Getty Images

Olivenöl wird längst nicht mehr nur in der Küche zum Salatdressing verwendet, es kommt auch als pflegende Kur für trockene Haare, zum Ölziehen für eine gesunde Mundflora oder als Reinigungsfluid für strahlend schöne Haut zum Einsatz. STYLEBOOK hat beim Experten nachgefragt, wie gesund die alternative Hautpflege ist und für wen sich Olivenöl im Kosmetikregal wirklich eignet.

Tatsächlich bieten in Hollywood immer mehr Facialists kosmetische Behandlungen mit Olivenöl an – sie sind davon überzeugt, dass das Öl herkömmliche Produkte zur Reinigung in den Schatten stellt. Das Gesicht mit Speiseöl zu waschen, sorgt ihrer Meinung nach für intensive, porentiefe Reinigung und dauerhaft mitesserfreie Haut.

Gesicht waschen mit Speiseöl – so soll’s funktionieren:

Katie Becker, Redakteurin beim US-Lifestyle-Portal „Coveteur“, vertraute den Experten und wagte den Selbstversuch. Dazu gehörten eine münzengroße Menge Speiseöl – üblich seien Oliven-, Trauben- oder Mandelöl –, die mit trockenen Fingern in die Haut einmassiert wird, außerdem ein Mikrofasertuch. Das wird in lauwarmes Wasser getunkt, gründlich ausgewrungen und dann zum Abreiben des Gesichts verwendet. Um auch die letzten Make-up-Reste zu beseitigen, müsse der Vorgang wiederholt werden, manchmal bis zu 40 Mal (!) – je nach Make-up-Menge. Aus Hygienegründen nutze sie jeweils ein frisches Mikrofasertuch.

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Wer die Routine selbst ausprobieren möchte, kann das auch mit weniger Tüchern. Dafür das Olivenöl auf dem gesamten Gesicht, Hals und Dekolleté verteilen und einreiben. Nehmen Sie sich für eine kleine Massage jeden Abend ein paar Minuten Zeit, damit das Öl Zeit hat, die Poren zu öffnen und Make-up gründlich zu entfernen. Konzentrieren Sie sich beim Massieren besonders auf die T-Zone, so wird die Durchblutung angeregt. Anschließend ein Mikrofasertuch mit warmem Wasser anfeuchten und damit das Öl sanft von dem Gesicht wischen. Den Vorgang so oft wiederholen, bis auf dem Tuch keine Make-up-Reste mehr vorhanden sind.

Angeblich extrem wirksam gegen Unreinheiten und Mitesser

Der Vorteil dieser Methode soll sein, garantiert ganz ohne zweifelhafte Inhaltsstoffe auszukommen. Zudem würden durch die Verwendung des Mikrofasertuchs abgestorbene Hautzellen sanft entfernt werden, trockene Haut gehöre damit der Vergangenheit an. Testerin Becker war schnell überzeugt: Zu Beginn habe sie sich noch über verstopfte Poren und Pickel geärgert, „aber angekommen in Woche 2 fühlte sich meine Haut viel zarter an”, wird sie zitiert. „Außerdem hatte ich viel weniger und kleinere Mitesser.“

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Sollen wir uns jetzt das Gesicht ausschließlich mit Olivenöl waschen? Günstiger wäre es jedenfalls nicht, wenn man die Prozedur tatsächlich so häufig wiederholen muss, hochwertiges Olivenöl hat schließlich durchaus seinen Preis, herkömmliche Produkte zur Reinigung wären auf Dauer wesentlich günstiger.

„Das Geheimnis ist NICHT das Olivenöl!“

Naturprodukte sind auch immer allergen“, stellt Dr. Golüke, Dermatologe aus München, gleich zu Beginn fest. Das bedeutet, dass Speiseöle – trotz ihrer natürlichen Inhaltsstoffe – viel häufiger als dermatologisch getestete Handelsprodukte bei Menschen mit empfindlicher Haut zu ungewollten Hautreaktionen führen können. Bei allen anderen spreche grundsätzlich nichts dagegen, Olivenöl und Co. können trockene Haut mit ausreichend Feuchtigkeit versorgen und sind zudem eine rein natürliche Hautpflege. Golüke bestreitet auch nicht den Effekt, den die Experten aus Hollywood so loben – allerdings liege der wohl nicht am Olivenöl, sondern vielmehr am Mikrofasertuch.

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Tatsächlich dringen Öle tief in die Poren ein, erklärt der Experte. Dadurch würden diese aufgeweicht – ein Effekt, den man auch von der klassischen Ausreinigung mit Dampf bei der Kosmetikerin kennt. „Wenn man nun ein Hilfsmittel wie ein Mikrofasertuch nutzt, bleiben tiefer sitzende Unreinheiten, wie Talgrückstände, quasi daran hängen und werden mit herausgezogen.“ Diese Art der Reinigung funktioniere also tatsächlich. Allerdings eben nicht nur mit Olivenöl oder anderen Ölen, auch ganz normale Produkte aus der Drogerie ließen den gleichen Effekt zu.

Sollte man Olivenöl zur täglichen Reinigung nutzen?

Hat man gesunde, allergiefreie Haut und abends viel Zeit für seine Beauty-Routine, spricht eigentlich nichts gegen die Speiseölmethode inklusive Mikrofasertuch. Laut Dr. Golüke könne man sich, wenn das Waschgel des Vertrauens ausgegangen ist, bedenkenlos mit Oliven-, Mandel- oder auch Kokosöl das Gesicht reinigen. Günstiger oder sogar effektiver sei diese Art der Hautpflege im Vergleich zu herkömmlicher Pflege allerdings nicht.