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Ein Selbsttest

Ist der Hyaluron-Pen für vollere Lippen besser als die Spritze?

Wer sich vollere Lippen wünscht, kann nachhelfen – unzählige Stars und Sternchen präsentieren regelmäßig das Ergebnis ihrer Hyaluronsäure-Unterspritzung auf roten Teppichen und in sozialen Medien. Neuerdings gibt es aber auch ein alternatives Treatment, das ganz ohne Spritze auskommt: die Lippenvergrößerung mithilfe eines Hyaluron-Pens. Wie die Methode funktioniert und ob sie tatsächlich weniger schmerzhaft ist – unsere Redakteurin Laura hat den Test gemacht.

Gerätschaften mit Effekt: Der Hyaluron-Pen verspricht vollere Lippen ganz ohne Schmerzen. Ob das funktionieren kann?Foto: STYLEBOOK

Was machen schöne Lippen aus? Für mich persönlich ist das ihre gleichmäßige Form, daneben sollten Ober- und Unterlippe in einem ausgewogenen Größenverhältnis zueinander stehen. Am wichtigsten ist mir aber, dass sie voll sind – ein sinnlicher Schmollmund à la Angelina Jolie oder Scarlett Johansson eben. Grundsätzlich war ich immer mit Form und Größe meiner Lippen zufrieden, etwas voller hätten sie aber durchaus sein können. Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich deshalb zum ersten Mal einer Lippenunterspritzung mit Hyaluronsäure unterzogen.

Lippenunterspritzung mit Hyaluron – wie schmerzhaft ist der Eingriff?

Hyaluronsäure kommt natürlich im Körper vor und ist Bestandteil des Bindegewebes. Bei einer Unterspritzung wird die Säure (in Deutschland) ausschließlich von approbierten Ärzten in die Lippen gespritzt, um das Volumen zu vergrößern, die Form zu modellieren und Asymmetrien auszugleichen.

Informationen zum Eingriff mit der Spritze:

  • erfolgt ambulant
  • dauert 15 bis 30 Minuten
  • hält sechs bis acht Monate
  • Preis: ab etwa 100 Euro (abhängig von der Qualität des Produkts und der Menge)

Mögliche Nebenwirkungen, Risiken, Komplikationen:

  • während des Eingriffs: Kreislaufbeschwerden wie Schwindel, Schwitzen oder Übelkeit
  • nach dem Eingriff: kleine Beulen und Knubbel an der Lippe, blaue Flecken, Schwellungen, Schmerzen, Juckreiz, Spannungsgefühl, Rötungen, Entzündungen, Infektionen

Ich habe weder Angst vor Spritzen, noch bin ich besonders schmerzempfindlich. Wer aber schon mal ein Pickelchen in der Lippenregion ausgedrückt hat, der weiß, wie schnell einem die Tränen vor Schmerzen in die Augen schießen können. Ähnlich erging es mir auch auf der Arztliege, als mir an immer wieder verschiedenen Stellen die Spritze in die Lippen gepiekst wurde – ganz ohne Betäubung.

Lippen nach einer Unterspritzung mit Hyaluron
Nach der Unterspritzung hat sich in der Oberlippe ein blauer Fleck gebildet (im Bild links zu sehen)Foto: STYLEBOOK.de

Schon kurz nach der für mich schmerzhaften Behandlung waren meine Lippen zusätzlich zu der initiierten Säure auf mindestens das Doppelte angeschwollen und spannten, am Abend bildete sich zudem ein blauer Fleck auf der Oberlippe. Die Schwellung hielt noch einen weiteren Tag an, der blaue Fleck machte mir vier weitere Tage zu schaffen.

Als der Schmerz abgeklungen und alles verheilt war, war ich mit dem Ergebnis zwar zufrieden, die Schwellung und Verfärbung hatten das Erlebnis aber durchaus getrübt: Ohne Lippen- und Abdeckstift hatte ich mich nicht vor die Tür getraut, meinen Mund hätte ich aus Scham am liebsten gänzlich verborgen – und das war ja eigentlich nicht Sinn der Sache gewesen.

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Die angeblich schonendere Methode mit einem Hyaluron-Pen

Mittlerweile gibt es eine Methode, die deutlich schonender sein soll. Dabei wird die Säure mit einem Hyaluron-Pen – ein Gerät, das optisch einem großen Stift ähnelt – ganz ohne Nadel in die Lippe gepumpt. Das funktioniert mit einem integrierten Multischuss-System, das die Säure mit 800 km/h per Druck unter die Haut bringt. Die angeblichen Vorteile gegenüber einer Unterspritzung: Der Eingriff ist nahezu schmerzfrei, durch eine gleichmäßige Unterpolsterung entstehen keine Knubbel in der Lippe und man ist sofort danach gesellschaftsfähig, da Hämatome und Schwellungen kaum beziehungsweise weniger häufig auftreten. Letztere Punkte sind aber abhängig von Gewebe und Empfindlichkeit des/der jeweiligen PatientIn.

Informationen zum Eingriff mit dem Pen:

  • erfolgt ambulant
  • dauert zehn bis 20 Minuten pro Areal
  • hält vier bis sechs Monate
  • Preis: ab etwa 100 Euro (abhängig von der Qualität des Produkts und der Menge)

Mögliche Nebenwirkungen, Risiken und Komplikationen entsprechen denen einer Lippenunterspritzung.

Bei der Vorstellung, dass mir etwas mit 800 km/h in die Lippe gepumpt wird, fiel es mir schwer zu glauben, dass die Prozedur weniger schmerzhaft als eine Unterspritzung sein soll und dass sowohl Hämatome als auch Schwellungen nicht beziehungsweise kaum auftreten sollen. Daher blieb mir nur eins: ein Selbsttest. In einem Kosmetikstudio meines Vertrauens vereinbarte ich einen Termin, um den Hyaluron-Pen auszuprobieren.

Wie läuft die Hyaluron-Pen-Behandlung ab?

Nachdem ich über das Gerät, die Wirkung von Hyaluronsäure, den Ablauf und die Risiken aufgeklärt worden war, konnte die Behandlung losgehen. Ich entschied mich für die geringste Menge Hyaluronsäure – 0,5 Milliliter, verteilt auf Ober- und Unterlippe. Kostenpunkt: 99 Euro – deutlich günstiger als die Unterspritzung, für die ich damals 180 Euro gezahlt hatte. Der Eingriff erfolgt in fünf Schritten:

1. Zuerst werden die Lippen gründlich gereinigt.

Die Behandlung mit einem Hyaluron-Pen im Test
Bevor der Hyaluron-Pen zum Einsatz kommt, werden die Lippen gereinigtFoto: STYLEBOOK.de

2. Mit einem Stift werden anschließend Punkte an den Lippen markiert, an denen der Pen später angesetzt wird.

Lippen mit einem Hyaluron-Pen vergrößern
Für eine präzise Arbeit mit dem Hyaluron-Pen werden Markierungen an den Lippen gesetztFoto: STYLEBOOK.de

3. Sobald die Ampulle mit Hyaluronsäure im Pen montiert ist, kann der Stift zum Einsatz kommen. Nach dem Aufziehen schießt die Säure per Knopfdruck in jene Stelle, an der der Pen angesetzt ist.

Die Lippen ohne Spritze vergrößern
Der Pen wird für ein ausgewogenes Ergebnis an verschiedenen Stellen angesetztFoto: STYLEBOOK.de

4. Sind Ober- und Unterlippe fertig behandelt, folgt eine ausgiebige Massage. Dadurch wird die Säure gleichmäßig in den Lippen verteilt.

Mit einem Hyaluron-Pen die Lippen vergrößern
Eine Massage rundet die Behandlung mit dem Hyaluron-Pen abFoto: STYLEBOOK.de

5. Abschließend wird zum Schutz der beanspruchten Lippen eine versiegelnde Lotion aufgetragen.

Lippen ohne Spritze vergrößern
Eine Lotion schützt die Lippen nach der Hyaluron-BehandlungFoto: STYLEBOOK.de

Ist der Hyaluron-Pen wirklich weniger schmerzhaft?

Auf der Liege überkam mich kurz die Angst vor dem ersten Pumpstoß: Mit 800 km/h in die Lippen – das muss doch wehtun! Allerdings stellte sich schnell heraus, dass  meine Angst tatsächlich unbegründet war. Ich spürte lediglich einen leichten Druck, jeder „Schuss“ erfolgte schnell und präzise. Kein Vergleich zum schmerzvollen Eingriff mit der Spritzennadel!

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Etwas unangenehmer wurde es, als der Hyaluron-Pen abermals an bereits behandelten Stellen angesetzt wurde. Trotzdem: Insgesamt würde ich die Behandlung als weniger schmerzhaft als die Unterspritzung einstufen. Nicht ganz schmerzfrei war allerdings die anschließende Massage – um die kommt man aber auch beim Eingriff mit der Spritze nicht herum, denn durch das Massieren wird vor allem in der Oberlippe die Hyaluronsäure in das Zentrum gearbeitet, damit am Ende kein unansehnlicher Schnabel, sondern der gewünschte Schmollmund entsteht. Außerdem soll verhindert werden, dass sich kleine Knoten in der Lippe bilden.

Das Ergebnis kurz nach dem Hyaluron-Pen-Eingriff

Vorher-Nachher-Bilder von Lippenvergrößerung
Der Unterschied des Lippenvolumens ist nach der Hyaluron-Pen-Behandlung deutlich sichtbarFoto: STYLEBOOK.de

Kurz nach dem Eingriff war bereits ein deutlicher Unterschied zu erkennen, meine Lippen waren deutlich voller und gleichmäßiger – für meinen Geschmack fast schon ein bisschen zu voll. Allerdings darf man sich von diesem ersten Eindruck nicht täuschen lassen, erst am Tag nach der Behandlung, wenn die Schwellung für gewöhnlich zurückgegangen ist, kann man sich ein besseres Bild von seinen neuen Lippen verschaffen. Auf das tatsächliche Endergebnis muss man sogar zwei Wochen warten, denn erst dann hat sich die Hyaluronsäure in den Lippen gesetzt.

Um dem Prozess auf die Sprünge zu helfen und für ein perfektes Ergebnis zu sorgen, sollte ich am Behandlungstag noch alle drei bis vier Stunden zu Hause meine Lippen massieren. Am Folgetag reichten Massagen am Morgen, am Mittag und am Abend. Für ein langanhaltendes Ergebnis sollte ich die folgenden sieben Tage außerdem auf intensiven Sport, Saunagänge, Sonnenbäder und Chlorwasser verzichten.

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Knubbel und Hämatome nach der Hyaluron-Pen-Behandlung

Wenige Stunden nach dem Eingriff begannen meine Lippen immer mehr zu spannen, Bewegungen fühlten sich unangenehm an. Als es Zeit für eine erneute Massage war – vor der es mir bereits graute – warf ich einen Blick in den Spiegel und traute meinen Augen kaum: Nicht nur, dass meine Oberlippe eine in meinen Augen monströse Größe angenommen hatte, außerdem prangte ein riesiger blauer Fleck in der Mitte, um den herum sich zahlreiche, kleine Knubbel gebildet hatten. Das sollte also schonender sein? Ich sah bei Weitem schlimmer aus als nach der Unterspritzung!

Hämatome nach einer Lippenvergrößerung mit Hyaluron
Trotz „schonenderem“ Hyaluron-Pen bildeten sich nach der Behandlung HämatomeFoto: STYLEBOOK.de

Je weiter der Tag voranschritt, desto schlimmer fühlten sich meine Lippen an, Kühlen und Massieren halfen nicht. Mir blieb nur, abzuwarten und darauf zu hoffen, dass die Schwellung zurückgehen und meine Lippe wieder eine einigermaßen normale Größe annehmen würde – und dass der blaue Fleck nach und nach verschwinden würde.

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Vergrößerte Lippe ohne Spritze
Starke Schwellungen sollen nach einem Eingriff mit dem Hyaluron-Pen eigentlich selten auftretenFoto: STYLEBOOK.de

Monster-Lippe statt schönem Schmollmund

Die Hoffnung darauf, dass sich über Nacht alles regenerieren und ich am Folgetag schon viel besser aussehen würde, platzte beim morgendlichen Blick in den Spiegel: Die Schwellung war tatsächlich etwas zurückgegangen, mittlerweile hatte ich aber auch auf der Unterlippe blaue Flecken, das Hämatom in der Oberlippe war abermals gewachsen und daneben prangten Knubbel wie kleine Blasen. Wie damals nach dem Unterspritzen ging ohne Lippen- und Abdeckstift gar nichts mehr. Und noch nicht einmal die konnten die Verfärbungen verstecken.

Hämatome nach Hyaluron-Behandlung
Die Hämatome nach der Behandlung mit einem Hyaluron-Pen hielten fast eine Woche anFoto: STYLEBOOK.de

Während die Schwellung im Laufe des Tages zurückging, wanderten die Hämatome munter von der Lippe unter die Nase. Ich sah aus, als wäre ich in eine üble Schlägerei geraten. Einen Tag später wiederum, als hätte ich mir einen Damenbart stehen lassen. Aus meinem Wunsch nach einem sinnlichen Schmollmund wurde eine Odyssee voller Schmerz, Scham und Reue.

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Hyaluron-Pen – das Endergebnis!

Eine Woche dauerte es, bis die blauen Flecken verblasst waren und ich mich ohne Make-up auf und um die Lippen herum wieder unter Menschen wagte. Die Knubbel verschwanden hingegen erst eine weitere Woche später. Es dauerte also tatsächlich zwei Wochen, bis ich das Endergebnis zu sehen bekam – und ich mich langsam aber sicher wiedererkannte. Und ich kann sagen: Was ich sah, gefiel mir und gefällt mir bis heute. Meine Lippen sehen trotz Eingriff sowohl von vorne als auch von der Seite sehr natürlich aus und wirken dabei dennoch voller als vorher.

Das Ergebnis zwei Wochen nach dem Hyaluron-Eingriff: vollere Lippen
Das Ergebnis zwei Wochen nach dem Hyaluron-Eingriff: vollere LippenFoto: STYLEBOOK.de

Behandlung mit dem Hyaluron-Pen – mein Fazit

Hyaluronsäure löst sich bekanntermaßen mit der Zeit auf. Für dauerhaft volle Lippen müsste ich mich also regelmäßig – etwa alle vier bis sechs Monate – wieder behandeln lassen. Würde ich dafür noch mal den Hyaluron-Pen wählen? Nein, denn die vermeintlichen Vorteile, die der Stift mit sich bringen sollte, blieben aus. Ich hatte zwar weniger, bzw. keine Schmerzen bei der Behandlung an sich, dafür aber umso größere Beschwerden danach, weswegen ich das Treatment auch nicht weiterempfehlen würde.

Allerdings sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass das Gewebe individuell unterschiedlich reagieren kann: Während meines offenbar weder mit Spritzen noch mit Druckstiften sonderlich gut zurechtkommt, kann es durchaus sein, dass andere völlig beschwerdefrei bleiben. Bleibt die Frage, ob man dieses Risiko wirklich eingehen möchte, nur um für ein paar Monate in den Genuss eines Schmollmunds zu kommen.