Wundermethode oder Gefährlich?

Bauchfett können Sie sich jetzt wegfrieren lassen

Frau mit Baucfett
Fettzellen sterben, wenn man sie „vereist“ – auf dieser wissenschaftlichen Erkenntnis basiert das Beauty-Treatment Kryolipolyse
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Hartnäckige Speckröllchen einfach wegfrieren? Das geht wirklich! Immer mehr Beauty-Praxen bieten Kryolipolyse an, eine nicht-invasive Behandlung zur Fettreduktion, die unter dem Markennamen Coolsculpting als sanfte Lösung gegen Problemzonen gehandelt wird. Wie das genau funktioniert, welche Risiken es birgt und für wen sich das Treatment wirklich lohnt – STYLEBOOK hat nachgehakt.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Was ist Coolsculpting?

Coolsculpting ist der Markenname einer Kühlmaschine, die für eine neuartige Methode der Fettreduktion steht: Kryolipolyse. Anders als bei der Fettabsaugung kommt bei diesem Beauty-Treatment kein Skalpell zum Einsatz. Fettdepots, die Patienten als störend empfinden, werden mit starker Kälte behandelt, um das Absterben der Fettzellen zu erzielen. Entwickelt wurde die Methode von Wissenschaftlern der Harvard-Universität, seit nunmehr sechs Jahren ist sie in der Praxis angekommen. In Deutschland wenden unter anderem der Münchener Dermatologe Dr. Timm Golüke und Dr. Fabian Heitmann vom Kölner MedicalFace – Fachzentrum für Ästhetische Medizin das Verfahren an. Beide gewährten uns im STYLEBOOK-Interview tiefere Einblicke in das Thema.

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Für wen eignet sich das Verfahren?

Wie Hautarzt Dr. Golüke erklärt, lassen sich mit dem Coolscuplting-Gerät „lokale Fettüberschüsse“ entfernen – jedoch kein starkes Übergewicht. Das Verfahren eignet sich also in erster Linie für Menschen mit vereinzelten Problemzonen, die gegen Diäten und Sport resistent sind. Die Behandlung sei bei quasi jedem Erwachsenen möglich. Ausnahmen: Schwangere oder Frauen in der Stillzeit, ebenso wie Menschen mit gewissen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Golüke erzählt etwa von einer Kälteurtekaria, also einer Kälteallergie, die bei Betroffenen ab etwa fünf Grad Celsius zu Nesselsucht und unangenehmen Schwellungen auf der Haut führen kann. Auch verträgt sich die regelmäßige Einnahme blutverdünnender Medikamente nicht mit der Kryolipolyse.

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Khloé Kardashian

It-Girl Khloé Kardashian steht dazu, sich der Behandlung unterzogen zu haben
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Wie läuft die Behandlung ab?

Die Stellen, die es zu behandeln gilt, werden gründlich gereinigt und mit einem Gelpad geschützt, bevor das Coolsculpting-Gerät zum Einsatz kommt. „Das Gewebe wird durch einen Vakuumbecher eingesaugt“, erklärt der Kölner Dr. Heitmann. Das Fett, das sich in diesem Behälter befindet, ist sozusagen der Behandlungsbereich. Die Coolsculpting-Maschine sorgt mithilfe von Sensoren dafür, dass die Haut konstant auf plus vier Grad Celsius gehalten wird. Das ist kalt genug, um die Fettzellen zu zerstören, verursacht aber gleichzeitig keine Kälteverbrennungen auf der Haut. Je nach Zone, die behandelt wird, laufen die Kühlmodule zwischen 35 Minuten und einer Stunde lang. Der anschließende und letzte Behandlungsschritt ist eine zweiminütige Massage des vereisten Areals, um die Fettzellen endgültig zu zerstören und ihren Abbau zu fördern.

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Laut Dr. Heitmann lasse sich das nicht-invasive Treatment im Prinzip in der Mittagspause durchführen. Der Patient werde nicht in Narkose versetzt, Verkehrstüchtigkeit und Arbeitsfähigkeit werden demnach nicht eingeschränkt. Auch Schmerzen seien im Anschluss unwahrscheinlich. Vermeiden sollte man in den Folgetagen lediglich entzündungshemmende Arzneien wie beispielsweise Thomapyrin oder Ibuprofen, da sie das Ergebnis verfälschen könnten.

Welche Problemzonen eignen sich für die Kryolipolyse?

Fettüberschüsse, die abstehen – also ein kleines Bäuchlein, Fettpölsterchen am Hintern oder den Oberschenkeln, sogar ein Doppelkinn. Die Aufsätze des Coolscuplting-Geräts müssen die zu behandelnden Areale einsaugen können. Fett zu vereisen, das sich ebenmäßig auf beispielsweise kräftige Beine verteilt, könnte nach der Behandlung zu Dellen führen.

Coolsculpting-Gerät

Das Kryolipolyse-Gerät der Marke Coolsculpting hat die europäische CE-Zertifizierung und entspricht auch amerikanischen Sicherheitskriterien. Vor den Konkurrenzgeräten ist laut Dr. Golüke Vorsicht geboten
Foto: PR / Medicale Face

 

Coolsculpting-Gerät

So sehen die Applikator-Aufsätze aus, mit denen die zu behandelnden Fettdepots eingesaugt werden
Foto: PR / Medicale Face

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Von Natur aus werden Schmerzen von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommen, wie Dr. Heitmann zu bedenken gibt. Grundsätzlich beschreibt er die Prozedur aber als gut auszuhalten und keineswegs vergleichbar mit den Begleiterscheinungen, die beispielsweise mit einer Fettabsaugung einhergehen. Nachdem die Kälteeinwirkung zu Beginn deutlich spürbar sei, lasse das unangenehme Gefühl nach einigen Minuten nach – die Haut ist dann wie leicht betäubt und weniger temperaturempfindlich. Der unbeliebteste Teil: das zweiminütige „Kneten“ im Anschluss an die Kältebehandlung. Dabei geht es darum, die degenerierten Fettzellen manuell zu zerstören und final einen größeren Behandlungserfolg zu erzielen. „Manche Patienten treibt das Massieren Tränen in die Augen“, schildert der Fachmann. „Andere wiederum können dabei gut entspannen und schlafen sogar ein.“

Welche Risiken gibt es?

Sofern gesundheitliche Kontraindikationen vor der Behandlung ausgeschlossen wurden, beschränkten sich die möglichen Nebenwirkungen laut den Experten auf die Entstehung von blauen Flecken, Rötungen und Druck- und Berührungsempfindlichkeit im behandelten Areal. Hier sei auch ein Taubheitsgefühl möglich, das bis zu zwei Wochen lang anhalten könne. Der Grund: Durch die Kühlmaschine würden Nerven in Mitleidenschaft gezogen. Diese Eventualitäten treten jedoch höchstens temporär auf. Wichtig sei, sich in fähige und erfahrene Hände zu begeben. Unsauberes Arbeiten könne zu unschönen Dellen und Vertiefungen führen.

„Wie bei jeder medizinischen Maßnahme ist das Ergebnis nicht mit absoluter Sicherheit vorherbestimmbar.“ Auch Dr. Golüke gibt zu bedenken, dass die Erwartungshaltung von Patient zu Patient unterschiedlich sind. Manche lassen die Behandlung wiederholen, weil sie noch mehr Effekt sehen wollen. Noch nie jedoch sei einer seiner Patienten unzufrieden gewesen oder habe sein Geld zurück verlangt.

Wann ist der Effekt der Behandlung zu sehen?

Abhängig vom individuellen Stoffwechsel kann es länger dauern oder schneller gehen, bis die Fettzellen komplett zerstört, von der Leber verstoffwechselt und aus dem Körper ausgeschieden sind. Etwa drei Wochen nach der Behandlung könne man erste Veränderungen erkennen, das endgültige Ergebnis zeige sich in der Regel nach zwei bis drei Monaten. Dies ist auch der Zeitpunkt für einen Nachkontrolltermin in der Praxis, bei dem Patient und Arzt die Entwicklung gemeinsam begutachten und mit Vorher-Fotos vergleichen.

Wie lange hält das Ergebnis?

Einmal zerstört, kommen die Fettzellen nicht wieder zurück, an den behandelten Arealen ist das Ergebnis also dauerhaft. Dennoch sollten die Patienten nach der Behandlung darauf achten, ihr Gewicht zu halten. Da die Fettzellen lokal vereist wurden, können an anderen Körperstellen entsprechend (neue) Problemzonen entstehen.

Was kostet die Behandlung?

Die Preise hängen nicht zuletzt davon ab, welche und wie viele Zonen behandelt werden. Eine einzelne belaufe sich auf ca. 700 Euro. Manche Praxen bieten eine Art „Mengenrabatt“ an, wenn mehrere Problemzonen behandelt werden.

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