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Stars in der Modefalle
Wer ist schuld an miesem Styling?

Zu Beginn der Woche wurden die „Deutschen Fernsehpreise“ verliehen. Wie immer warfen sich die Stars in große Robe – nicht immer zum Vorteil meint STYLEBOOK-Kolumnistin Christiane Hoffmann.

Wir haben – ganz ehrlich – den Schock noch immer nicht ganz überwunden...

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Was ist in unsere Promis gefahren? Haben die keinen Spiegel zu Hause (oder in ihrer Hotelsuite)? Ziehen sie sich im Stockfinsteren an? Haben sie keine gute Freundin, die sagt: „Pass mal auf Hase, aber damit siehst du wirklich aus wie eine Barbie im Drogenrausch...!“

Zu Beginn der Woche wurden die „Deutschen Fernsehpreise“ verliehen. Die Top-VIPs der Flimmerkiste kamen – bis auf einige wenige Ausnahmen. Moderiert wurde das Ganze von Marco Schreyl (37) und Nazan Eckes (35). Da wären wir schon beim ersten klitzekleinen Problemchen.

Nazan Eckes ist eine wirklich schöne Frau, die toll moderiert, mit SEHR großartigem Haar.
Aber AUFfallen bedeutet nicht GEfallen...

Nazan trug drei Outfits an diesem Abend – und jenes, welches sie am längsten auf der Bühne präsentierte, wirkte – LEIDER – wie ein fleischgewordener Komposthaufen. Ein asymmetrischer Kleid mit Blätter-ähnlicher Struktur. Dazu eine Frisur, die ihrem Haar nicht gerecht wurde. Zu kompliziert, zu gestylt...
Später trug sie Blätter-Grün – zauberhaft, und die Haare natürlicher. Yes!!!

Ein paar Meter später der nächste Schock: Die scharfe Brasilianerin Fernanda Brandao (28), von Bohlen aus der DSDS-Jury geekelt, trug ab der Hüfte abwärts weiße Federn. Ein Outfit à la gerupftes Huhn.

Zu erwähnen sei hier noch ein ganz besonderes Accessoire: Neben Handtasche und Lipgloss brachte Alexandra Neldel (35) ihren persönlichen Medienanwalt mit zum Fernsehpreis. Nein, kein Scherz! Ich frage mich nur, wie der sie auf der Damentoilette vor neugierigen Journalistinnen beschützen konnte?!

Unsere Top-6-Augenweiden beim Deutschen Fernsehpreis waren diese:
Hannah Herzsprung in einem spektakulär schlichten schwarzen Kleid. Leicht transparent an Dekolleté und Bauch mit einem Hauch von Ärmel. Von Kopf bis Fuß in Chanel!
Bettina Zimmermann in einem Feen-Träumchen in Nude von Guido Maria Kretschmer.
Jenny Elvers-Elbertzhagen in sattem Rot von Victoria Beckham.
Sylvie van der Vaart mit Wow-Robe in Snake-Print von Lanvin.
Anke Engelke in DER Trendfarbe Weiß von Lever Couture.
Christine Neubauer, sehr schlank geworden, in auberginefarbener Seide von Talbot Runhof.

★★★

Wer ist SCHULD an miesem Styling? Das eigene Unvermögen? Ein schlechter Stylist? Der Modeschöpfer, der das richtige Kleid für den falschen Promi – oder umgekehrt – auswählt? Und: Wie mache ich es besser?

Karl Lagerfeld (78) sagte dem „Focus“ einmal: „Stil ist nicht unbedingt modisch. Man kann viel Stil haben, der zeitlos ist, was auch ein bisschen langweilig ist. Ich bewundere mehr die Leute, die den Mut haben, auch ganz anders zu sein, nicht nach den Kriterien der Konvention von chic und nicht chic, modisch und nicht modisch. Da gehört mehr Mut dazu...“

Eine Deutsche, die IMMER ganz, ganz oben auf der Best-Dressed-Liste landet, ist Stil-Göttin Iris Berben (61). Sie vertraut auf sich selbst – und leiht NIE ein Kleid für besondere Anlässe, sondern kauft IMMER selbst. Natürlich hatte sie auch mal einen modischen Fehltritt, zum Beispiel eine knittrige Goldfolie bei der letzten Berlinale. Wer möchte schon aussehen wie die höchste Auszeichnung, die beim Filmfestival verliehen wird?

In einem alten Filmchen, welches auf Youtube läuft erzählt sie, wie sie Mode auswählt: „Klassisch, geradlinig, perfekter Schnitt. Mit Schwarz ist man immer gut angezogen.“ In der „Brigitte“ fügte sie über ihren Stil hinzu: „Pur, sinnlich und bitte nicht zu bunt soll es sein.“ Bitte merken!

Die neue Stil-Ikone und Lagerfeld-Muse Blake Lively (24, „Gossip Girl“) verriet kürzlich in „Glamour“: „Ich glaube, ich bin mein eigener Stylist, weil ich es nicht besser wusste. Als man mir irgendwann sagte, dass es an der Zeit wäre, jemanden zu engagieren, dachte ich: ‘Das ist eines meiner Lieblingshobbys! Soll ich jemanden dafür bezahlen, der mir dieses Hobby stiehlt? Das ist ein schrecklicher Gedanke!“

Ein Star-Stylist hat Macht! Er oder sie kreiert Look und Image des Stars – und kann so seinen Marktwert steigern. Ist ein Outfit bei den Oscars, Grammys oder Golden Globes perfekt und begehrenswert, wird der Star weltweit kopiert, gedruckt, gelobt – und, ja, geliebt.

Carine Roitfeld (57), die ihre Karriere als Stylistin begann, gelang es vor ihrer Zeit bei der französischen „Vogue“ mit Tom Ford das Label Gucci aus der verstaubten Versenkung zu holen. Sie selbst gilt als eine der stilsichersten Frauen Europas. Ihre Lieblingsfarbe: Schwarz.

Stylisten wie Rachel Zoe (40, Kunden: Keira Knightley, Anne Hathaway), Alycia Belle (Kunden: Halle Berry, Rachel Weisz) und Andrea Lieberman (Kundin: Gwen Stefani) kassieren bei großen Events bis zu 10.000 Dollar für ihre Dienste. Mittlerweile sind einige von ihnen selbst zu begehrten Medienobjekten geworden.

Beispielsweise der Stylist Nicola Formichetti (34). Geboren in Japan und aufgewachsen in Italien, machte er aus einer großartigen Sängerin namens Lady Gaga ein Kunstobjekt. Er ist mittlerweile beim Pariser Modehaus Mugler Kreativdirektor und arbeitet immer noch für Gaga.

Was denkt der Stylist Formichetti über Stylisten?
Formichetti im Magazin „Vice“: „Ich hasse das Wort Stylist. Ich ziehe den Leuten nicht nur Sachen an – die Sachen sind mir ehrlich gesagt sogar egal. Ich habe mich immer eher als Art Director gesehen, als jemand, dessen Aufgabe darin besteht, Stimmungen zu schaffen und ein Gesamtbild im Auge zu behalten. Selbst mit dem besten Styling der Welt ist ein beschissenes Bild immer noch ein beschissenes Bild.“

In diesem Sinne: ein schönes Wochenende – ganz ohne Beschiss!

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