TV-Moderatorin Sylvie van der Vaart
von Carolin Dendler
Willkommen in meinem Kleiderschrank

Sie ist Fußballer-Gattin, TV-Jurorin und Modevorbild: Sylvie van der Vaart lebt ihren Traum. Für Carolin Dendler öffnete die Holländerin die Türen ihres Ankleidezimmers. Dabei sprach die 33-Jährigen über Schuhe, Handtaschen und warum ihr Ehemann nicht all ihre Outfits mag.

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    Foto: Frank Zauritz

    Sylvie van der Vaart auf dem Boden ihres Ankleidezimmers. Nicht zu übersehen: Ihre Vorliebe für Schuhe und Handtaschen

STYLEBOOK:  Sylvie, in Ihrem  Kleiderschrank möchte man gern einkaufen gehen, er erinnert an eine gut sortierte In-Boutique.  Sind Sie ein Fashion-Victim? Welchen Stellenwert hat Mode in Ihrem Leben?
Sylvie van der Vaart: Sie ist einer meiner Hobbies. Allerdings habe ich immer das Gefühl, ich müsste mich dafür entschuldigen, weil viele Mode oberflächlich finden.  Selbstverständlich weiß ich, dass es nicht das Wichtigste im Leben ist, aber mir bringt sie Spaß. Der eine fährt auf ein tolles Auto ab – ich steh auf schöne Schuhe.

Fing Ihre Leidenschaft für Taschen und Schuhe mit IhrerTV-Karriere an?  
Nein, viel früher. Bereits mit 12 Jahren. Damals ist mein ganzes Taschen­geld für die englische und amerikanische Vogue draufgegangen. Ich habe alles verschlungen, was mit Mode zu tun hatte, leider hatte ich kaum Geld, um shoppen zu gehen, ich habe gejobbt, um mir ein Trend-Teil kaufen zu können. Ich war verliebt in die  Ära der Supermodels wie Cindy Crawford.  Mit dem richtigen Look fühlte ich mich schon als Teenager besser.

Hat dieser Look Ihnen mental geholfen, als Sie an Krebs erkrankten und zur Chemo-Therapie mussten? Hat man, wenn man ums Überleben kämpft, noch Lust aufs shoppen?
Absolut. Wenn man Krank ist, wenn eine Frau ihre Haare verliert, sogar Au­gen­brauen und Wimpern, dann hilft Dir eine chice Klamotte mitunter aus dem Tal der Tränen.  Eine Art Courage-Korsett. Du machst Dich schön, um sich so zu fühlen, wie früher. Ich setzte mir eine Perücke auf und ging in ein Restaurant. Ich wollte cool aussehen, so wie alle, wollte keine mitleidigen Blicke. Das hat mich für diesen Augenblick getröstet.

Was sind Ihre schönsten Lust-  bzw. Frustkäufe?
Frustkäufe kenne ich eigentlich nicht. Eine Sammelleidenschaft habe ich bei Taschen.

Auf Ihrem Fensterbrett zähle ich rund  siebzig Designer-Bags, ziemlich teure von Chanel, Bottega Veneta, Hermés.
Es sind auch welche von H& M dabei. Aber ehrlich: Ich weiß nicht, wie viele Taschen ich habe,  weil ich die auch auswechsle und nicht zähle. Dazu kommen  kleine Abendtaschen, „Clutch Bags“. Manche Taschen stehen schon zehn Jahre in meinen Ankleidezimmer. Manche verschenke ich weiter an Freundinnen, meine Mutter. Jede Saison kommt eine Freundin, die auch mein Styling macht aus Mailand. Zusam­men gehen wir rigoros durch die Garderobe. Da gehen dann 10 Kartons mit FedEx nach Madrid und werden Second Hand verkauft. Die Summe spende ich für eine Charity.

Sie sind eine der wenigen prominenten Frauen, die tatsächlich teure Designer-Abendkleider kaufen, viele Stars leihen nur aus.
Ja, das grüne Gucci-Kleid, dass ich kürzlich trug, auch die Lavin-Robe beim Fernsehpreis, das waren meine Kleider. Gelegentlich leihe ich auch bei Elie Saab und Versace etwas aus, doch ich fühl mich oft besser in einem Outfit, wenn es mir gehört.

Aber finden Sie nicht, dass all diese Designer-Kleidchen, die leicht mal 4000,-- bis 5.000,-- Euro kosten, überteuert sind?
Ich beantworte das mal so: Dann muss ich sie eben häufiger anziehen! Aber ich trage auch mal günstige Labels. Ich mixe gern teuer mit billig. In England liebe ich die Marken wie River Island, French Connection, Top-Shop. Und ich gehe auch zu Events in 60 Euro Kleidchen.

Kaufen Sie auch online?
Ja.  Bei Topshop und River Island, Net a porter und mytheresa.com.

Was beschert das größere Glücksgefühl - Online-Shoppen oder sich selbst durch die Boutique wühlen?
Wenn ich Zeit habe, natürlich selbst shoppen. Aber ich sitze auch gern gemütlich in meinem Pyjama auf meinem Sofa und bestelle per Laptop. Oft findet man in der Boutique nicht die richtige Größe, dann ist Online-Shopping eine gute Alternative.

Was sagt Ihr Mann zu Ihrem Hobby? Männer nörgeln ja gern beim Shoppen: Brauchst du diese Tasche noch?“  Und: „Hast du das nicht schon?“
Raphael auch. „Brauchst du wirklich noch Highheels? Brauchst du noch eine Tasche?“ - Ich sage dann: „Brauchen nicht, aber es macht mich froh.“ Und da ich mein eigenes Geld verdiene, kann er eigentlich nichts dazu sagen...

Macht er Ihnen manchmal modische Geschenke?
 Ja. Schöne Unterwäsche oder ein Armband oder … mir ist egal, wie teuer. Für mich ist es wichtiger, dass es von Herzen kommt. Ich freue mich auch über ein Parfum oder meine Lieblingskekse – Macarons von La Dur´ee.  

Wenn man Sie so anschaut, denkt man nicht, dass Sie Süßes essen.
Doch, doch. Die Macarons sind meine Lieblings-Sünde. Ich bleibe schlank, weil ich viel Sport treibe, täglich eine Stunde, so kann ich eigentlich alles essen.

Apropos Raphael. Gehen Sie für ihn shoppen?
Ja, ich kaufe auch für ihn ein.  Ich finde das schön, ihn schick anzu­ziehen. Er hat seinen Stil geändert, seit wir uns kennengelernt haben.
Er ist stylischer geworden, nicht so ein Standard-Fußballer.

Fußballer-Frauen haben ja auch so ein Image, was ihr modisches Auftreten betrifft.
Ja, aber Ich bin zwar mit einem Fußballer verheiratet, habe aber meinen eige­nen Beruf, ich identifiziere mich nicht mit dem Image einer Kicker-Frau. Modische Frauen ähneln sich überall auf der Welt: Sie tragen große Brillen und noch größere Taschen und irgendwas Cooles.

Was ist denn zurzeit ein cooles Outfit?
Das 70iger Jahre „Glamourgirl“ mit einer dunklen Denim-Schlaghose, einer Seiden­bluse und einer Schleife am Hals. Mit einem Kaschmir Cardigan darüber in Gelb oder Burgunderrot, Sonnenbrille, große Tasche, Highheels. Aber was ich heute anhabe, eine Lederleggins mit Highheels und Top, das ist auch hot.

Wie viele Stunden am Tag beschäftigen Sie sich mit dem perfekten Styling?
Zum Fertigmachen brauche ich nur 20 Minuten. Für eine Gala mit Make-up an die zwei Stunden.

 Mag Sie Ihr Mann  lieber mit oder ohne Make-up?
Beides findet er schön. Er mag es, wenn er mit mir zum Essen geht und ich schön feminin angezogen bin. Aber er findet es tagsüber auch toll, dass ich mal eine enge Jeans mit einem T-Shirt trage. Das findet er super sexy – und Highheels.

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Sind Sie Marken-Fetischistin, was ist denn zurzeit angesagt?
Bei den günstigen Marken liebe ich immer noch Top-Shop und River Island. Im „High End“- Bereich mag ich zur Zeit  Proenza Schouler, Lanvin,  Dries van Noten, Isabel Marant und Chanel für die Klassiker.

Was halten Sie von  Victoria Beckham als Designerin?
Finde ich super, die Sachen sitzen gut.

Hätten Sie auch gern eine eigene Modelinie?
Ich habe nicht den fachlichen Hintergrund, könnte mir aber vorstellen, für eine große Firma meine Favoriten zusammen zu stellen.

Was war Ihr teuerster Kauf?
Die Hermés-Tasche, auf die ich eineinhalb Jahre warten musste, weil es eben ein Liebhaberstück ist. Als ich sie hatte, war ich so high, das ich sofort meine beste Freundin anrief und sagte: „Endlich ich hab sie.“

Hat Ihr Mann schon einmal gesagt: „Ziehe Dich bitte um, so gehe ich mit Dir nicht weg!“?
Nein. Sein Standard-Satz ist, wenn er denkt, dass es ein bisschen merkwürdig aus­sieht: „Sylvie, ich habe komplettes Vertrauen in Dein Fashion-Wissen. Das ist wahr­scheinlich super trendy.“

Wann sagt er so etwas?
Also er mag einfach keine 70iger Jahre Hosen.

Die mit dem weiten Schlag?
Die findet er schrecklich. Wir hatten uns mal drei Wochen nicht gesehen, weil er im Trainingslager war. Ich kam in Schlaghose, einer Bluse aus smaragdgrüner Seide, einer lila Versace Tasche, und er schaute mich nur entsetzt an, meinte: „Schatz, wir haben uns so lange nicht gesehen, und nun trägst Du so eine unsexy Hose.“

Die kann man aber ausziehen, die Hose...
Ja, das stimmt (lacht). Das hat er dann auch gemacht.

Machen Sie sich eigentlich für sich selber schön? Oder Ihren Mann?
In erster Linie für mich.  Und für meinen Mann. Denn er liebt mich über alles und ich ihn auch.

Welche deutschen Frauen sind in Ihren Augen gut angezogen?
Da fallen mir  Franziska Knuppe und  Bettina Zimmermann ein. Beide haben einen coolen Look, strahlen Eleganz aus. Wie auch Iris Berben. International ist meine absolute Stil-Ikone Olivia Palermo und Gossip Girl Blake Lively. Ich schaue mir die Serien an und klau den Look. Ich mag einfach gut angezogene Frauen!

Wie stylen Sie Ihren Sohn Damien?
Das ist einfach. Privat trägt er wie Daddy Sportsachen, sonst Schuluniform. Mit fünf hat er schon Krawatte und Blazer in der Vorschule getragen, und ob man es glaubt oder nicht, der kleine Kerl liebt es. Ich finde Schuluniformen perfekt, da gibt es nicht schon in der Schule eine Modenschau.

Hätten Sie vielleicht noch gern ein kleines Mädchen zum Anziehen, denken Sie manchmal über Familienzuwachs nach?
Ja, aber wie das jetzt aussieht, wird es nicht passieren.

Folgen Ihrer Krebs-Erkrankung?
Ja, leider. Das dauert noch ein bisschen, sagen die Ärzte. Aber ich kann nicht in die Zukunft schauen. Ich bin happy mit meinem Leben und dankbar, wieder gesund zu sein. Es passiert, was passieren soll. Ich bin unglaublich froh, dass ich in Interviews nicht mehr über Metastasen sprechen muss. 

Sprechen wir über Fashion-Rules. Was sollte eine Frau vermeiden, die guten Stil zeigen will? Nicht zu viel zeigen? Entweder Busen oder Beine?
Dann habe ich die Regel schon gebrochen und beides gezeigt. Generell glaube ich, dass nur der Spiegel die Wahrheit sagt.

Aber in manchen Boutiquen lügen die Spiegel, weil die dünner machen.
Ja, das stimmt. Zuhause sollte man schon einen guten Spiegel haben und gutes Licht. Und nicht vergessen, immer schön Ordnung im Kleiderschrank halten, sonst sieht man gar nicht, was man hat und zieht immer das gleiche an. Und man kauft auch immer das gleiche, die zwanzigste schwarze Jacke.

Womit ist man immer gut angezogen?
Jeans, Seidenbluse mit Schleife, Blazer, ein bisschen Absatz.

Und was finden Sie unsexy für eine Frau?
Wenn etwas nicht passt, die Jeans zu klein ist oder ein Abendkleid, wo die Unterhose zu sehen ist.
Oder Speckrollen sich wölben.
Genau. Man hat heutzutage so viele tolle Lösungen, um zu schummeln. Mit Push-ups oder Tapes. Da bastel ich mir ein Dekolletee. Ohne meine Hollywood-Klebebänder reise ich nicht. Allerdings das wichtigste Accessoire einer Frau ist ihr Lachen. Wenn man sich gut fühlt und strahlt, da kann man fasst alles anziehen.

Mit anderen Worten: Wichtiger als die Klamotte ist ein glücklicher Mensch, der drin steckt.
Absolut. Sie haben wahrscheinlich auch schon viele unglückliche Frauen in hübschen Klamotten gesehen. Oder?

Meinen Sie, es gibt mehr unglückliche Frauen in teuren Klamotten, als glückliche?
Ich denke schon...

Warum?
Weil sich viele frustrierte Frauen nur für andere frustrierte Frauen aufrüschen und vergessen, dass Intelligenz oder Liebenswürdigkeit das schönste Kleid einer Frau ist...
 
 
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