Foto: Lawrence Schiller/Taschen Verlag

Hollywood-Fotograf Lawrence Schiller
von Thomas Helbing
„Marilyn Monroe war ein geschliffener Diamant“

Der rätselhafte Tod Marilyn Monroes jährt sich zum 50 Mal. Die Umstände werden wohl ein ewiges Rätsel bleiben – genau wie die wahre Person Norma Jean Baker. Einer, der den Mythos Monroe ein wenig entmystifiziert, ist der Fotograf Lawrence Schiller (75). Er kannte die berühmteste Blondine der Welt so intim wie kaum ein anderer, besuchte die Schauspielerin noch an ihrem Todestag. STYLEBOOK traf Schiller zum Interview.

1962 bekommt der amerikanische Fotojournalist Lawrence Schiller die Chance seines Lebens: Er fotografiert Marilyn Monroe wenige Monate vor ihrem Tod bei den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film „Something’s Got to Give“ – hüllenlos. Für die Sexbombe waren die gezielt inszenierten Aufnahmen der letzte Versuch, ihre Karriere zu retten. Ein PR-Coup, der beinahe aufging, wäre sie nicht kurz darauf gestorben. Für Lawrence Schiller waren die Fotos der badenden Monroe allerdings der Durchbruch. Der „Playboy“ zahlte für eines der Fotos die damals astronomische Summe von 25.000 Dollar. Jetzt ist ein luxuriöser Bildband mit Schillers Aufnahmen – zum Teil bisher unveröffentlicht – erschienen. Die Monroe wäre am 1. Juni 2012 86 Jahre alt geworden, am 5. August jährt sich ihr Todestag zum 50. Mal. 

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    Foto: Lawrence Schiller/Taschen Verlag

    Die Monroe nackt am Set von „Something's Got To Give“. Im Drehbuch stand allerdings nie, dass Marilyn sich ausziehen sollte – das war von ihr kalkuliert-improvisiert



STYLEBOOK: Mr. Schiller, um den Tod der Marilyn Monroe ranken sich viele Mythen. Glauben Sie an eine der vielen Mord-Verschwörungs-Theorien? Oder eher an einen Suizid-Versuch?
Lawrence Schiller: Ich war nicht im Schlafzimmer, als Marilyn Monroe starb. Und ein guter Journalist sollte niemals spekulieren. Ich kann nur sagen, es gab keinen Anlass für irgend jemanden, sie umzubringen. Und auch keinen Grund, dass sie sich selbst das Leben genommen hat, sie steckte zu dem Zeitpunkt voller Zukunftspläne. Es war einfach ein tragischer Unfall.

Wann haben Sie Marilyn zum ersten Mal getroffen?
Als ich 23 Jahre alt war (1960, Anm. d. Red.) bekam ich einen Auftrag vom Magazin „Look“. Ich sollte Marilyn Monroe am Set von „Let’s Make Love“ fotografieren. Ich wartete vor ihrer Garderobe. Als sie endlich kam, lief sie direkt an mir vorbei, ohne mich groß zu beachten. Die PR-Lady rief zu ihr: „Das ist Larry vom 'Look' Magazin.“ Erst dann realisierte sie den Moment und begann, ihre Rolle Marilyn Monreo zu spielen. Nicht wegen mir, sondern wegen „Look“. Sie sagte: „Ich bin Marilyn.“ Ich wusste nicht was ich in der Aufregung sagen sollte und antwortete: „Ich bin der große böse Wolf.“

Wie war Ihr erster Eindruck von Marilyn Monroe?
Dass sie ziemlich geschickt ist. Als ich die ersten Fotos von ihr machte, saß sie vor einem Spiegel und ihre Garderobiere kämmte ihr das Haar. Marilyn sagte, ohne sich umzudrehen: „Das ist nicht der beste Winkel für mich.“ Sie wies mit ihrem Kopf auf eine Stelle weiter links von ihr: „Wenn Sie dahin gehen, kriegen sie ein besseres Foto von mir.“ Marilyn Monroe wusste ganz genau, wie sie sich vor der Kamera zu inszenieren hatte. Sie wusste damals mehr über Fotografie als ich mit 23 Jahren.

Was war Marilyns größtes Talent?
Sie konnte in jede Rolle schlüpfen, die sie wollte – egal, ob im Filmstudio oder für ihr privates Schauspiel. Wenn sie die sexy Dame geben wollte, wusste sie genau, wie sie das anstellt. Ebenso gut konnte sie entweder das naive Blondchen oder die clevere Geschäftsfrau geben. Sie wusste immer genau, was sie tat.

Und was war ihr größtes Problem?
Das ewige Ringen, als ernstzunehmende Schauspielerin anerkannt zu werden. Das machte sie einsam und hat sie zerstört. Die Nacht wurde zu ihrem besten Freund. Die Dunkelheit war ihr sicherer Hafen. Dann konnte sie vor ihren Problemen flüchten. Und in einer Nacht verlor sie in diesem Hafen für immer das Bewusstsein. Im übrigen denke ich, dass Marilyn Monroe eine großartige Schauspielerin war.

Warum fasziniert uns Marilyn Monroe noch heute?
Sie war ein einzigartig geschliffener Diamant, wie es ihn kein zweites Mal gibt. Madonna ist nicht Marilyn Monroe, Lady Gaga ist nicht Marilyn Monroe, Barbra Streisand ist Barbra Streisand. Zeit ihres Lebens wollte jeder Marilyn beschützen. Und 50 Jahre später beschützen wir sie, indem wir sie in unserer Erinnerung weiter leben lassen. 

Gibt es etwas, dass Sie Marilyn Monroe posthum sagen möchten?
Ich möchte ihr danken, für das was sie für mich getan hat. Ihr verdanke ich mein Haus, jede Menge tolle Erinnerungen und eine tolles Kapitel als Fotograf. Sie ist eine der Personen in meinem Leben, der ich einfach zu Dank verpflichtet bin.

Der Bildband „Marilyn & Me – A Memoir in Words and Pictures“ ist im Taschen Verlag in limitierter Auflage erschienen.

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