Pussy Riot: Gefängnis-Shooting für Bildband

Foto: Bert Verwelius

Gefängnis-Shooting für Bildband
von Julia Wagner
Pussy Riot wieder hinter Gittern

Die beiden Pussy-Riot Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa (24) und Marija Aljochina (26) sind jetzt wieder hinter Gittern. Für einen neuen Bildband stellten sie ihren Gefängnis-Alltag vom Arbeitslager in Sibirien nach. Fragt sich bloß: Ist das Kunst oder nur eine Kontroverse?

  • Die beiden Pussy-Riot Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina für „Pussy Riot Unmasked“

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    Foto: Bert Verwelius

    Die beiden „Pussy-Riot“-Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina geschminkt und beim Rauchen im Gefängnis. Das Foto entstand…

Wie passen feministische Punk-Rockerinnen und ein alles andere als renommierter Nackt-Fotograf zusammen? Eigentlich gar nicht. Trotzdem haben die beiden „Pussy Riot“-Mitglieder Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina, kurz nachdem sie aus dem Gefangenenlager in Sibirien entlassen wurden, für den holländischen Nackt-Fotograf Bert Verwelius (60) und dessen Bildband „Pussy Riot Unmasked“ (erschienen im Verlag teNeues) posiert.

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Pussy Riot posieren für Hobby-Fotograf
Bert Verwelius ist in seiner Heimat, den Niederlanden, kein Unbekannter. Der Bauunternehmer gehört zu den reichsten Männern des Landes, träumt allerdings davon, der weltbeste Nackt-Fotograf zu werden – und das lässt er sich einiges kosten. Dafür hat er ein riesiges Fotostudio, die teuerste Ausrüstung und sogar eine eigene Model-Agentur in der Ukraine, „die ihm mit geeigneten Protagonistinnen dienlich ist“, wie es im Buch „Pussy Riot – Unmasked“ heißt. Auf seiner Homepage finden sich aber vor allem eher geschmacklose Bilder nackter Frauen.

Pussy-Riot nackt?
Auch Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina wollte er eigentlich nackt fotografieren, die beiden lehnten allerdings ab. „Ich wollte der Welt zeigen, dass hinter diesen Protestlerinnen zwei ganz normale, aber schöne Frauen stecken. Ich dachte, dass Nackt-Fotos für ihre Protestaktionen vielleicht noch mehr bringen. Aber sie wollten nicht“, sagte der Fotograf im Interview mit der ARD.

Geschmacklose Gefängnis-Bilder
So inszenierte er die beiden in einem verfallenen Gebäude in Holland und stellte Szenen aus dem russischen Gefängnis-Alltag nach. Tolokonnikowa und Aljochina sind stark geschminkt und tragen Kleider, wie sie auch im Arbeitslager getragen werden. Auf einem Foto rauchen sie in ihrer Zelle, auf einem anderen schaufeln sie Erde vor einem Zaun mit Stacheldraht. 10.000 Euro soll er den beiden für das Shooting gezahlt haben. „Sie haben mich gefragt, ob ich nicht Mitglied ihrer Bewegung werden will“, erzählt er im ARD-Interview. „Aber ich habe mit Politik nichts am Hut. Und ich werde sicherlich keine Revolution in Russland finanzieren. Niemals“, so der Fotograf weiter.

Jekaterina Stanislawowna Samuzewitsch (32), die dritte im Bunde der Pussy Riot Girls, ist übrigens auf keiner der Aufnahmen zu sehen. Sie soll traurig sein, dass ihre Mitstreiterinnen Tolokonnikowa und Aljochina mit ihrem Fotoprojekt die Ideale von Pussy Riot verraten hätten.

Zur Info:
Tolokonnikowa und Aljochina wurden als politische Aktivistinnen und Mitglieder von Pussy Riot, einer 2011 gegründeten feministischen, regierungs- und kirchenfeindlichen Punkrock-Band,
weltbekannt. Zu internationaler Aufmerksamkeit gelangten die beiden vor allem durch das „Punk-Gebet“ gegen den russischen Patriarchen Kyrill I. und Wladimir Putin im Februar 2012. Als Folge wurde gegen die beiden Anklage erhoben. Sie verbrachten zwei Jahre in einem Straflager, 400 Kilometer östlich von Moskau, im Dezember 2013 wurden sie entlassen.

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