Malibu: Früher Luxus-Ort, heute Rehab-Mekka
von Thomas Helbing
Promille statt Promis

Malibu in Kalifornien galt jahrzehntelang als nobles Idyll für Gutbetuchte, der Ort zählt zu den teuersten Wohngegenden der USA. Jetzt wird die exklusive Ruhe von zahlreichen Luxus-Entzugskliniken gestört, die neuerdings wie Pilze aus dem Boden schießen – und eine Schar ausnüchternder Promis in den Ort spülen. Die verwöhnten Anwohner toben.

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    Foto: getty images

    Unter der Sonne Malibus ist man nicht nur vom Meer berauscht. Immer mehr Promis mit Suchtproblemen besuchen das idyllische Städtchen bei Los Angeles, um in den Entzug zu gehen. Welcher Star schon in welcher Klinik eincheckte...

Sie heißen „Harmony Place“, „Cliffside“ oder „Malibu Horizon“ und liegen harmonisch eingebettet zwischen Pazifikküste, Millionärs-Villen und den waldreichen Santa Monica Mountains: die Entzugskliniken der Promis. Jahrzehntelang galt die Betty Ford Klinik im kalifornischen Rancho Mirage als erste Adresse für den Entzug. Doch mittlerweile ist Malibu, das ca. 60 Kilometer westlich von Los Angeles liegt, zum größten Rehab-Center der USA geworden. Die Stars sind süchtig nach Malibu.

Doch die Anwohner toben! Ihre Heimat zählt seit Jahrzehnten zu den teuersten und exklusivsten Wohngegenden der USA. Barbra Streisand hat dort ein prächtiges Anwesen, ebenso Will Smith und Matthew McConaughey. Sie lieben die Abgeschiedenheit und Privatsphäre. Jetzt ist die Idylle Schnee von gestern.

Schuld sind die Promi-Patienten, die in Malibu einfallen wie die Heuschrecken und die Ruhe und Ordnung stören. Aktuell lässt sich Troublemaker Lindsay Lohan drei Monate lang in der Klinik „Cliffside“ für 40.000 Dollar mit Yoga-Kursen, Meerblick und Fünf-Sterne-Service ihre Leber und ihr schlechtes Gewissen reinigen. 

Aber: Ein Star kommt selten allein. Mit ihm tauchen Schwärme von Paparazzi auf, die auf einen exklusiven Abschuss des Ausnüchternden hoffen. Doch nicht nur von kampierenden Fotografen wird berichtet, auch von verwirrten Patienten auf Entzug, die durch die Vorgärten wildern. Zu viel für Malibus verwöhnte Klientel. 

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Denn es wird immer schlimmer. Die Rehab-Center – die nichts mit steriler Krankenhausatmosphäre zu tun haben, sondern eher kleinen Luxus-Kommunen ähneln – schießen wie Pilze aus dem Boden, schließlich sind sie echte Geldmaschinen. 34 Stück sollen mittlerweile eröffnet haben, wie die „Malibu Times“ berichtete, und damit ist die Dichte an Entzugskliniken grotesk hoch. In Malibu leben ca. 13.000 Menschen. Das heißt, auf rund 380  Einwohner kommt eine Rehab-Einrichtung. Zum Vergleich: Im gesamten Bezirk Los Angeles mit bevölkerungsreichen 9,8 Millionen Einwohnern kommen auf eine Entzugsklinik ca. 58.000 Menschen.

Ein Missverhältnis, das den Haussegen in Malibu schief hängen lässt – und die Bewohner im „Dorf der Millionäre“ auf die Barrikaden bringt. Wie das Newsportal „Daily Beast“ berichtet, wollen Bürgerinitativen und Bürgermeister Joan House mit Anti-Kampagnen und gesetzlichen Verfügungen gegen den Rehab-Tourismus vorgehen und die ursprüngliche Ruhe wiederherstellen.

„Manchmal geht es hier zu wie auf dem Times Square in New York“, wird ein Anwohner in dem Bericht zitiert. Die einst so köstliche Stimmung in Malibu ist vergiftet, genau wie die Körper der rich kids in den Rehab-Kliniken. Bevor alles kollabiert, will Malibu den Entzug schaffen!

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