Lavinia Wilson über „Schoßgebete“, Nacktszenen & Stil
von Julia Wagner
„Perfekt ist unsexy“

Am Donnerstag startet der Film „Schoßgebete“ nach dem Skandal-Buch von Charlotte Roche (36) in den Kinos. In der Hauptrolle: Die deutsche Schauspielerin Lavinia Wilson (34). STYLEBOOK.de sprach mit ihr über den neuen Film, ihre Stil-Vorbilder – und wie es ist, den eigenen, nackten Hintern auf der Leinwand zu sehen.

Schauspielerin Lavinia Wilson kennt man aus dem TV, z. B. „Tatort“, und aus Kinofilmen wie „Tandoori Love“ (2008) oder Oskar Roehlers „Quellen des Lebens“ (2013). Für den Thriller „Frau Grimme sagt Nein“ an der Seite von Senta Berger (73) erhielt sie 2010 sogar den renommierten Grimme-Preis. Seltsamerweise gilt die  Schauspielerin in Deutschland noch immer als Geheim-Tipp.

Anzeige

Das wird sich mit dem Film „Schoßgebete“ allerdings ganz schnell ändern. Ab 18. September läuft die Verfilmung von Charlotte Roches Bestseller in den Kinos. Dabei hat Wilson die Romane noch nicht einmal gelesen, wie sie STYLEBOOK im Interview verriet.

STYLEBOOK: War „Schoßgebete“ Ihre bisher schwierigste Rolle?
Lavinia Wilson: „Ja, weil die Figur sehr komplex ist, manchmal sogar paradox. Meine Rolle Elizabeth Kehl denkt extrem viel und schnell nach, kreist um ihre Probleme und befindet sich eigentlich den ganzen Film über auf der Flucht vor ihren eigenen Erinnerungen – und trotzdem muss man dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sie zu verstehen, sie zu mögen. Im Leben ist das ja leicht, da hat man Zeit, jemanden in all seiner Vielschichtigkeit in Ruhe kennenzulernen, im Film muss das viel schneller gehen. Zum Glück ist Elisabeth mit einer ordentlichen Portion Humor, Kampfgeist und Selbstironie gesegnet, das hat mir den Zugang zu ihr eröffnet. Die schwierigen sind am Ende immer die schönsten Herausforderungen!“

Waren Sie ein Fan der Bücher von Charlotte Roche, bevor Sie die Rolle annahmen?

Wilson: „Ich kannte beide Bücher vorher nicht.“

Roches Bücher sind erfolgreich, aber kontrovers. Haben Sie die Hauptrolle in „Schoßgebete“ sofort spielen wollen oder haben Sie erst mal überlegt?
Wilson: „Ehrlich gesagt, hatte ich vom Hype um Charlotte gar nicht so viel mitbekommen. Als ich mich dann damit befasst habe, hatte ich das Gefühl, hinterm Mond gelebt zu haben. Als ich dann das Drehbuch gelesen habe, entdeckte ich gleich auf den ersten Seiten eine witzige, intelligente, gleichermaßen starke wie verletzliche Figur, die ich sofort spielen wollte. Dass das Buch kontrovers diskutiert wurde und dass auch der Film polarisieren wird, darüber denkt man beim Spielen nicht nach, das fällt mir erst jetzt wieder auf. Aber da muss ich durch, man kann nicht immer von allen gleich toll gefunden werden.“

In dem Film gibt es jede Menge Nacktszenen. Wie bereiten Sie sich darauf vor? Essen Sie dann vor Drehbeginn weniger?
Wilson: „Weniger Essen wäre Quatsch, dann stimmt der Anschluss nämlich nicht mehr. Ich mache Yoga – und je länger man Yoga macht, desto knackiger wird man, schnallt aber auch, dass es nicht um die perfekte Hülle geht. Genau das liegt ja auch Charlotte so am Herzen. Perfekt ist langweilig und für meinen Geschmack auch unsexy. Außerdem ist diese Obsession mit unserem Aussehen ein echter Zeitkiller!“

Für viele Frauen wäre es ein Alptraum, seinen nackten Hintern groß auf einer Leinwand zu sehen. Wie ist das für Sie?
Wilson: „Ich überlege mir natürlich ganz genau für welchen Film oder welche Rolle ich mich so zeige. Und man weiß ja vorher, was kommt. Das steht zum Glück im Drehbuch. Es ist mir viel peinlicher, einen Witz zu machen, über den keiner lacht oder eine Szene schlecht zu spielen, als wenn jemand meinen Hintern sieht.“

Sie gehören zu den „Best Dressed“-Frauen Deutschlands. Wer oder was war prägend für Ihren heutigen Stil?
Wilson: „Oh, danke. Prägend waren nicht zuletzt so einige Fashion-Desaster als Teenager und in den Zwanzigern, da habe ich gerne jeden Trend mitgemacht – mit voller Inbrunst. 1997 also nicht nur eine Ethno-Kette sondern gleich fünf. Oder statt weiten Hosen gleich die absurdeste Baggy-Variante inklusive XXL-Shirt. Irgendwann habe ich aber ein Gespür für meinen Körper bekommen. Sachen, die an Models wie großartige Kunstwerke aussehen, machen aus mir unter Umständen einen traurigen Schlumpf. Mittlerweile weiß ich, dass ich mit schmalen Schnitten und bestimmten Längen gut beraten bin und welche Farben meinem Teint und meiner Hautfarbe schmeicheln. Ganz wichtig ist aber auch, wie sich der Stoff auf der Haut anfühlt. Ich probiere aber immer noch gerne aus – auch auf die Gefahr hin, dass mal etwas völlig daneben geht. Auch wenn ich Filme gucke, achte ich immer auf die Kostüme, vor allem die Franzosen und Italiener haben uns da ein klein bisschen was voraus.“

Haben Sie ein weibliches Vorbild, was Red-Carpet-Looks betrifft?
Wilsnon: „Cate Blanchett.“

Arbeiten Sie für Premieren oder Events mit einer Stylistin zusammen?
Wilson: „Mal so, mal so. Ich arbeite schon lange und sehr gerne mit den Berliner Labels Lala Berlin und Kaviar Gauche zusammen. Achtland finde ich auch großartig, schade, dass sie nach England ausgewandert sind. Zu den „Schoßgebete“–Premieren bin ich in Chanel gegangen, und ich bin ein großer Fan der verspielten Eleganz von Miu Miu und Burberry Prorsum. Und einmal eine Abendrobe von Valentino, das wär‘s!“

Besonders toll an „Schoßgebete“ ist das stylische Setting und Ihr unaufgeregter, aber cooler Look. Haben Sie generell Mitspracherecht bei Kostümen?
Wilson: „Ich muss in der Regel nichts tragen, was ich furchtbar finde, aber bei Filmfiguren darf einem der persönliche Geschmack nicht im Weg stehen. Manchmal passt nun mal die ockerfarbene Funktionsjacke leider am besten zum Charakter. Bei ‚Schoßgebete‘ gab es einen sehr produktiven Austausch mit der Kostümbildnerin. Die Überlegung, auf die wir am Anfang der Arbeit gekommen sind, war die, dass eine Frau, deren Gefühlsleben ständig Achterbahn fährt vielleicht auf ein sehr akkurates und aufeinander abgestimmtes Styling wert legt. Da behauptet sie die Ordnung von außen, die sie innen nicht findet. Besonders cool fand ich, wie wir in der ersten Szene, der Traumsequenz, Elisabeths Ironie ins Kostüm übersetzt haben: In ihrem Rache-Alptraum schießt sie eine ganze Zeitungsredaktion zusammen, natürlich im Tarnanzug – aber den haben wir rosa gefärbt. Für die Szene habe ich ihr den Namen ‚Lara Soft‘ verpasst.

Und was zieht man an, wenn man mit seinem Mann ins Bordell geht, wie Sie in diesem Film?
Wilson: „Besonders sexy Leggings von dem Berliner Label DSTM, drüber ein schlichtes Alexander Wang Schlauchkleid und drunter handgenähte Wäsche von Demet Taha aus Köln.“

Kommentare


Blogs