Hit-Sängerin Natalia Kills im Interview
„In High Heels falle ich ständig hin“

Sie trägt immer auffällige Looks: schräg, extravagant, ein Hingucker. Ihre tiefbraunen Augen sind mit Kleopatra-Make-up umrahmt, ihre Haare zu einer Burg aufgetürmt. Doch eigentlich ist Hit-Sängerin Natalia Kills (25, „Free") eine recht zarte Erscheinung, wenn sie vor einem steht. Gerade ist sie auf Deutschland-Tour und machte in Berlin sogar einen Zwischenstopp bei uns in der Redaktion. STYLEBOOK nutzte die Chance und befragte sie mal genauer zu ihren Outfits und ihrem außergewöhnlichen Stil. Bei ihrem Besuch trägt sie ein Kleid von „Karl Lagerfeld für Macy‘s“ („Das hat nur Hundert Dollar gekostet“) und zwei riesige Ringe von H&M an ihrer rechten Hand. Dazu stöckelt sie auf turmhohen High Heels und bewundert die tolle Aussicht über die Hauptstadt aus dem 19. Stock des Axel Springer Verlags.

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    Foto: Getty Images

    Sexy Rock

    Natalia Kills bei ihrem Auftritt am 12. September 2011 in Berlin. Dem Publikum wurde allein schon bei diesem Anblick ordentlich heiß…

 „Berlin ist eine meiner liebsten Städte in der Welt! Hier ist alles so kosmopolitisch und fashion-betont. Vor allem die Mode ist unglaublich.“
 
STYLEBOOK: Ist es heutzutage wichtiger, den Fans eine gute Show mit ausgefallenen Outfits zu bieten als die Musik als solche?
 Natalia Kills: „Ich denke, die Öffentlichkeit ist viel intelligenter als die Medien uns Künstler porträtieren. Am Ende des Tages entscheidet immer das Publikum, ob das, was man macht, natürlich und glaubwürdig ist. Das merken die Menschen und haben Spaß dran. Aber es ist nicht wichtig, eine riesige, verrückte Show zu machen. Wichtig ist, dass die Musik, die man geschrieben hat, ehrlich ist.“
 
Wie wählst du deine Outfits für eine Show aus?
 „Für mich muss sich alles wie eine Welt anfühlen. Es ist wie eine Uniform, die ich anhabe, wenn ich auf der Bühne bin. In erster Linie muss ich mich selbst wohlfühlen. Auf der Bühne kann das ein wenig spektakulärer sein, aber es unterscheidet sich nicht sehr von den Outfits, die ich anhabe, wenn ich in einen Supermarkt gehe. Ich habe nicht diese zwiegespaltene Persönlichkeit. Ich trage nicht T-Shirt und Jeans privat und dann aufwendige Kostüme mit Glitter und Federn auf der Bühne.“
 
Würdest du in dem Outfit, das du gerade trägst, in einen Supermarkt gehen?
 „Ja, war ich sogar! Ich bin mit genau diesem Outfit in Berlin in einen Lidl gegangen.“

Im Ernst?
„Ja! Ich wollte ein paar Früchte für meine Band kaufen – und wurde ganz schön angestiert. Ich verstehe ja kein deutsch, also auch nicht, was die Leute über mich gesagt haben. Vielleicht besser so…“ (lacht)
 
Es waren bei dem sexy Outfit mit Sicherheit jede Menge Komplimente. Nervt es dich manchmal, wenn die Leute erst sagen, dass sie dich sexy finden und irgendwann später erst deine Musik erwähnen?
 „Oh nein! Ich möchte sexy sein! Ich war ziemlich hässlich als Mädchen. Ich habe immer davon geträumt, schön zu sein. Also freue ich mich, wenn mich Leute schön oder sexy finden. Jede Frau freut sich darüber – besonders ich.“
 
Möchtest du mit deinen Outfits auch provozieren?
 „Darüber denke ich nicht nach. Ich gehe immer meinem Instinkt nach. Ich kleide mich nur außergewöhnlich, wenn sich der Song, den ich singen möchte, oder meine Stimmung auch danach anfühlt. Heute zum Beispiel fühle ich mich recht einfach. (Sie wirft einen Blick auf ihre megahohen Schuhe und ihr ziemlich kurzes Kleid) Ja, das ist für mich einfach.“
 
Aha.
 „Ich trage doch nur Schwarz mit ein bisschen Weiß. Das ist nicht zu verrückt. Und auch nichts Konstruiertes.“

Deine Frisur schon…
 „Ach, die mache ich ja jeden Tag, dafür brauche ich nicht lange. 15 Minuten vielleicht.“

Sind das alles deine eigenen Haare oder schummelst du mit Extensions?
 „Sie sind alle echt – aber nicht alle meine (lacht). Hälfte, Hälfte würde ich sagen. Meine eigenen Haare gehen mir fast bis zur Hüfte, aber ich flechte noch welche rein.“
 
Hast du ein Vorbild für deinen Stil?
 „Ja, Audrey Hepburn. Sie ist soo wunderschön. Aber ich wollte noch etwas Kraftvolles mit reinmixen und kam auf Kleopatra. Seitdem mixe ich ihren Haar-Stil und ihr Make-up mit der Grazie und dem hohen Niveau von Audrey Hepburn. Das fühlt sich für mich am besten an. Ich möchte so schön und so kraftvoll wie diese beiden Frauen sein.“

Du bist gerade auf Tour. Wie viele Koffer schleppst du mit?
 „Sehr viele. Fünf, um genau zu sein. Man braucht einen Mann, der jeweils einen Koffer trägt. Das bedeutet, dass ich für jeden Koffer einen Liebhaber brauche… (lacht) Scherz! Alles muss praktisch sein. Ich kann keine Live-Show in Schuhen wie diesen hier machen. Denn damit falle ich hin und fühle mich wie ein Idiot. Ich falle nämlich ziemlich häufig in hohen Schuhen. Das muss ich auf ein Minimum reduzieren… (lacht)“

Apropos Liebhaber: Lass uns über Sex und Liebe sprechen. Warum geht es in fast jedem deiner Songs und praktisch ja auch in der ganzen Musik-Geschichte immer um diese beiden Themen?
 „Weil es der primitivste Instinkt eines jeden Menschen ist, geliebt zu werden und zu lieben. Denn Liebe ist das Einzige, das einen Menschen wertvoll macht. Kein Geld, kein Image, kein Ort dieser Welt kann das – nur Liebe. Deswegen drehen sich wohl die meisten Songs der Welt darum und haben immer eine Botschaft dazu. Wenn jemand uns liebt, sind wir wichtig für diesen Menschen. Es gibt wohl kein schöneres Gefühl.“

Wie würdest du deine eigene Beziehung beschreiben?
„Die meisten meiner Songs auf meinem Album ‘Perfectionist’ drehen sich um meinen ersten Freund. Das war eine grausame Beziehung. Wir waren fünf Jahre zusammen. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Er machte seine Sachen und ließ mich immer im Ungewissen darüber. Er machte immer ein Geheimnis daraus, bis ich dachte, ich bin verrückt. Ich verbrachte fünf Jahre meines Lebens damit zu denken, dass ich eine paranoide Irre bin. Deswegen schrieb ich auch den Song ’Love is a Suicide‘. Ich verbrachte all diese Zeit damit, mich selbst zu verletzen und in Therapien zu gehen. Zu schreien und zu weinen. All das ganze Drama einer 17-Jährigen. Doch das war meine eigene Schuld, denn ich hätte ja gehen können. Doch es war niemand da, der mir das mal hätte sagen können. Denn ich bin schon mit 14 Jahren von zu Hause ausgezogen und meinte, ich sei schon erwachsen. Das ging natürlich nicht gut.“
 
Könnte dir das heute noch einmal passieren?
„Nein, auf keinen Fall. Ich bin perfektionistisch. Das heißt: Wenn mir jemand nicht gut tut, bin ich weg. So einfach ist das. Ein Mann muss nicht perfekt sein. Aber er muss mir das Gefühl geben, dass ich es für ihn bin. Es ist egoistisch, aber es ist notwendig. Es ist vielleicht furchtbar, das so zu sagen. Aber es schützt vor Fehlern.“
 
Ist dieser Selbstschutz der Grund, warum du dich Natalia KILLS nennst?
„Nicht ganz. Ich bin nur Perfektionistin. Und wenn jemand etwas richtig, richtig gut gemacht hat, dann sagen wir im Englischen dazu gern: You killed it. Man würde über ein sensationelles Outfit von Naomi Campbell sagen: She was dressed to kill. So kann man meinen Künstlernamen verstehen.“

Du bist auf Tour auch zusammen mit Katy Perry. Seid ihr Freunde geworden oder doch Konkurrentinnen?
„Katy Perry ist einer der tollsten Menschen der Welt! Sie ist unglaublich und sehr echt! Sie ist wunderschön und unglaublich talentiert. Wir sind wirklich gute Freunde. Ich saß mit ihr stundenlang betrunken in der Achterbahn und besuchte andererseits mit ihr die alten Pyramiden in Mexiko. Mit ihr kann man alles machen. Ich genieße es sehr, mit ihr auf Tour zu sein.“

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Das Interview führten: Karen Gottschild und Jan Schimmang

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