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Googoosh begeistert mit Lied über Frauen-Liebe
von Laura Pomer
Die „Lady Gaga Irans“ erobert das Internet

In ihrem neuen Musik-Video zeigt die iranische Sängerin Googoosh (63) zwei Frauen, die sich lieben. Damit sorgt sie für eine Skandal: Homosexualität ist in der islamischen Republik verboten.

  • Googoosh

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    Foto: King Records

    In ihrer Single „Behesht“ fordert Sängerin Googoosh mehr Toleranz für Homosexuelle. Für Szenen aus dem Musikvideo: bitte weiterklicken

„Freiheit zu lieben für alle“! So lautet die Forderung von Googoosh. In ihrem Video erzählt sie die Geschichte eines Liebespaares, das sehr glücklich miteinander wäre – würde es nicht von seinem Umfeld angefeindet. Erst am Ende des Clips zeigt sich, warum: es handelt sich um zwei Frauen.

Mit ihrer jüngsten Single „Behesht“ (persisch für „Paradies“) möchte die Sängerin nicht medienwirksam provozieren, sondern gegen eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ein Zeichen setzen: Im Iran ist Homosexualität nicht „nur“ verpönt, sondern per Gesetz verboten. Wer erwischt wird, muss mit Inhaftierung rechnen, im schlimmsten Fall droht die Todesstrafe. Kein Wunder, dass es bisher kein Interpret gewagt hat, gleichgeschlechtliche Liebe zu besingen – geschweige denn, darzustellen.

Gerade deshalb löst Googooshs mutiger Schritt im Netz Begeisterungstürme aus. „Wunderschön. Hoffentlich werden die Menschen unseres Landes eines Tages aufgeschlossener sein“, lautet nur einer der unzähligen Facebook-Kommentare.

Auf YouTube wurde das einfache Video mit der gewaltigen Aussage über 100.000 Mal angesehen. Über Web-Portale für persische Musik, wie Bia2.com und RadioJavan.com, gab es sogar 1,5 Millionen Aufrufe – das ist besonders bemerkenswert, weil für die Nutzung dieser Seiten im Iran spezielle, illegale VPN-Zugänge nötig sind.


Prominente unterstützen die wichtige Botschaft: Die deutsch-iranische Schauspielerin Pegah Ferydoni (30), vor allem aus der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ bekannt, verkörpert im Video den einen Teil des Liebespaares. Schauspieler Navid Akhavan (33, „Tatort“) führte Regie, inszenierte die Handlung in Berlin. Auf seine Arbeit gab es eine Welle von Reaktionen: „Die vielen Nachrichten, die ich von Mitgliedern der iranischen Schwulen- und Lesbengemeinde bekommen habe, rührten mich zu Tränen,“ erzählte er im Interview mit der britischen Tageszeitung „The Guardian“.

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Verschiedene Online-Publikationen, wie TheDailyBeast “ oder das Schwulen- und Lesbenportal „ ChicagoSpectrum“, feiern Googoosh als „Lady Gaga Irans“. Der Grund: So, wie sich der US-Popstar immer wieder für gleichgeschlechtliche Liebe stark macht, hat die gebürtige Teheranerin jetzt eine wichtige Fürsprecherrolle für die Homosexuellen des Mittleren Ostens übernommen.

Dabei hat Googoosh eigentlich einen Bekanntheitsvorsprung gegenüber Gaga: Faegheh Atashin (so Googooshs bürgerlicher Name) ist seit Jahrzehnten im Geschäft, steht seit dem Teenager-Alter auf Bühnen. In ihrer Heimat ist sie längst eine Ikone – die es nicht immer leicht hatte. Während der  Islamischen Revolution 1979 war es ihr, wie den anderen Künstlerinnen ihres Landes, verboten, zu singen. Sie legte ihre Karriere auf Eis, bis sie 21 Jahre später nach Kalifornien auswanderte. Seither erreicht die 63-Jährige ihre iranischen Fans aus dem Exil. Und obwohl Atashin selbst heterosexuell ist und nicht aufgrund ihrer Neigungen verfolgt wird, hat sie aus Liebesgründen bereits unter Repressalien des iranischen Regimes gelitten: Sie musste eine dreimonatige Haftsstrafe absitzen, weil sie in den 70er-Jahren unverheiratet mit einem Mann zusammenlebte.

In Amerika kann sie frei leben, doch das Schicksal der Menschen in ihrer Heimat lässt sie nicht kalt. Szenen aus ihrem wundervollen Video: in unserer Bildergalerie!




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