Die wichtigsten Fakten zur Fussball WM

Foto: Getty Images

Fakten, Regeln, doofe Fragen
von Susanna Riethmüller
STYLEBOOK macht Sie fit für die WM!

Warum ist Fußball der beliebteste Sport der Welt? Was rufe ich laut beim Public-Viewing – ohne mich zu blamieren? Und wie erkläre ich die Abseits-Regel? Ayla Mayer aus der Sportredaktion von BILD erklärt, was FRAU jetzt wissen muss. Lesen Sie sich fit für die WM!

  • Ayla Mayer von BILD.de

    Foto: Privat

    Sport-Redakteurin und Fußball-Expertin Ayla Mayer von BILD.de erklärt, was frau jetzt zum Thema WM wissen muss


Zur Person:

Ayla Mayer (33) ist stellvertretende Leiterin der Sport-Redaktion von BILD.de. Außerdem leidenschaftlicher Fußball-Nerd; aus der Redaktion begleitete sie in den letzten Jahren alle wichtigen Turniere, auch wenn sie mit dem FC St. Pauli leider nie an einem teilnehmen wird. Pünktlich zur WM launchte Ayla gerade das Fußball-Blogportal www.1530blog.de – der Platz für Leute, die alles besser wissen.
Twitter:
@santapauli1980

STYLEBOOK: Warum ist Fußball der beliebteste Sport der Welt?
Ayla Mayer: Fußball ist mehr als der beliebteste Sport – er ist die beste Soap der Welt. Mindestens 90 Minuten Spannung, ohne dass jemand im Vorfeld das Skript spoilern kann. Besetzt mit gestrauchelten und wieder auferstandenen Helden, schönen Fieslingen, fiesen Schönlingen. Ein Kampf von Gut gegen Böse ohne Garantie auf Happy End. Und, nicht unwichtig: Fußball ist neben dem Kreißsaal das letzte Refugium der Welt, an dem Männer noch ungestraft heulen dürfen.

Warum wissen Männer alles über Fußball, haben aber keine Ahnung, wann der eigene Hochzeitstag ist?

Eine explosive wie tragische Mischung aus frühkindlicher Prägung, selektiver Wahrnehmung und falschen Prioritäten. Andererseits: Wir wissen doch auch, dass Patricia Field die Stylistin für „Sex and the City“ war oder welches Konfliktpotential der Satz „We were on a break!“ für Ross und Rachel hat…

Wer wird Weltmeister?

Dem Gastgeber ist es immer zu wünschen – und er ist, abgesehen von Turnieren in Südost-Asien oder in Wüstenemiraten, meist auch als Topfavorit gesetzt. Mein persönlicher Tipp ist allerdings Argentinien.

Wie finden wir eigentlich Jogi?
Wir finden Jogi gut! Er will den Titel, aber er will ihn schön gewinnen. Er will den deutschen Fußball weiterentwickeln, überrascht Fans und Experten immer wieder mit Taktik und Aufstellung. Er hat meist gute Laune. Er hat schönes Haar. Er hat aber auch viele Kritiker: Mit Klose ist nur ein nomineller Stürmer nach Brasilien gefahren, seine Experimentierfreude war entscheidend für das Halbfinal-Aus gegen Italien 2012. Obwohl Deutschland seit Jahren eine goldene Spielergeneration hat, fehlt dem Team bislang der letzte Biss zum Titel. Viele meinen: Sollte Deutschland ohne Pokal im Gepäck nach Hause fahren, ist Löws Ära nach acht Jahren beendet.

Wer ist der beste Spieler in der deutschen Nationalmannschaft?
Tja, dickes Problem. Der beste Spieler sitzt aktuell nicht im Campo Bahia, sondern in Dortmund und kuriert seine schwere Sprunggelenksverletzung. Das Aus von Marco Reus ist eine menschliche Tragödie, kostet die deutsche Nationalmannschaft ein großes Maß an taktischer Flexibilität – und einen absoluten Sympathieträger.

Anzeige

Eine WM-Info, die nur echte Fans kennen. Zum Angeben!
Hoffentlich kommt es für Brasilien nicht zu einem weiteren „Maracanaco“, dem Schock vom Maracana. Denn schon einmal war Brasilien Gastgeber einer WM. 1950 peitschten über 200.000 entfesselte Fans das brasilianische Team im Finale gegen Uruguay nach vorn. Brasilien verlor überraschend nach 1:0-Führung kurz vor Schluss mit 1:2. Totenstille, Schockzustand. Später fanden Reinigungskräfte im Stadion vier Leichen. Drei Zuschauer hatten einen Herzinfakt erlitten, einer hatte sich aus Verzweiflung von der Tribüne gestürzt. Uruguays Torschütze Alcides Ghiggia würde später über seinen Treffer sagen: „Lediglich drei Menschen haben das Maracana zum Schweigen gebracht: der Papst, Frank Sinatra und ich.“ Das aktuelle Turnier findet also nicht nur unter dem schweren Schatten der Proteste über soziale Missstände, Korruption und Verdrängung durch die FIFA statt. Die brasilianische Mannschaft steht dazu auch noch unter dem Druck, für ein sportliches Happy-End und gleichzeitig für Wiedergutmachung für 1950 zu sorgen.

Die wichtigsten Spiele der WM? An welchen Tagen sollte ich also keinen romantischen Abend mit meinem Liebsten planen?
Tabu sind die Abende der deutschen Gruppenspiele – Montag, der 16., Samstag, der 21. und Donnerstag der 26. Juni. Zieht die DFB-Elf ins Achtelfinale ein, wovon ich fest ausgehe, sind Montag der 30. oder Dienstag, der 1. Juli geblockt. Must-Sees sind allerdings auch andere Spiele in der Gruppenphase, wie England-Italien am 15. Juni oder Ghana-USA am 17. Juni. Mein Tipp also: Sich zum Beispiel auf BILD.de einen Spielplan besorgen und die freien Abende bis zum Finale am 13. Juli gemeinsam planen. Und die Grundregel eines Turniers beachten: Ab dem Achtelfinale gibt es keine unwichtigen Spiele mehr!

Auf welches Finale wetten Fußball-Kenner – und warum?
Schwierige Frage, da für den weiteren Turnierverlauf entscheidend ist, auf welchem der zwei ersten Plätze eine Mannschaft die Gruppenphase beendet. Sollte Brasilien Gruppenerster werden und Spanien in seiner Gruppe Zweiter, so spielen diese zwei Topfavoriten bereits im Achtelfinale gegeneinander. Es wäre aber auch eine mögliche Finalpartie… Halten wir uns lieber an eine Gruppe aus Favoriten, aus denen das Finale bestritten werden kann: Für mich sind das Brasilien, Argentinien, Spanien und mit Abstrichen Belgien, Chile und Deutschland.

Wie erklärt man die Abseits-Regel in zwei Sätzen?
Grob: Wenn ein Spieler so dicht am gegnerischen Tor rumlungert, dass zwischen ihm und der Torlinie weniger als zwei gegnerische Spieler sind, dann steht er im Abseits. Ziel ist es, zu unterbinden, dass ein Spieler einfach nur vorn am Tor des Gegners steht und auf lange Pässe wartet. Immer angebracht ist eine Zusammenfassung Franz Beckenbauers: „Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.“

Was rufe ich laut beim Public-Viewing – weil das niemals falsch ist?
Bei Foul vom Gegner: „Der hat doch schon Gelb!“

Und welche WM-Frage stelle ich in der Öffentlichkeit auf keinen Fall – weil ich mich damit sofort als Nixblicker oute?

„Wo ist eigentlich Michael Ballack? Und warum sitzt Klinsi nicht bei Jogi?“ Meine Bitte: Niemals „Schieß' doch“ brüllen, sobald ein Spieler mit Ball die Mittellinie überquert.

Apropos: Muss ich mich eigentlich beim Public-Viewing als Fan verkleiden?
Beim Public Viewing herrscht optischer Gruppenzwang wie beim Oktoberfest. Trotzdem: Wer noch kein Trikot hat, dem reicht definitiv ein günstiges Accessoire. Das kann man bei einem etwaigem schmachvollen Achtelfinal-Aus gegen Südkorea dezent abnehmen.

Darf ich beim Public-Viewing Weißwein-Schorle bestellen?
Abgesehen davon, dass Public Viewings dieses Jahr im Zeichen der Caipirinha stehen dürften: absolut! Pils muss keiner. Wer am Bierkönig seine Unsicherheit überspielen muss, nimmt den ersten Schluck achselzuckend mit den Worten: „Den Kick kannst du dir nicht mal schön trinken.“ Arschcool-Variante: Frau bestellt sich eine „Weißwein-Schürrle“.


Kommentare


Blogs