Das Dior-Debüt von Raf Simons
Die ganze Modewelt drückte die Daumen

Am Montagnachmittag (2. Juli), gegen 14 Uhr, hielt Paris für einige Sekunden den Atem an. Unter den Augen der Mode-Elite – Models, Schauspieler und Designer – gab Raf Simons (44) in der 51 Avenue d'Iéna sein Debüt für Dior. Das gemeinsame Aufatmen nach den ersten Looks muss laut und gelöst gewesen sein. Denn seine Couture-Show kann als Erfolg auf ganzer Linie verbucht werden.

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    Foto: Getty Images

    Designer Raf Simons nach seinem Dior-Couture-Debüt vor einer blauen Blumenwand




Es war Perfektion – die Musik, die Blumen, die Kleider, die Mädchen, die Leute, das Ambiente. Die Atmosphäre hier ist sehr positiv, jeder wollte, dass Raf erfolgreich ist und er war es.“ Lanvin-Designer Alber Elbaz geriet nach der Dior-Couture-Show in einem Interview mit Joelle Diderich, Redakteurin der Modeplattform „WWD“, ins Schwärmen. Mit seiner Euphorie war er nicht allein. Das „Who is who“ der Modebrache hatte sich mit ihm auf den Weg gemacht, um bei Raf Simons erster Show für Dior dabei zu sein – und alle waren sie voll des Lobes.

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Marc Jacobs, Donatella Versace, Riccardo Tisci, Azzedine Alaïa, Kris Van Assche, Jean-Louis Scherrer, Pierre Cardin, Olivier Theyskens und Diane von Furstenberg saßen im Publikum als die ersten „New Looks“ von Simons über den Laufsteg schwebten.

Versace-Chefin Donatella bezeichnete die Kollektion gegenüber „Womens Wear Daily“ als „wunderschön und sehr Dior“ – „Dior“ als ein Synonym für die typische architektonische Schnittführung, die klassischen Ballroben und den von Dior in den späten 40ern geschaffenen „New Look“. Zudem hatte Simons die Wände aller Räume vollständig mit Blumen auskleiden lassen – eine Hommage an die Blumen-Obsession Christian Diors.

Doch das Zitieren vergangener Zeiten allein, ist keine Kunst, es sind eigene Zutaten und der Mut, etwas Neues zu schaffen. Im Falle der Dior-Couture-Kollektion war das Ergebnis eine Symbiose aus traditioneller, aber überarbeiteter Formgebung und neuen Prints, Elementen aus der Natur und vollendeter Konstruktion.

Simons modellierte klassische Ballroben aus den 50er-Jahren, trimmte sie mit Metallic-Gürteln auf „Jetzt“ und nahm ihnen zugleich mit futuristischen Farbverläufen, Perlenapplikationen und transparenten Tops die Strenge der Vergangenheit. Einige Kleider beraubte er sogar vollständig ihres Rockes. Er beschnitt sie bis auf Hüfthöhe und kombinierte die so entstandenen Schößchen-Oberteile mit schlichten, schwarzen Seidenhosen im Zigaretten-Cut.

Auch vor intensiver Farbe, Fellen, Pailletten und Metallen schreckte er nicht zurück, doch niemals ließ er die Charakter-Elemente allein stehen, er regelte sie mit klassischen Schnitten herunter oder stellte ihnen einen beruhigenden Gegenpol wie tiefes Mitternachtsblau an die Seite.

Noch scheint die Kollektion nur die Spitze des Eisberges an Ideen zu sein, die Raf Simons verborgen hält. Sie ist gewagt, aufregend und neu, aber entwicklungsfähig.

Erst im April dieses Jahres wurde bekannt, dass der Belgier Raf Simons die Nachfolge von John Galliano bei Dior antreten würde. Der frühere Kreativdirektor des Hauses  war im vergangenen September wegen antisemitischer Äußerungen von einem Pariser Gericht zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt worden. Wegen des Skandals hatte sich  Dior von Galliano getrennt.

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