Übergepäck und Knitterfalten adé
Koffer packen, aber richtig!

Vor jeder Reise kommt das lästige Kofferpacken. Und jedes Mal die gleichen Fragen: Was gehört unbedingt rein? Wie packe ich richtig und platzsparend? STYLEBOOK hat sich Rat bei einem Profi geholt. Christopher Cantlon (58) ist Butler und Lehrer an der weltberühmten Butler Academy im niederländischen Kasteel Oost – und hat so einige Tipps und Tricks rund ums Packen im Gepäck.

  • Foto: Twitter

    Nicht jeder muss gleich mit dem ganzen Hausstand verreisen, wie zum Beispiel Promi-Stylistin Rachel Zoe. Die twitterte vergangenen Herbst ihr Übergepäck zur Pariser Modewoche. Mit ein paar Tricks und Tipps können Sie leichter reisen – versprochen!

STYLEBOOK: Alu, Leder, Nylon – welches Koffermaterial ist das beste?
Christopher Cantlon: Das hängt natürlich ganz davon ab, wohin sie reisen und was sie vorhaben. Planen Sie eine Abenteuersafari, ist ein Leder-Schrankkoffer nicht ideal und ein Rucksack besser geeignet. Da sollte das Material vor allem ausreichend vor Feuchtigkeit schützen, damit Ihre Sachen trocken bleiben. Ist Ihre Reise nicht ganz so anspruchsvoll, bleibt es Ihrem Geschmack, Stil und Ansprüchen überlassen, welches Modell Sie wählen. Ich finde Rollen am Koffer ganz wichtig.

Wie viel Geld sollte ich in einen Koffer investieren?
In der mittleren Preisklasse, also zwischen 300 und 500 Euro, finden Sie Top-Qualitäten für eine normale Koffergröße. Bei extrem wertvollen Modellen muss man ja ständig darauf achten, dass sie einem nicht gestohlen werden. Viel wichtiger als die Marke sind: 1. Gute Rollen. 2. Stabile Griffe 3. Funktionierende Schlösser. Und denken Sie immer daran, dass Sie Ihr Gepäck selbst herumtragen müssen. Also: lieber eine kleine Größe wählen und Gepäck reduzieren.

Guter Tipp. Aber wie packe ich denn nun richtig?
Das ist gar nicht so schwer. Folgendes sollten Sie immer beachten: Schwere Sachen wie Schuhe (Lederschuhe immer im separaten Beutel) und der Kulturbeutel kommen nach unten, dann Jeanshosen, robuste Jacken, Unterwäsche und darauf T-Shirts, Pullover, Hemden, feine Hosen und Jacken. In der Nobelvariante werden Pullover, Hemden und Blusen einzeln mit Seidenpapier ausgepolstert. Auf jeden Fall sollten Teile aus empfindlichen Materialien, etwa Seide, immer in Papier oder Servietten eingeschlagen werden, um sie zu schützen.

Und wie packe ich platzsparend?
Sie müssen die kleinen Freiräume nutzen. Mit Socken, Unterhosen, Gürteln lassen sich wunderbar freie Löcher stopfen. Socken gehen auch gut ins Schuhinnere. Dann wirken sie auch noch wie ein Schuhspanner und halten so das Leder in Form.

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    Christopher Cantlon, Chef-Butler an der weltberühmten Butlers Academy im niederländischen Kasteel Oost, hat gelernt, wie man einen Koffer richtig packt. Von ihm könnten auch viele Promis noch einiges lernen! Zum Beispiel...

Leider immer ärgerlich: Knitterfalten. Haben Sie einen Trick, um zum Beispiel Anzüge und Business-Kostüme knitterfrei zu transportieren?
Das ist tatsächlich eine sehr delikate Sache. Am besten ist es natürlich, diese in einem separaten Kleidersack zu transportieren. Geht das nicht, versuchen Sie folgendes:
• Legen Sie das Jackett oder den Blazer ganz normal vor sich hin, etwa aufs Bett oder einen Tisch. Dann die Schultern mit Seidenpapier oder Papiertaschentüchern auspolstern.
• Rock oder Hose (auf der Hälfte gefaltet) legen Sie ins Innere der Jacke.
• Dann die beiden Ärmel vor der Jacke so kreuzen, dass die Ärmelenden am Jackensaum aufeinander liegen.
• Auf die obere Hälfte der Jacke ein Blatt Seidenpapier, ein Handtuch oder T-Shirt legen, vom Jackensaum zum Revers mittig falten, fertig.
• Für Anzughosen gibt es noch folgenden Trick, um vor Knicken zu schützen: Die obere Hälfe der Hose faltenfrei in den Koffer legen, darauf eine Lage Wollpullover oder Hemden legen und die untere Hosenhälfte umklappen.

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Und das Abendkleid der Dame?
Auch dieses entweder in einen Kleidersack oder einfacher: In Seidenpapier einwickeln und in einer separaten Papiertüte als Handgepäck mitnehmen.

Und was, wenn beim Auspacken doch alles zerknittert ist und weit und breit kein Bügeleisen zu bekommen ist?
Dann gibt es nur einen altbekannten Trick. Hängen Sie die Teile ins Hotel-Badezimmer und drehen Sie die Dusche ganz heiß auf, bis ganz viel Dampf im Raum ist. Stellen das Wasser ab, machen die Badezimmertür zu – und gönnen Sie Ihren Kleidern ein Dampfbad. Das sollte für's Erste helfen. 

Noch einmal zurück zum Thema leichtes Gepäck. Können Sie eine Basisausstattung empfehlen, mit der ich überall gut auskomme?
Das Wichtigste bei der Reisegarderobe ist natürlich, nur Teile mitzunehmen, die man gut und einfach miteinander kombinieren kann. Wichtig: ein Paar bequeme Schuhe, die auch elegant genug für abends sind. Frauen sollten immer ein edles Tuch oder einen bunten Schal im Koffer haben, damit lässt sich schnell ein simples Outfit auf individuell und edel trimmen. Neben einer Jeans sollte immer eine etwas feinere Hose im Gepäck sein, bei Herren reicht eine Chino. Und, natürlich, sofern es die Dame besitzt: das kleine Schwarze. Das funktioniert abends und tagsüber, ist je nach Styling elegant oder casual. Danke, Coco Chanel!

An was muss ich noch denken?
Alle Sachen sollten pflegeleicht sein. Ein Wollpullover oder eine Strickjacke zum Beispiel müssen ja nicht täglich gewaschen werden, sondern nur ausgelüftet. Baumwolle ist robust und leicht zu pflegen. 

Problem: Schmutzwäsche. Was mache ich damit?
Ein gutes Hotel hat in der Regel einen Laundry-Service. Ansonsten gibt es auch in vielen Urlaubszielen Reinigungen oder Waschsalons. Wenn Sie denen nicht vertrauen, können Sie natürlich auch Unterwäsche oder T-Shirts im Waschbecken selbst waschen. Sollten Sie während der Reise nicht am gleichen Ort bleiben, unbedingt eine extra Tüte für die schmutzige Wäsche mitnehmen, damit diese sich nicht mit der sauberen vermischt. 

Den größten Fehler, den Reisende machen?
Mit dem halben Haushalt zu verreisen. Auch in anderen Ländern gibt es Zahnpasta und ein Duschbad zu kaufen. Und nicht jeden Tag muss man mit einem nagelneuen Outfit überraschen. Schließlich reist man ein, zwei oder drei Wochen in der gleichen Gesellschaft. Ihr Partner wird sich nicht beschweren, wenn sie montags, donnerstags und sonntags dasselbe T-Shirt anhaben. Noch ein Tipp: Machen Sie sich rechtzeitig eine Checkliste mit den Dingen, die unbedingt mitmüssen. Klingt zwar altmodisch, ist aber immer noch das beste Rezept, um nichts zu vergessen – und so Geld zu sparen, weil die teuren Neuanschaffungen wegfallen, die man eigentlich gar nicht braucht.

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