Diesmal könnte er echt sein!
Erneuter Hilferuf bei Primark

Beinahe hat Primark sich reinwaschen können von dem Vorwurf, seine Mitarbeiter menschenunwürdig zu behandeln. Nun kommt der nächste, richtige dicke Skandal. Dabei handelt es sich wieder einmal um einen Hilferuf – und diesmal anscheinend nicht um eine Fälschung.

Als Konsument weiß man nicht mehr so recht, was von einigen Textil-Discountern zu halten ist. Vor einigen Monaten waren scheinbare Hilferufe von unterdrückten Mitarbeitern in Kleidungsstücken gefunden worden, die in Etiketten eingenäht waren. Sie entpuppten sich jedoch als Fälschungen. Kurze Zeit danach überraschte die Meldung, dass Greenpeace Billig-Modeketten à la Primark und Co. für seine saubere Textil-Produktion lobt. Und nun sieht schon wieder alles anders aus.

  • Primark-Filiale

    Foto: Getty Images

    Mit 290 weltweiten Filialen könnte man sagen: Läuft bei Primark! Und doch ranken sich seit Jahren immer wieder Gerüchte um die Arbeitsbedingungen hinter der einladenden Fassade

Hilferuf in Socken gefunden
So entdeckte ein britischer Familienvater in seinen neuen Primark-Socken einen Zettel mit chinesischen Schriftzeichen und zeigte den Fund seiner Tochter. Neugierig, worum es sich dabei wohl handeln mag, postete die Schülerin ein Foto davon auf ihrem Instagram-Account mit der Bitte um Mithilfe. Verschiedene Nutzer mit Chinesischkenntnissen meldeten sich zu Wort, das Schriftstück war bald übersetzt.

PLEASE SHAREmy dad bought some socks from Primark a week ago and this note was found folded up in one of the socks.rough translations are below

Posted by Lucy Kirk on Donnerstag, 10. Dezember 2015


Grusel-Story oder Wahrheit?
Die Botschaft soll von einem gewissen Ting Kun Ding stammen, 39 Jahre alt und aus der chinesischen Provinz Anhui. Seine Vorwürfe sind schockierend: Er sei entführt und ins Gefängnis gesperrt worden, da er auf die Korruption der lokalen Verwaltung aufmerksam gemacht habe, seine Frau habe man in die Psychiatrie gesteckt und seinen Vater in einem Krankenhaus ermordet. In der Botschaft gibt der vermeintliche Ting Kun Din auch eine Telefonnummer an, die angeblich seinem Bruder gehört.

Anschuldigungen zum Teil bestätigt
Unter dem Hashtag #helptingkunding hat sich die Botschaft schnell in den sozialen Netzwerken verbreitet. Und es soll einiges Wahres daran sein. Auf telefonische Nachfrage von „SZ.de“ bestätigte der Parteisekretär eines Dorfes in Anhui die Existenz von Ting Kun Ding, der sich aktuell tatsächlich in Untersuchungshaft befinden soll. Zudem habe er bereits mehrmals in Peking wegen ungerechter Bedingungen an seinem Arbeitsplatz in Jiangsu protestiert. Umgerechnet 7000 Euro habe die dortige Regierung ihm angeboten, um ihn ruhig zu stellen. Er habe das Geld genommen und dennoch weiter Lärm gemacht.

Die Behauptungen zu Ting Kun Ding Vertrauten hingegen seien nicht uneingeschränkt zu bestätigen. So soll sein Vater im vergangenen Jahr zwar verstorben sein, allerdings aus Krankheitsgründen. Und dass seine Frau sich in psychiatrischer Behandlung, basiere auf einer Selbsteinweisung. Inzwischen hat auch Primark sich offiziell zu dem Thema geäußert. Man nehme den Fund sehr ernst und wolle ihn eingehend untersuchen.

  • Botschaft in Primark-Etikett

    Foto: Getty Images

    Die vermeintlichen Hilferufe, die im vergangenen Jahr in Textilien der Marke Primark eingenäht waren, entpuppten sich als Fälschung. Angeblich stammten sie Aktivisten, die auf die furchtbaren Arbeitsbedingungen in der Produktion aufmerksam machen wollten


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