Liv Tyler im Fashion-Interview
von Julia Wagner
„Zuhause bin ich gerne nackt“

Schauspielerin Liv Tyler (39) ist unter die Designer gegangen – und hat für die britische Luxusmarke Belstaff ein Capsule Collection entworfen. Wie es dazu kam, warum sie zuhause am liebsten nackt ist und warum Papa Steven Tyler (68) ihre Klamotten klaut, verriet sie uns im Interview.

Fast jedes Mädchen wollte in den 90er-Jahren so aussehen wie Liv Tyler – und einen ebenso coolen Look haben aus Grunge-Shirt, abgerissenen Jeans und Nabelpiercing. Heute ist aus der „Herr der Ringe“-Darstellerin eine elegante Frau geworden, die Designerklamotten und klassische Basics liebt.

Zum Interview im Berliner Soho House erscheint sie daher auch in schwarzen Hosen, Lederjacke und Ballerinas zu nackten Füßen – im November. Sie ist hier als Testimonial für Belstaff, zeigt Stücke aus ihrer Mini-Kollektion, die sie selbst designt hat.

  • Liv Tyler

    Foto: Franziska Krug für Belstaff

    Schauspielerin Liv Tyler in ihrer Lieblings-Uniform aus weiten Hosen, Lederjacke und Flats. Die trug sich auch beim Interview in Berlin

STYLEBOOK.de: Sie sind dreifache Mutter, Schauspielerin und jetzt auch Designerin. Hatten Sie nicht zuvor schon genug zu tun?
Liv Tyler: „Die Leute bei Belstaff haben mich gefragt, ob ich das neue Gesicht der Marke werden und auch kreativ mitarbeiten will. Ich habe ja auch geholfen, den Kurzfilm mit David Beckham zu produzieren, da mein Verlobter mit David arbeitet (Anm.: Sportmanager David Gardner). Mit hat das unheimlich viel Spaß gemacht, weil man nicht den Stress hatte, einen ganzen Film zu produzieren. Das kann ja mit Finanzierung und Post Production Jahre dauern. Wir konnten hier die Unmittelbarkeit der Mode in einem Kurzfilm festhalten. Ich habe dann gefragt, ob ich eine Capsule Kollektion designen darf und sie sagten ja.“

Welche Frau haben Sie im Kopf, wenn sie etwas entwerfen?
Liv Tyler: „Ich bin da ziemlich selbstsüchtig. Ich habe wirklich Dinge entworfen, die ich tragen möchte. Und Teile, die ich meinen Freunden geben würde. Wenn ich richtig für das Label arbeiten würde und die gesamte Kollektion entwerfen müsste, würde ich natürlich für jede Frau entwerfen. Aber mein Job war ja eine Capsule Collection für mich.“

  • Liv Tyler

    Foto: Franziska Krug für Belstaff

    Liv Tyler vor ihrer eigenen Mini-Kollektion, die sie für Belstaff designte. Darin zu finden sind schlichte Teile wie Kleider, Parkas oder Blusen

Was sind Ihre Lieblingsteile in Ihrem eigenen Kleiderschrank?
Liv Tyler: „ Ich hab mich da ganz schön reingesteigert und kaufe aktuell mehr Tops als sonst. Jetzt wird es aber immer kälter und ich bin so ziemlich im Arsch, weil ich eigentlich Boots brauche und warme Sachen. Ich brauche also dringend eine neue Uniform. Außerdem liebe Mäntel und plane auch immer meinen ganzen Look um Mäntel herum. Ich habe mir gerade einen tollen Cashmere-Mantel von Givenchy gekauft.“

Was sind die wertvollsten Stücke in Ihrem Schrank?
Liv Tyler: „Ich habe ein paar Sachen, die Alexander McQueen speziell für mich gemacht hat, die unfassbar toll sind, aber meistens weggepackt. Ein paar seiner Sachen habe ich damals, als ich jünger war, auch noch gar nicht verstanden. Ich habe zum Beispiel ein schwarzes Raben-Cape aus Federn von ihm, das war passend zu einem Kleid, das ich zu einer der Premieren von „Herr der Ringe“ getragen habe. Damals habe ich nur das Kleid angezogen. Das Cape habe ich später dann einmal zu Halloween getragen, was diesem besonderen Teil eigentlich gar nicht würdig ist.“

Stimmt es, dass Sie Klamotten mit Ihrem Vater tauschen?
Liv Tyler: „Ja, ich liebe es, mir seine alten Stücke auszuborgen und auch er schätzt meinen Kleiderschrank. Wir haben mal für längere Zeit Häuser getauscht, ich wohnte in seinem in L.A. und er war bei mir in New York. Wir haben uns dann mal wo getroffen und er hatte drei meiner Shirts in seinem Koffer, eher so blusenartige Teile. An ihm sahen sie aber großartig aus. Irgendwie ist das normal bei ihm.“

Geben Sie einander auch Mode-Ratschläge?
Liv Tyler: „Er sagt immer, dass mein Haar zu platt ist und will mir immer diesen 80er-Jahre Look verpassen. Und ich sage immer, dass er mal einen eleganten, schwarzen Anzug tragen soll und weniger Schnickschnack. Ich nehme ihm dann gerne Schmuck ab. Aber ich schätze es auch, dass er diesen verrückten Stil hat.“

  • Liv Tyler

    Foto: Franziska Krug für Belstaff

    Liv Tyler in einem selbst designten Kleid bei den GQ Awards in Berlin, wo sie als „Gentlewoman of the Year“ ausgezeichnet wurde

Welche Jahrezeit ist Ihnen in Sachen Mode lieber? Frühling und Sommer oder Herbst und Winter? 
Liv Tyler: „Herbst und Winter, weil man sich da richtig anziehen kann. Zuhause bin ich ja auch gerne einfach mal nackt. Im Urlaub liebe ich allerdings Sommer-Shopping, wenn man transparente, weite Teile kaufen kann. Ich lebe schon immer in New York und da ist es im Sommer verdammt heiß. Früher hat man dann einfach nur abgeschnittene Jeansshorts getragen und ein T-Shirt, aber die Mode hat sich eben stark verändert“

Was sagen Sie als Amerikanerin zu dem Wahlergebnis und dem neuen Präsidenten Trump?
Liv Tyler: „Eigentlich will ich nicht darüber sprechen, mir gehen dazu zu viele Gedanken durch den Kopf. Um das irgendwie zu verallgemeinern, würde ich sagen, dass ich überwältigt bin, wie die meisten von uns. Es herrscht in der Welt gerade viel Unsicherheit und Verwirrung, es ist ja nicht nur diese Wahl. Ich muss das erst verdauen, dass das jetzt alles Realität geworden ist. Ich versuche gerade, auch die anderen Ansichten zu verstehen. Das ist wahrscheinlich die Schauspielerin in mir, die beides versucht nachzuempfinden.“


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